Terror Tatverdächtiger festgenommen - "Marsch gegen die Angst" abgesagt

Fahndungsfoto vom Flughafen Brüssel

(Foto: dpa)
  • Vier Tage nach den Anschlägen haben die belgischen Behörden den dritten mutmaßlichen Attentäter vom Brüsseler Flughafen festgenommen.
  • Einem zweiten Mann namens Aboubakar A. wird ebenfalls die Teilnahme an terroristischen Aktivitäten vorgeworfen.
  • Die griechische Polizei meldet, bereits im Januar 2015 Pläne für einen Terroranschlag in Brüssel entdeckt und die belgischen Behörden informiert zu haben.
  • Ein für Sonntag geplanter Gedenkmarsch für die Opfer in Brüssel ist abgesagt worden.

Vier Tage nach den Anschlägen in Brüssel hat die belgische Bundesanwaltschaft zwei Männer der Beteiligung an terroristischen Aktivitäten beschuldigt. Einem Mann namens Faycal C. würden die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, terroristische Morde und versuchte Morde zur Last gelegt, teilten die Ermittler mit. Einem zweiten Mann namens Aboubakar A. werde die Teilnahme an terroristischen Aktivitäten vorgeworfen.

Bei Faycal C. handelt es sich nach Medienberichten um den gesuchten dritten mutmaßlichen Attentäter vom Flughafen. Belgische Ermittler hatten am Freitag mitgeteilt, Faycal C. sei einer von drei Männern, die in der Nähe des schwerbewachten Gebäudes des Generalstaatsanwaltes festgenommen worden seien. Sie ließen aber offen, ob er der dritte Mann vom Flughafen sei.

Der Zeitung Le Soir zufolge ist Faycal C. derjenige, der auf einem Überwachungsvideo mit heller Jacke und einem Hut in Begleitung der beiden Selbstmordattentäter zu sehen sei. Dem Bericht zufolge wurde er von dem Taxi-Fahrer wiedererkannt, der die drei Männer zum Flughafen gefahren habe. In anderen Medien hieß es, C. habe als freier Journalist gearbeitet.

Suche nach Versäumnissen der Behörden

Derweil diskutiert Belgien über die Versäumnisse der Polizei. Ein belgischer Polizist im türkischen Istanbul hat nach Angaben der Regierung in Brüssel den Informationsfluss über den Attentäter Ibrahim El Bakraoui zwischen beiden Ländern verschleppt. Der Verbindungsbeamte habe "mindestens nachlässig und weder sehr proaktiv noch sehr engagiert" gehandelt, sagte Belgiens Innenminister Jan Jambon. Der Mann habe "einen Fehler gemacht", was "inakzeptabel" sei.

Jambon gab an, El Bakraoui sei am 11. Juni im türkischen Gaziantep an der Grenze zu Syrien festgenommen worden. Darüber sei der belgische Verbindungsbeamte in Istanbul am 26. Juni informiert worden. Drei Tage später habe der Polizist die Informationen nach Brüssel weitergeleitet. Die dortige Antiterrorbehörde habe daraufhin um weitere Informationen über den in Belgien wegen kleinerer Delikte verurteilten El Bakraoui gebeten. Bis zum 20. Juli sei jedoch nichts geschehen. "Der Verbindungsoffizier hat nichts unternommen, es gab seinerseits keine Kommunikation mehr", sagte Jambon.

Die Türkei hatte Belgien zuvor vorgeworfen, Warnhinweise über den des Landes verwiesenen El Bakraoui ignoriert zu haben. El Bakraoui und ein weiterer Selbstmordattentäter, Najim Laachraoui, hatten sich am Dienstag am Flughafen Brüssel-Zaventem in die Luft gesprengt. Rund eine Stunde später verübte El Bakraouis Bruder Khalid in einer U-Bahnstation einen Selbstmordanschlag. Insgesamt wurden mindestens 31 Menschen getötet und 300 weitere verletzt.

Das Geisterhaus von Brüssel

Die Brüssel-Attentäter versteckten in einer Bruchbude Chemikalien, Sprengstoff und eine IS-Flagge. Sie haben die Wohnung offenbar erst kürzlich gemietet. Nachbarn können das kaum glauben. Von Paul Munzinger mehr ...

Belgiens Justizminister Koen Geens hatte am Donnerstag angegeben, die Regierung sei im Sommer erst nach der Rückkehr El Bakraouis von dessen Abschiebung durch die Türkei informiert worden. Allerdings sei die belgische Botschaft im Juni über die Festnahme informiert worden. Erdogan zufolge hatten die türkischen Behörden Belgien gewarnt, dass es sich bei dem abgeschobenen Mann um einen "ausländischen terroristischen Kämpfer" handle. Die belgischen Behörden hätten dies jedoch nicht bestätigen können und den Mann nach seiner Abschiebung freigelassen.

Athener Polizei fand bereits im Januar 2015 Pläne zu Anschlag in Brüssel

Auch die griechische Polizei will eindeutige Hinweise nach Belgien weitergeleitet haben. Im Januar 2015 habe sie eigenen Angaben zufolge in zwei Wohnungen in Athen Pläne entdeckt, die auf einen Terroranschlag auf dem Flughafen von Brüssel hindeuteten. Schon damals seien die belgischen Behörden informiert worden, berichtete der Athener Nachrichtensender Skai am Samstag unter Berufung auf die griechische Polizei. Unter anderem sei eine Karte des Flughafens von Brüssel gefunden worden. Eine offizielle Erklärung der Polizei dazu gab es zunächst nicht.

Dem Bericht zufolge wurden die Unterlagen in Wohnungen entdeckt, die von Islamisten angemietet worden waren. Nach den Anschlägen von Paris im November habe sich herausgestellt, dass es sich bei einem der Männer um Abdelhamid Abaaoud gehandelt habe, meldete der Sender. Abaaoud gilt als mutmaßlicher Drahtzieher der Pariser Anschläge. Er wurde im November wenige Tage nach Terrorserie bei einem dramatischen Anti-Terror-Einsatz im Pariser Vorort Saint-Denis getötet. Abaaoud hatte auf seinen Reisen quer durch Europa auch eine Wohnung in Athen gemietet. Die französische Polizei hatte nach seinem Tod eine DNA-Probe des 28 Jahre alten Terroristen an die griechischen Behörden übermittelt. Damals war im Zuge der Ermittlungen in einer anderen Wohnung auch ein 33-jähriger Mann festgenommen worden, den die griechischen Behörden anschließend nach Belgien überstellten.

Festnahmen in Frankreich und Belgien erhärten den Verdacht einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit von Terrorzellen in beiden Ländern. Wie viele der Terroristen untergetaucht sind, ist unklar. In beiden Ländern läuft auch über das Osterwochenende die Großfahndung weiter.

Wer sind die Opfer von Brüssel?

Noch ist wenig über die Toten und Verletzten der Anschläge bekannt. Woran das liegt - und was man trotzdem schon weiß. Von Kathleen Hildebrand und Paul Munzinger mehr...

"Die Sicherheit der Bürger ist eine unbedingte Priorität"

Ein für Sonntag geplanter Gedenkmarsch für die Opfer der Terroranschläge ist abgesagt worden. Innenminister Jan Jambon und der Brüsseler Bürgermeister Yvan Mayeur appellierten am Samstag wegen Überlastung der Polizei an die Bürger, nicht in Brüssel zusammenzukommen. Die Organisatoren schlossen sich der Forderung an.

"Die Sicherheit der Bürger ist eine unbedingte Priorität (...). Wir bitten daher unsererseits die Bürger, an diesem Sonntag nicht nach Brüssel zu kommen", teilte einer der Organisatoren mit. Er äußerte sich zwar im Namen der Organisatoren. Allerdings steckt hinter dem Marsch eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Initiativen. Jambon und Mayeur hatten zuvor erklärt, die Polizeikräfte würden für die noch laufenden Fahndungen benötigt.

"Wir teilen natürlich die Gefühle der Bevölkerung. Aber wir wollen, dass die Demonstrationen um einige Wochen verschoben werden", teilten sie der Nachrichtenagentur Belga zufolge mit. Mit dem "Marsch gegen die Angst", einer Schweigeminute und Ansprachen von Opfern, wollten mehrere Tausend Menschen, die sich auf Facebook angemeldet hatten, der Anschläge gedenken. Ausgangspunkt sollte der Börsenplatz in der Innenstadt sein, wie verschiedene Organisatoren mitteilten. Der Börsenplatz war nach den Anschlägen zum zentralen Ort der Trauer geworden.