Syrien Putins grausames Spiel

Putin und Verteidigungsminister Sergei Schoigu (re.) inmitten von Angehörigen des russischen Militärs.

(Foto: AP)

Russland und die USA haben ihre Verbündeten für eine Feuerpause in Syrien auf Linie gebracht. Damit ist erreicht, was Putins Vorstellung von einer neuen Weltordnung entspricht.

Von Julian Hans und Paul-Anton Krüger

Diesen Erfolg wollte der russische Präsident der Welt sofort und persönlich mitteilen. Montagabend um 22.10 Uhr Moskauer Zeit veröffentlichte der Kreml eine Ansprache Wladimir Putins, die auch das Fernsehen zeigte. Sie begann mit den Worten: "Verehrte Freunde, gerade habe ich mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Barack Obama, telefoniert." Das Gespräch sei auf russische Initiative zustande gekommen, "aber ohne Frage waren beide Seiten daran interessiert".

Nun ist also erreicht, was Wladimir Putins Vorstellung von einer neuen Weltordnung entspricht: Amerikaner und Russen werden sich gemeinsam über die Karte des Nahen Ostens beugen und die Territorien abstecken. Moskau hatte das gefordert, seit die ersten Vorwürfe laut wurden, die russische Luftwaffe bombardiere gar nicht wie angekündigt die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), sondern ohne Unterschied alle Gegner Assads, vor allem jene, die der Westen unterstützt oder arabische Staaten und die Türkei. Dann lasst uns doch gemeinsam festlegen, wo welche Rebellengruppe sitzt, so die Logik. Russland besitzt von allen Kriegsparteien zweifellos das beste Lagebild in Syrien. Die Amerikaner aber hatten Moskaus Forderung lange abgelehnt; doch genau das sieht die Vereinbarung für eine Waffenruhe nun vor.

Einigung - obwohl Politiker im Westen Moskau sanktionieren wollen

Das Assad-Regime, das im vergangenen Sommer militärisch am Rand einer Niederlage stand und kaum noch seine Kerngebiete in Damaskus und Latakia verteidigen konnte, ist stabilisiert. Die vom Westen unterstützte Opposition ist geschwächt. Ein günstiger Moment aus russischer Sicht also, den Status quo einzufrieren, bevor neue Fronten eröffnet werden - etwa durch eine Boden-Operation der Türkei oder Saudi-Arabiens oder die Bewaffnung der Rebellen mit Flugabwehrraketen, die Riad ins Spiel gebracht hat.

Die Einigung kommt zudem zu einem Zeitpunkt, an dem erste Politiker im Westen weitere Sanktionen gegen Moskau fordern - diesmal für das Vorgehen gegen die Bevölkerung in Syrien. Ein halbes Dutzend Krankenhäuser in Aleppo und anderenorts wurden gezielt bombardiert - der Verdacht fiel auf Russland.

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