Terrorismus Polizei durchsucht Wohnungen im Brüsseler Stadtteil Ixelles

  • Am Terroranschlag in der Brüsseler Metrostation soll neben Khalid El Bakraoui ein zweiter Attentäter beteiligt gewesen sein. Die Polizei fahndet nach dem Mann.
  • In der Nähe des Brüsseler EU-Viertels laufen zwei Polizeieinsätze.
  • Der belgische Innenminister Jan Jambon hat seinen Rücktritt angeboten. Dem Sender VTM zufolge hat Premier Charles Michel das Angebot aber abgelehnt.

In der Nähe des Brüsseler EU-Viertels laufen zwei Polizeieinsätze. Wie die belgische Zeitung Le Soir berichtet, sperrten die Sicherheitskräfte einen Straßenzug in der Gemeinde Ixelles. Einem Zeugen zufolge war dort am Morgen ein Mann überprüft und sein Wagen durchsucht worden. Nur 150 Meter weiter soll eine zweite Operation im Gange sein. Der Nachrichtenagentur Belga zufolge sind etliche Kräfte im Einsatz.

Derweil haben der belgische Innenminister Jan Jambon und Justizminister Koen Geens ihren Rücktritt angeboten. Premier Charles Michel hat die Angebote aber abgelehnt. Das berichtete der Sender VTM. Warum Jambon und Geens ihren Rückzug anboten, wurde zunächst nicht bekannt. Die belgische Regierung gerät nach den verheerenden Anschlägen von Brüssel unter Druck. Zuletzt wurde bekannt, dass die Türkei bereits im Juli 2015 vor einem der Attentäter warnte.

Der zweite Mann aus der U-Bahn

Am Terroranschlag in der Brüsseler Metrostation ist wohl neben Khalid El Bakraoui ein zweiter Attentäter beteiligt gewesen. Das berichteten belgische und französische Medien, darunter der öffentlich-rechtliche Sender RTBF aus Belgien, unter Berufung auf Polizeikreise. Die Polizei fahndet nach dem Mann. Seine Identität sei bislang unbekannt, hieß es.

Der Verdächtige sei in der Metro von Überwachungskameras gefilmt worden. Er habe eine große Tasche getragen und sei neben Khalid El Bakraoui gegangen, der von der Staatsanwaltschaft als Selbstmordattentäter identifiziert worden sei, hieß es.

Den Angaben zufolge ist auf den Bildern zu sehen, wie der Attentäter mit dem Verdächtigen spricht. Er stieg demnach aber nicht mit ihm gemeinsam in den Wagen, in dem er sich dann in die Luft sprengte.

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Der zweite Mann aus der U-Bahn wäre der fünfte Attentäter, der für die Bombenexplosionen von Brüssel verantwortlich ist. Bislang war bekannt, dass diese vier Personen die Anschläge verübt haben:

Khalid El Bakraoui

Khalid El Bakraoui sprengte sich in der U-Bahn-Station Maelbeek in die Luft. Schon vorher war er straffällig geworden, allerdings wegen organisierter Kriminalität und nicht wegen Terrorismus. Der 27-Jährige soll im vergangenen Herbst außerdem ein Apartment in Charleroi angemietet haben, von dem aus die Anschläge von Paris geplant wurden.

Ibrahim El Bakraoui

Khalids Bruder Ibrahim war 30 Jahre alt. Er verübte sein Attentat am Flughafen Zaventem. Das Foto einer Überwachungskamera zeigt ihn zwischen zwei anderen Terroristen. Auch er war seit Langem polizeibekannt. La Dernière Heure schreibt, dass Ibrahim El Bakroui Anfang 2010 mit einer Kalaschnikow auf Polizisten gefeuert und einen der Beamten verletzt habe. Dafür sei er zu einer mehrjährigen Haft verurteilt worden. Warum er offenbar vorzeitig entlassen wurde, ist bislang unklar. Ibrahim El Bakraoui hat eine Art Testament hinterlassen. Er wisse nicht, was er tun solle. " Wenn das so weitergeht, endet das bei mir in einer Gefängniszelle", heißt es darin.

Najim Laachraoui

Der zweite Selbstmordattentäter vom Brüsseler Flughafen ist Najim Laachraoui. Als Soufiane Kayal hatte der 25-Jährige im südbelgischen Auvelais ein Haus angemietet, das den Terroristen von Paris (neben dem Versteck in Charleroi) als Basis diente. Seine Fingerabdrücke wurden in dem Haus gefunden - und in einer Wohnung im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek, die vor den Anschlägen am Montag von den Terroristen genutzt wurde.

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Auch Najim Laachraoui stand in Verbindung zu den Pariser Anschlägen. DNA-Spuren des Mittzwanzigers waren nach den Attentaten in der französischen Hauptstadt an Sprengstoff entdeckt worden. Über Laachraouis Hintergrund ist bislang wenig bekannt. Im Februar 2013 soll er sich eine Weile in Syrien aufgehalten haben.

Der dritte Mann vom Flughafen

Auf dem Überwachungsbild des Terrorkommandos im Flughafen ist neben Ibrahim El Bakraoui und Najim Laachraoui ein weiterer Mann mit heller Jacke und dunkler Mütze zu sehen. Diese Person hatte die größte Sprengladung bei sich, flüchtete aber offensichtlich vom Tatort. Seine Bombe explodierte erst, als ein Entschärfungskommando eine kontrollierte Detonation auslöste. Die Identität des Mannes ist nach wie vor unklar. Es wird intensiv nach ihm gefahndet.