Steinbrück gegen Merkel im Bundestag Mit der Kanzlerin im Rosenblütenbad

Zum letzten Mal in diesem Wahlkampf treffen Herausforderer Steinbrück und Kanzlerin Merkel direkt aufeinander. Nach dem vermeintlichen Sieg im TV-Duell könnte der SPD-Kandidat jetzt nachlegen - zumal die Kanzlerin nur Fakten vorträgt und sich selbst lobt. Doch Steinbrück macht einen schweren Fehler.

Von Thorsten Denkler, Berlin

Sie jubeln und johlen, als wäre Peer Steinbrück gerade zum Kanzler gewählt worden, als hätten sie es doch noch geschafft, allen Unwahrscheinlichkeiten zum Trotz, eine rot-grüne Koalition zu schmieden. Aber gut, träumen ist erlaubt, gerade in Wahlkampfzeiten.

Peer Steinbrück, Kanzlerkandidat der SPD, sitzt jedenfalls breit grinsend in der ersten Reihe des SPD-Blocks im Bundestagsplenum. Eingerahmt von seinen applaudierenden Genossen Parteichef Sigmar Gabriel und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. "Na, wie war ich?", steht in sein Gesicht geschrieben. Weiter steht da: "Verdammt gut!"

Dabei hat Steinbrück in seiner Rede einen Kardinalfehler gemacht. Genauer, den Kardinalfehler, den ein Wahlkämpfer überhaupt machen kann.

Es ist die letzte Sitzung des Bundestages vor der Wahl. Viel zu besprechen gibt es nicht. Darum lautet der Tagesordnungspunkt wenig vielversprechend "Vereinbarte Debatte zur Situation in Deutschland".

Aber: Es ist für Steinbrück eine gute Gelegenheit nach seinem gefühlten Sieg im TV-Duell gegen Kanzlerin Angela Merkel vom Sonntag noch einen draufzusetzen. Merkel eröffnet die Debatte. Steinbrück spricht direkt im Anschluss. So nah werden sie sich bis zum Wahlabend kaum noch kommen.

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Eingeschnappter Steinbrück

Stattdessen reagiert Steinbrück pikiert, weil Merkel in einem Interview der SPD Unzuverlässigkeit in Europafragen vorwirft. Das ist natürlich Quatsch. Die SPD hat so gut wie alle Europa-Entscheidungen im Bundestag mitgetragen. Zum Teil bis an den Rand der Selbstaufgabe. Steinbrück kontert mit dem Hinweis, dass es die Sozialdemokraten waren, die Merkel manches Mal die symbolisch bedeutsame Kanzlermehrheit gesichert haben. Hätte jetzt eigentlich gereicht.

Steinbrück aber dampft noch. Die SPD unzuverlässig? "Das werden wir uns merken", droht er. Merkel zerstöre damit Brücken, das müsse sie wissen. Fehlt noch die erhobene Faust.

Verhängnisvolle Sätze. Falls er nämlich damit sagen will, dass sich die Kanzlerin in Zukunft weniger auf die SPD verlassen kann, dann ergibt das nur Sinn, wenn die SPD weiter in der Opposition sitzt. Und kommt es zu einer großen Koalition, dann wird Steinbrück da nichts zu drohen haben. Er wird ihr nicht angehören.

Es ist der nur mäßig verdeckte Hinweis, dass es für Rot-Grün doch nicht reichen könnte, zu dem sich Steinbrück da hat hinreißen lassen. Diese über-überzeugte Siegesgewissheit, die er in den vergangenen Tagen zur Schau getragen hat, sie hat einen deutlichen Riss bekommen.