Steinbrück gegen Merkel im Bundestag Der Sieg des Kandidaten

Steinbrück gegen Merkel, Kandidat gegen Kanzlerin - das ist ein Duell zweier ungleicher Politiker. Bei der Generaldebatte im Bundestag ist er der scharfzüngige Angreifer, sie die moderierende Regierungschefin. Doch Merkels Strategie scheint sich überholt zu haben: Den Angriffen des SPD-Herausforderers hat sie überraschend wenig entgegenzusetzen.

Von Thorsten Denkler, Berlin

Der Kanzlerkandidat lehnt sich vor, verzieht das Gesicht zu einem wissenden Grinsen und macht der Kanzlerin die Hölle heiß. Er hat da mal im Bundestagsarchiv nach den Begriffen "Beschäftigung", "Mittelstand" und "Wachstum" geforscht.

Gefunden habe er, wie er sagt, so gut wie nichts. Kein erkennbares politisches Projekt der Regierung. Doch, eines: Das Wachstumsbeschleunigungsgesetz von Ende 2009, das mit der unsäglichen Hotelsteuer. Peer Steinbrück lacht: "Was für eine Leistung nach drei Jahren!"

Es ist Generaldebatte im Bundestag, Elefantenrunde. Merkel (CDU) gegen Steinbrück (SPD) heißt das Duell. Kanzlerin und Kanzlerkandidat in direkter Auseinandersetzung. Steinbrück hat etwas zu beweisen. Er muss nach den Diskussionen um seine Nebeneinkünfte zeigen, dass er es kann. Dass er der Richtige ist, um Merkel herauszufordern. Daran will er kurz vor dem Nominierungsparteitag in Hannover Anfang Dezember keinen Zweifel mehr lassen.

Durchgedrückter Rücken, breite Brust, so steht er am Pult. Die Regierung sei auf "Sendepause", beweise täglich ihre "Handlungsunfähigkeit", analysiert er bissig. Doch, doch, Deutschland gehe es gut. Die Arbeitsmarktdaten: in Ordnung. Die wirtschaftliche Entwicklung: auch gut. Das sei die gute Nachricht. Die schlechte: Diese gute Entwicklung habe mit der Arbeit der Bundesregierung "vergleichsweise wenig zu tun", ätzt der SPD-Kandidat.

Neuauflage der Panzerknackerbande

Es geht noch weiter: Der ach so tolle Haushalt der Bundesregierung, er hätte längst ausgeglichen sein können. Detailliert legt Steinbrück alle Zahlen vor, die das belegen sollen: die niedrigen Zinskosten, die hohen Steuereinnahmen, die gute Konjunktur. Mehr "Glück als Verstand" habe die Koalition, bilanziert der Herausforderer. Allein die gute Konjunktur habe den Haushalt um 130 Milliarden Euro entlastet - ohne, dass die dafür auch nur einen Finger habe rühren müssen. Eine "fantastische Situation", sagt Steinbrück. "Die hätte ich auch gerne gehabt."

Die schwarz-gelbe Koalition sei eine "Neuauflage der Panzerknackerbande". Sie habe einem "Bankraub" gleich die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) um einige Hundert Millionen leichter gemacht. Nur um Wahlgeschenke zu finanzieren. Steinbrück ist in Höchstform.

Der SPD-Mann führt seine Angriffe scharf und präzise aus. Jeder Satz ein Treffer. "Jede Frittenbude im Land wird besser gemanagt als die Energiewende." Er zählt die Etiketten auf, die Merkel geklebt habe. "Energiewende, Jahr des Vertrauens, Herbst der Entscheidung. Lebensleistungsrente, was blanker Zynismus ist, mehr Europa". Für ihn alles nur leere Floskeln.

Auf der Regierungsbank und in der Fraktion lauschen sie mit ziemlich bedröppelten Gesichtern. Sie winken nicht ab, sie nehmen einfach hin. Steinbrück setzt einen Punkt nach dem anderen. Merkel wird diesen Frontalangriff gleich nicht einfach wegmoderieren können.

Und doch ist genau das ihre Strategie. Jubelgeschrei und lauter Beifall schallen der Kanzlerin entgegen, als sie ans Pult tritt. Als wollten sich die Koalitionäre nach Steinbrücks Rede den Frust über die eigenen Unzulänglichkeiten von der Seele klatschen.

Merkel trägt einen sandfarbenen Blazer und schwarzen Kragen. Eher unauffällig heute. Sie kann auch knalliger. Will sie aber heute nicht. Sie will seriös wirken. Die Lage nach den geplatzten Gesprächen über die Griechenland-Rettung in der vergangenen Nacht ist ernster als erwartet. Lieber wäre sie mit einem Erfolg in die Generaldebatte gekommen.

Bundeshaushalt 2013