Todesurteil gegen angeblichen CIA-Spion Teheran reizt die "roten Linien" der USA aus

Er soll spioniert haben und dafür mit dem Leben büßen: Ein iranisches Revolutionsgericht verurteilt den angeblichen CIA-Agenten Amir Mirsai Hekmati zum Tode. Das Urteil kommt zu einem brisanten Zeitpunkt - Washington hatte Teheran gewarnt.

Der junge Mann in dem Video spricht langsam, er wechselt zwischen Farsi und Englisch. Immer wieder blickt er zu Boden. Er erzählt, wie er sich der US-Armee als Marineinfanterist angeschlossen habe, schildert seine Ausbildung auf US-Stützpunkten in den Nachbarstaaten Afghanistan und Irak. An einer Stelle in dem Video, das knappe 20 Minuten dauert und immer wieder von dramatischer Musik unterbrochen wird, räumt er ein: "Ich wurde von der CIA getäuscht ... Obwohl ich das Land betrat, um den iranischen Geheimdienst zu infiltrieren und zu einer neuen Quelle der CIA zu werden, so war es nie meine Absicht, dem Land zu schaden."

Bei dem Mann in dem Video handelt es sich um Amir Mirsai Hekmati, einem US-Bürger mit iranischen Wurzeln. An diesem Montag habe das iranische Revolutionsgericht den 28-Jährigen wegen seiner mutmaßlichen Agententätigkeit zum Tode verurteilt, berichtet die halbamtliche Nachrichtenagentur Fars. Die Staatsanwaltschaft hatte das angebliche Video-Geständnis Hekmatis als klaren Beweis für seine Schuld gewertet und die Höchststrafe gefordert.

Wie Fars weiter meldet, sei Hekmati schuldig befunden worden der "Zusammenarbeit mit einem feindlichen Staat, Zugehörigkeit zur CIA und Terrorismus-Verbindungen". Gegen das Urteil können noch Rechtsmittel eingelegt werden: Nach iranischem Recht hat Hekmati nach der Verkündung 20 Tage Zeit, um Berufung einzulegen.

Panetta warnt vor Überschreiten "roter Linien"

Es ist nicht das erste Mal, dass die iranischen Behörden angebliche Spione aus den USA oder Israel "enttarnen" und deren Geständnisse im Fernsehen zeigen. Doch das Urteil gegen Hekmati kommt zu einem brisanten Zeitpunkt: Die Spannungen zwischen den USA und Iran haben in den vergangenen Tagen stark zugenommen, nachdem Teheran damit gedroht hatte, die für die globalen Öltransporte wichtige Meerenge von Hormus zu blockieren.

US-Verteidigungsminister Leon Panetta schickte eine deutliche Warnung an die Adresse Irans. Er bezeichnete die angedrohte Blockade am Sonntag als "rote Linie", die ebenso wenig zu tolerieren sei wie die mögliche Entwicklung iranischer Atomwaffen. Iran hatte demonstrativ Seemanöver mit Raketentests abgehalten.

USA und Israel trainieren Raketenabwehr

Vor diesem Hintergrund wollen USA und Israel gemeinsam die Raketenabwehr trainieren. Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums bestätigte, bei einem größeren Manöver wollten die Verbündeten Angriffe auf Israel simulieren, um so die israelische Raketenabwehr zu testen. Isreal verfügt über mehrere Raketenabwehrsysteme, darunter das amerikanische Patriot-System. Nach Medienberichten sind bereits Tausende US-Soldaten in Israel angekommen. Das israelische Außenamt und die Armee betonten, es handele sich bei dem Manöver "Austere Challenge 12" (Harte Herausforderung 12) um eine lange geplante Routineübung, die nichts mit den jüngsten Entwicklungen in der Region zu tun habe.

Geht es Iran mit dem medial wirksamen Todesurteil darum, die Situation weiter zu verschärfen? Hekmati wurde laut Fars bereits im September vergangenen Jahres beim Überqueren der iranischen Grenze gefasst, als er Verwandte besuchen wollte. Im Dezember dann veröffentlichte Teheran das Video, in dem er vor laufenden Kameras seine angeblichen Verbrechen gestand.

Der 28-Jährige hat sowohl die iranische als auch die US-Staatsbürgerschaft und stammt aus Arizona. Der iranische Geheimdienst wirft Hekmati dem Fars-Bericht zufolge vor, als ehemaliger Soldat der US-Marineinfanterie auf US-Stützpunkten in den Nachbarstaaten Afghanistan und Irak ausgebildet worden zu sein, bevor er seine geheimdienstliche Tätigkeit für die CIA im Iran aufgenommen habe. Er habe für ein feindliches Land gearbeitet, sei Mitarbeiter des US-Auslandsgeheimdienstes CIA und habe versucht, Iran als Unterstützer des Terrorismus darzustellen, hieß es weiter.

Hekmatis Vater wies die Vorwürfe zurück. Er sagte, sein Sohn sei kein Agent, sondern habe in Iran lediglich seine Großmutter besucht. Das US-Außenministerium hatte die Vorwürfe bereits im Dezember bestritten und drängt auf eine Freilassung von Hekmati. Außerdem sollte Schweizer Diplomaten Zugang zu dem Gefangenen gewährt werden, hieß es aus Washington. Die Schweiz vertritt die Interessen der USA in Iran, die selbst keine diplomatischen Beziehungen zu Teheran unterhalten.

Erst am Sonntag hatten die iranischen Behörden die Festnahme von mehreren angeblichen Spionen verkündet, die für die USA oder Israel arbeiten sollen. Ziel der Männer sei es gewesen, über Internetaktivitäten die Parlamentswahl am 2. März zu stören, teilte Geheimdienstminister Hejdar Moslehi laut staatlichen Medien nach einer Kabinettssitzung in Teheran mit. Angaben zur Zahl oder Nationalität der angeblichen Agenten machte er nicht.