Half Stalin, den Weltkrieg zu gewinnen? Veteranen in Russland sagen ja und wollen zur Siegesfeier Porträts des Diktators zeigen. Das empört Menschenrechtler - und Russlands Führung.
Wer sich von Russlands neuer Atomwaffe bedroht fühlt, kann sich beruhigen. Ihre Durchschlagskraft reicht derzeit nicht einmal gegen ein paar Papp-Plakate. Zur Siegesfeier am 9.Mai soll die Interkontinental-Rakete Topol-M erstmals über den Roten Platz geschleppt werden, doch der Stolz der Militärführung wird dieser Tage arg getrübt. Niemand redet über das moderne Raketensystem, aber alle über ein Dutzend Fotos, die demnächst die Straßen und Plätze Moskaus säumen sollen. Die russische Hauptstadt hat dem Wunsch einiger Veteranen-Verbände stattgegeben, zum 65.Jahrestag des Sieges über den Faschismus Stalin-Porträts aufzuhängen.
Zum Gedenken des Sieges im Zweiten Weltkrieg am 9. Mai hat der Kreml Veteranen-Verbänen erlaubt, Stalin-Porträts auf dem Roten Platz in Moskau zu zeigen. Menschenrechtler und der letzte sowjetische Präsident, Michael Gorbatschow, sind entsetzt. (© Foto: AP)
Anzeige
"Ein Regime, das Millionen Menschen umgebracht hat"
Menschenrechtler reagierten entsetzt: "Stalin ist ein Krimineller, und es ist eine Schande, Plakate eines Regimes auszustellen, das Millionen Menschen umgebracht hat", sagt Ljudmilla Alexejewa, die bekannteste Menschenrechtlerin Russlands. Oft musste sie sich in ihrem Land wie eine Ruferin in der Wüste fühlen, doch nun hat der Streit über die Rolle des früheren Diktators auch Russlands Führung erreicht. Parlamentspräsident Boris Gryslow forderte das mächtige Moskauer Stadtoberhaupt Jurij Luschkow auf, seine Entscheidung zu ändern. "Er ist kein Historiker, sondern Bürgermeister", sagte Gryslow bissig. Er ist nach Ministerpräsident Wladimir Putin der wichtigste Mann in der Regierungspartei Einiges Russland, ein strammer Parteisoldat, der sich ohne Zustimmung des Premiers kaum mit derartiger Wucht gegen Luschkow wenden würde.
Zum 65.Jahrestag des Kriegsendes werden in diesem Jahr auch Soldaten der anderen Siegermächte USA, Frankreich und Großbritannien an der traditionellen Mai-Parade teilnehmen; eingeladen sind Dutzende Staatschefs, unter ihnen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die aufflammende Debatte über die Stalin-Plakate scheint daher dem Kreml die Sorge zu bereiten, dass einige der geladenen Gäste absagen könnten. Putin und Präsident Dmitrij Medwedjew hatten Stalin zuletzt deutlich als Verbrecher bezeichnet, zuvor jedoch der schleichenden Renaissance des Stalin-Kultes lange nichts entgegengesetzt.
Die vernachlässigte Stalin-Debatte
Viele Jahre wurde in Russland eine Debatte über Stalins Verbrechen vernachlässigt. Nun aber drängt bis zum Sieg-Jubiläum am 9. Mai plötzlich die Zeit, und so versucht Russland derzeit in einer Art Schnellkurs, ein wenig von dem Versäumten nachzuholen. Bürgermeister Luschkow stemmt sich gegen den Wind aus dem Kreml und sagt: "Ich bin kein Bewunderer von Stalin, aber ich bin ein Bewunderer von objektiver Geschichte." Russland könne nicht einfach Persönlichkeiten streichen. Die Informationen über Stalin würden neutral sein. Außerdem machten die Stalin-Bilder nur einen kleinen Teil aller Poster zur Siegesfeier aus.
Die Menschenrechtsgruppe Memorial kündigte dagegen einen "Krieg der Plakate" an, um die "Verbrechen des Tyrannen" zu zeigen, und sie wird dabei vom letzten sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow unterstützt. Nicht Stalin habe Russland den Sieg im Zweiten Weltkrieg zu verdanken, sondern der Bevölkerung, sagte Gorbatschow. Das sehen die Kommunisten etwas anders, und auch der Wolgograder Unternehmer Boris Isgarschew. "Ob uns das gefällt oder nicht, doch es war Stalin, der den Krieg gewonnen hat." Zum Jahrestag der Schlacht von Stalingrad ließ er auf das Etikett eines Mineralwassers ein Foto des Diktators drucken. Das Wasser gab es zum verbilligten Preis - als Geschenk an die Veteranen. Frank Nienhuysen
- Thema
- Josef Stalin RSS
- Sowjetische Geschichte Wie Stalin wirklich war 19.09.2009
- Streit um Kriegsschuld Putin verurteilt Hitler-Stalin-Pakt 31.08.2009
- Hitler-Stalin-Abkommen Ein teuflischer Pakt 23.08.2009
- Israel vor der Wahl Vermisst du Stalin? 10.02.2009
- Stalin als Volksheld Schön geredet 09.07.2008
- Aids-Video mit Hitler Massenmörder im Bett 08.09.2009
- 70 Jahre Hitler-Stalin-Pakt Der Weg in den Krieg 27.08.2009
(SZ vom 08.03.2010/pbar/gba)
Debatte über Militäreinsatz in Syrien
wenn ich mich recht erinnere nannte man (und sie sich selbst) Adolf und Konsorten "Nationalsozialisten",
die Faschisten saßen ein paar Breitengrade weiter südlich...
@herbrola: Nun wenn sie es auf die Goldwage legen wollen tauschen sie gewonnen durch gesichert aus.
Ihr Vergleich: Stalin der große Massenmörder, Hitler der kleine...
Mit dem Abzählen der Opfer bzw. Toten kann man sich nicht geschichtlichen Prozessen nähern, um sie zu erkennen. Bei dieser Methode könnte ich sagen, die katholische Kirche hat mehr Menschen umgebracht als Stalin,ergo Kirche schlecht, Stalin besser.
Hitler und Stalin kann man nicht gleichsetzen. Stalin hat keinen verherenden Weltkrieg begonnen, sondern dank des Mutes seiner Bevölkerung die Faschisten in Berlin geschlagen. Die Zeit, in der Stalin die Sowjetunion führte, war eine schwere und nicht widerspruchsfreie Zeit. Bekanntlich waren die USA und die Westmächte mit Truppen in den jungen Sowjetstaat 1919 eingefallen und beteiligten sich am Bürgerkrieg gegen die Roten. Die Folgen des 1. Weltkrieges mußten überwunden werden. Durch eigene Fehler gab es Hungersnöte u. v. m. Einen Pakt gegen Hitler mit der Sowjetunion wollten anfangs die Westmächte nicht, sie gaben Hitler das Sudentenland. Stalin und seine Regierung verstanden es den Widerstandswillen gegen die eingefallenen deutschen Faschisten zu mobilisieren, bis zum Sieg. Das die Sowjetunion eine atomare Weltmacht wurde verdanken die Russen Stalin. All dem stehen auch Vervrechen gegenüber. Aber Stalin ist aus der Geschichte nicht zu streichen.
Welches riesige Gebiet und welche Rohstoffe für 1000 Jahre haben sie gewonnen? Das hatten sie doch schon vorher.
Der Held ist immer der Gewinner. Die Sowjetunion hat gewonnen. Ein riesiges Gebiet, Rohstoffe für 1000 Jahre und 100 Jahre Forschung und Entwicklung um ein paar der Beutestücke zu nennen.
Solche "Gewinne" kosten aber auch Gegner oder Minderheiten einen Preis. meist ihre Heimat oft auch ihr Leben. Für diese Leute ist er dann ein Verbrecher zurecht.
Mann kann auch sagen 3 Mio. Kriegsgefangene im Vernichtungslager fast komplett verschwinden zu lassen ist ein Verberchen. Dann gibts wieder Leute die sagen "tja die sind ja selber zu uns marschiert und haben nach ihren Verbrechen ihre gerechte Strafe erhalten.
Mao auf der anderen Seite hat 2000 Jahre Chinesische Kultur fast ausgelöscht (hats ja Gott sei dank nicht ganz geschafft) auf der anderenm Seite hat er China geeint und die Kolonisationsverbrechen GB´s revidiert.
Ach ja Geschichte ist immer so wie man sie dreht und wendet.
Ich hab auch nie verstanden warum mann 1936 in Lybien und Äthiopien Vernichtungslager betreiben konnte man darüber niemals was hört und noch heute die Kriegsbeute als Tourismusmagnet frech ausstellen darf....
----------------------------------------------------------------
Die schlimmsten von allen......
....sind GB, Portugal, Spanien und Frankreich. Die haben in ein paar hundert Jahren Kolonialer Kulturvernichtung, Umweltzerstörung und Massenvernichtung so ziemlich jeden Konflikt verursacht den wir nun lösen sollen/müssen. Hätten die damals als erste Weltenreisende einen vernünftigen Grundstein für den Planeten gelegt ja dann.....
Paging