Streit um Mohammed-Karikaturen "Charlie Hebdo"-Chefredakteur verteidigt Titel gegen Proteste

  • Der Chefredakteur von Charlie Hebdo rechtfertigt in einem Interview mit dem US-Sender NBC News den aktuellen Titel des Satiremagazins, das wieder Mohammed-Karikaturen zeigt.
  • Im Niger wurden weitere Menschen bei gewaltsamen Protesten gegen das französische Satiremagazin getötet. Seit Freitag starben den Angaben zufolge insgesamt zehn Menschen.
  • Der nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo von der Polizei erschossene Attentäter Chérif Kouachi ist in der Nähe von Paris beigesetzt worden.

"Charlie Hebdo"-Chefredakteur verteidigt das Vorgehen

Charlie-Hebdo-Chefredakteur Gérard Biard verteidigte in einem Interview das Vorgehen der Zeitschrift, auf dem aktuellen Titelblatt erneut eine Karikatur des Propheten Mohammed zu zeigen. Er hielt den Protesten entgegen: "Jedes Mal, wenn wir eine Karikatur Mohammeds zeichnen; jedes Mal, wenn wir eine Karikatur eines Propheten zeichnen; jedes Mal, wenn wir eine Karikatur Gottes zeichnen, verteidigen wir die Religionsfreiheit", sagte er NBC News der englischen Übersetzung des US-Senders zufolge. Gott dürfe keine politische oder öffentliche Gestalt sein, sondern lediglich eine private. Der Sender veröffentlichte im Internet einen Auszug des Gesprächs, in Gänze soll es am Sonntag ausgestrahlt werden.

Mit der Veröffentlichung der Mohammed-Karikatur auf dem jüngsten Titel wollen die Macher von Charlie Hebdo dem Terrorangriff auf die Redaktion des Magazins trotzen. Dabei waren vor eineinhalb Wochen zwölf Menschen getötet worden. Bereits in der Vergangenheit hatte das Magazin teils sehr derbe Mohammed-Karikaturen veröffentlicht. Nach den Glaubensvorstellungen von Muslimen sollen weder Gott noch der Prophet Mohammed bildlich dargestellt werden.

Am Samstag war die aktuelle Charlie-Hebdo-Ausgabe auch in Deutschland erschienen. Wie in anderen europäischen Ländern waren die Exemplare binnen Minuten ausverkauft.

Zehn Tote nach Protesten gegen "Charlie Hebdo" in Niger

In Teilen der islamischen Welt hat die neue Ausgabe von Charlie Hebdo gewaltsame Proteste entfacht. Im muslimisch geprägten Niger zogen Muslime den zweiten Tag in Folge auf die Straßen. Zehn Menschen starben seit Freitag in dem zentralafrikanischen Wüstenstaat, wie der Präsident des Landes, Mahamadou Issoufou, am Samstagabend in einer Rede an die Nation mitteilte.

Den Angaben zufolge kamen am Samstag bei Protesten in der Hauptstadt Niamey fünf Menschen ums Leben, vier davon in Kirchen und Bars. Weitere fünf Menschen waren demnach am Freitag in der südlichen Stadt Zinder gestorben. Ein örtlicher Journalist sagte der Deutschen Presse-Agentur am Telefon, in Niamey seien am Samstag mindestens sieben Kirchen angezündet worden, darunter das größte protestantische Gotteshaus. Auch eine französische Fahne wurde angesteckt. Die Polizei setzte Tränengas gegen die Angreifer ein. Die französische Botschaft rief ihre Landsleute auf, zu Hause zu bleiben.

Auch in anderen Ländern wie etwa Pakistan und Algerien hatte es zuletzt teils gewaltsame Demonstrationen gegen die Zeichnung gegeben.

Erinnerung an die Proteste gegen Karikaturen im "Jyllands-Posten"

Zu großen Protesten in Teilen der islamischen Welt gegen Mohammed-Karikaturen war es vor zehn Jahren schon einmal gekommen. Grund waren die Zeichnungen, die der Däne Kurt Westergaard für die Zeitung Jyllands-Posten anfertigte. Mehrfach waren Westergaard und die Zeitung in den Jahren darauf Ziel von Anschlägen.

Zweiter Attentäter von Paris beigesetzt

Der nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo von der Polizei erschossene Attentäter Chérif Kouachi ist in der Nähe von Paris beigesetzt worden. Wie die Stadtverwaltung von Gennevilliers mitteilte, wurde Kouachi am späten Samstagabend unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in dem Ort bestattet, in dem er zuletzt gelebt hatte. Verwandte nahmen demnach nicht an dem Begräbnis teil.

Der Attentäter wurde in einem anonymen Grab beigesetzt, da die Stadtverwaltung befürchtet hatte, sein Grab könne zu einem "Pilgerort" für Islamisten werden. Der Bürgermeister hatte zuvor erklärt, er habe "keine Wahl", als ihn in Gennevilliers bestatten zu lassen. Laut französischem Gesetz können Stadtverwaltungen eine Bestattung nicht verhindern, wenn der Verstorbene zuletzt in dem Ort gelebt hat oder dort gestorben ist.

Der Bruder von Chérif Kouachi, Said, der den Anschlag auf Charlie Hebdo mit verübt hatte, war bereits in der Nacht zum Samstag im nordostfranzösischen Reims beigesetzt worden.