Runder Tisch in Berlin Bischöfe bieten Missbrauchsopfern 5000 Euro

Die katholische Kirche legt beim runden Tisch zum Kindesmissbrauch ihr Angebot an die Opfer vor: Sie sollen bis zu 5000 Euro erhalten. Der FDP reicht das nicht.

Die katholische Kirche will jedem minderjährigen Opfer sexuellen Missbrauchs bis zu 5000 Euro Entschädigung zahlen. Zusätzlich sollen bei akutem Bedarf Kosten für eine Psychotherapie oder Paarberatung übernommen werden. Dieses Angebot legte die Bischofskonferenz bei den Beratungen des runden Tischs der Bundesregierung in Berlin vor. In besonders schweren Fällen sind demnach auch andere oder zusätzliche Leistungen möglich. Außerdem soll es einen Präventionsfonds geben, der mit 500.000 Euro ausgestattet wird.

Die Zahlungen hätten das Ziel, "zur Heilung der Folgen sexuellen Missbrauchs" beizutragen, erklärte die Bischofskonferenz. Alle Leistungen seien freiwillig, rechtliche Verpflichtungen ergäben sich für die Kirche nicht daraus. Täter sollen persönlich einmalig bis zu 5000 Euro zahlen. Wenn der Täter nicht mehr belangt werden kann oder nicht freiwillig zahlt, soll ersatzweise die betroffene kirchliche Stelle einspringen.

Eine zentrale Koordinierungsstelle solle alle Fälle einzeln prüfen - eine Pauschallösung für alle Opfer hätten die Bischöfe abgelehnt, sagte der Trierer Bischof und Missbrauchsbeauftragte Stephan Ackermann. Gezahlt werden soll möglichst schnell, noch in der ersten Jahreshälfte soll das erste Geld fließen. Das Angebot zur finanziellen Entschädigung bezieht sich auf Fälle, bei denen wegen Verjährung kein durchsetzbarer rechtlicher Anspruch mehr auf Schadensersatz und Schmerzensgeld besteht.

Neben der Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Christine Bergmann, nahm auch Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) an der Sitzung des runden Tisches teil.

Die Vorschläge zur Entschädigung begrüßte Leutheusser-Schnarrenberger als hilfreich. "Wenn einzelne Institutionen selbst Fonds gründen für Hilfeleistungen, dann ist das gut", sagte die FDP-Politikerin nach der Sitzung der Arbeitsgruppe Justiz des runden Tisches. Man könne sich an solchen Modellen orientieren. Nach wie vor arbeite man allerdings auf ein "breites gesellschaftliches Bündnis" hin, betonte die Ministerin.

Die Partei der Justizministerin hat ein anderes Problem mit der Höhe der von der katholischen Kirche angebotenen Zahlungen. Kurz vor dem Treffen des runden Tisches hatte die FDP die Kirche zu höheren Entschädigungen gedrängt. "Die Entschädigung der Opfer ist eine moralische Pflicht der katholischen Kirche", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP, Christian Ahrendt, der Neuen Osnabrücker Zeitung. Die vom Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz ins Spiel gebrachten Beträge von 2000 bis 5000 Euro pro Fall reichten nicht aus, sagte Ahrendt. Angemessen sei "mindestens eine Regelung wie in Österreich", wo die katholische Kirche Entschädigungen von 5000 bis 25.000 Euro zahle, in Einzelfällen auch mehr.