Südsudan Versunken in unaussprechlicher Gewalt

Vom Enthusiasmus für die Staatsgründung ist auch der letzte Funke verglüht: Flüchtlinge in der UN-Basis Bentiu im Südsudan.

(Foto: Jason Patinkin/AP)
  • Vor vier Jahren wurde der Südsudan gegründet, heute wütet in dem Land ein grausamer Bürgerkrieg.
  • Die Volksgruppen der Dinka und Nuer tragen einen blutigen Konflikt aus.
  • Die UN und Menschrechtsaktivisten berichten von brutalen Übergriffen auf Frauen und Kinder.
  • Die Abspaltung vom Norden 2011 war von den USA und Menschenrechtsgruppen als großer Erfolg gefeiert worden.
Von Tobias Zick, Kapstadt

Am kommenden Donnerstag wird die jüngste Nation der Welt vier Jahre alt, doch zu feiern gibt es wenig bis nichts. Der Bürgerkrieg, der seit Dezember 2013 im Südsudan wütet, geht nach Erkenntnissen der dortigen Blauhelm-Mission Unmiss in eine neue Eskalationsstufe: Das jüngste Ausmaß an Grausamkeit, heißt es in einem gerade veröffentlichten Bericht, deute auf "eine Tiefe der Feindseligkeit" hin, die "über politische Differenzen weit hinausgeht."

Das ist, angesichts der konkreten Vorwürfe, eine vergleichsweise milde Formulierung. Laut Zeugen, mit denen die UN-Berichterstatter sprachen, sind bei einer Offensive der Regierungsarmee gegen Rebellen im Bundesstaat Unity mindestens 172 Frauen und Mädchen entführt worden; mindestens 79 weitere wurden Opfer sexueller Gewalt wie Gruppenvergewaltigungen. Eine Überlebende berichtete, sie sei von Regierungssoldaten aus ihrer Hütte gezerrt und vor den Augen ihres dreijährigen Kindes vergewaltigt worden. Eine andere Zeugin schilderte, wie Soldaten einer stillenden Mutter ihr Baby entrissen und sie dann vergewaltigten. In mindestens neun voneinander unabhängigen Fällen wurden Mädchen und Frauen nach der Vergewaltigung in ihren Hütten lebendig verbrannt.

Die Untersuchungen wurden durch die Regierung behindert

Das sind nur Beispiele; das tatsächliche Ausmaß an Gewalt gegen Zivilisten dürfte wesentlich größer sein, wie die Berichterstatter einräumen: Man habe nur Fälle in den Report aufgenommen, bei denen man eindeutig die Namen der Opfer ermitteln konnte. Die Untersuchungen wurden demnach durch die Regierung massiv behindert; die Armee verweigerte UN-Mitarbeitern systematisch den Zugang zu Gebieten, aus denen Zeugen von besonders schwerer Gewalt berichteten. Ein Sprecher von Präsident Salva Kiir kündigte an, man werde den Vorwürfen nachgehen.

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Auch aus anderen Quellen häufen sich Schilderungen von Grausamkeiten. Der Direktor des Kinderhilfswerks Unicef, Anthony Lake, sagte kürzlich, die Details der "immer schlimmeren Gewalt gegen Kinder" im Südsudan seien "unaussprechlich - doch wir müssen von ihr sprechen": Jungen, die kastriert wurden und dann verblutet sind; achtjährige Mädchen, die mehrmals vergewaltigt und dann getötet wurden; Gruppen von Kindern, die aneinander gefesselt und dann per Kehlenschnitt ermordet wurden. Etwa 13 000 Minderjährige seien zudem von beiden Seiten zum Kämpfen gezwungen worden.