Trotz Plagiaten in Doktorarbeit Koch-Mehrin drängt es zur Forschungspolitik

FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin geht nach Verlust ihres Doktorgrads in die Offensive - sie gehört nun dem Forschungsausschuss des Europaparlaments an - "vielleicht lernt sie da ja wissenschaftliches Arbeiten", spotten die politischen Gegner.

Erst vor einer Woche hatte ihr die Universität Heidelberg den Doktortitel wegen Plagiatsvorwürfen entzogen, doch die FDP-Europaabgeordnete möchte sich nun erst recht mit der Wissenschaft befassen: Silvana Koch-Mehrin wird Forschungspolitikerin.

Zu Erinnerung: Nach Aufkommen der Plagiatsvorwürfe hatte bereits Koch-Mehrin im Mai ihre Posten als Vizechefin des Europaparlaments und im FDP-Präsidium abgegeben, das Mandat im Europaparlament will sie jedoch behalten - und geht nun in die Offensive. Sie ist nun Vollmitglied im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie des Europäischen Parlaments. Zuvor war sie stellvertretendes Mitglied.

Ihr Parteikollege Jorgo Chatzimarkakis, der bislang als Vollmitglied im Ausschuss saß, gehört diesem nur noch als stellvertretendes Mitglied an.

Ein Sprecher der FDP im Europäischen Parlament betonte am Donnerstag, Überlegungen, dass sich Koch-Mehrin stärker im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie engagieren wolle, gebe es schon seit längerem. Chatzimarkakis - auch in seiner Dissertation sollen Plagiate enthalten sein - bleibe als stellvertretendes Mitglied im Ausschuss und damit auch energiepolitischer Sprecher der deutschen Liberalen im Europaparlament.

Die Themen des Ausschusses seien zudem vielfältig. "Frau Koch-Mehrin wird damit nicht zwingend Forschungspolitikerin", fügte er hinzu. Nähere Erläuterungen zu der Frage, ob sie sich einer der Kernaufgaben des Ausschusses nun zuwenden wolle oder nicht, gab es nicht. Der Forschungsausschuss kümmert sich der Internetseite des Europaparlaments zufolge um "die Forschungspolitik der Union, einschließlich Verbreitung und Auswertung wissenschaftlicher Erkenntnisse".

Auf ihrer Website teilte Koch-Mehrin mit, dass sie sich auch weiterhin den Themen "Digital Agenda, Informationstechnologie, Telekommunikation und Internet" widmen wolle - wie schon als stellvertretendes Mitglied des Ausschusses.

Die Grünen haben die Berufung von Koch-Mehrin in den Forschungsausschuss mit Spott kommentiert. "Vielleicht lernt sie da ja wissenschaftliches Arbeiten", sagte der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold in Brüssel der Nachrichtenagentur AFP. "Dann kann sie bei der Übernahme von Änderungsvorschlägen von Lobbyisten in Zukunft Quellenangaben machen."

Koch-Mehrin war der Doktortitel vergangene Woche aberkannt worden, nachdem eine Kommission der Universität eine Vielzahl von Plagiaten nachgewiesen hatte. Zur Begründung hieß es, dass auf etwa 80 Seiten der Arbeit mit dem Titel "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik: Die Lateinische Münzunion 1865 - 1927" über 120 Stellen seien, die als Plagiate bewertet worden seien. Die Textstellen stammten aus mehr als 30 verschiedenen Publikationen, von denen Koch-Mehrin zwei Drittel nicht im Literaturverzeichnis ihrer Dissertation aufgeführt habe.

Neben Silvana Koch-Mehrin droht zwei weiteren FDP-Politikern die Aberkennung ihres Doktortitels. Sowohl die Plagiatsvorwürfe gegen Chatzimarkakis als auch gegen den Bundestagsabgeordneten Bijan Djir-Sarai werden derzeit von den Universitäten Bonn und Köln geprüft.