Der CDU-Umweltminister wollte die AKW-Laufzeiten so kurz wie möglich verlängern. Es kommt anders - und trotzdem legt Röttgen den Atomkompromiss mit einer Verve als eigenen Erfolg aus, die selbst Kritiker staunen lassen muss.
Nach wenigen Minuten hat Wirtschaftsminister Rainer Brüderle seinen Part zu Ende gebrummt und die wichtigsten Fakten zum Atomkompromiss verkündet. Die Energieriesen dürfen ihre Atommeiler im Schnitt zwölf Jahre länger betreiben und müssen dafür über die Brennelementesteuer und eine Sonderabgabe die Hälfte der anfallenden zusätzlichen Gewinne abgeben.
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Für die Atomkraftwerke in Deutschland gilt nach dem Atomkompromiss: Die sieben ältesten Reaktoren dürfen acht Jahre länger laufen, die zehn jüngeren Meiler 14 Jahre. (© SZ-Graphik: Hanna Eiden, Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz, dpa)
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Dann übergibt Brüderle an Norbert Röttgen, mit dem er bis zum Vorabend über Kreuz lag, der sich im vergangenen Jahr zum Kämpfer gegen die Atomkraft aufgeschwungen und damit fast die gesamt Koalition gegen sich aufgebracht hat.
Der Umweltminister setzt sein bestes So-sehen-Sieger-aus-Lächeln auf und verkündet: "Ich bin der Auffassung, dass wir mit den Beschlüssen für die nächsten 40 Jahre ein energiepolitisches Gesamtkonzept vorgelegt haben, das in den westlichen Industrieländern noch nicht übertroffen worden ist." Röttgen legt den Kompromiss mit einer Verve als einen Röttgen-Erfolg aus, die selbst Kritiker ins Staunen bringen müsste.
Einer davon hat Röttgens Auftritt nicht bewundern können, weil er fast zeitgleich auf einem Volksfest in Bayern auf der Bühne stand: Sigmar Gabriel, Röttgens Vorgänger als Umweltminister und inzwischen SPD-Chef, findet im Bierzelt von Gillamoos deutliche Worte: "So dreist ist in Deutschland noch nie der Eindruck erweckt worden, Politik sei käuflich." Grünen-Chefin Claudia Roth hält die "lobbygeleitete Politik" von CDU und FDP für einen "Anschlag auf die Sicherheit der Menschen im Land".
Röttgen aber ruht so in sich selbst, dass er sich von solcher Kritik auch nicht beirren lassen würde, könnte er sie hören. Um sicher zu gehen, dass alle ihn richtig verstanden haben, formuliert Röttgen also noch einmal: Der Kompromiss der Regierung sei "das anspruchsvollste energiepolitische Programm", das es überhaupt je gegeben habe. Dann spricht der Umweltminister über Energieeffizienz, Windparks, Klimaschutz und Marktprämien für den erneuerbaren Strom.
Bis 2030 soll der Ökostrom-Anteil auf 50 Prozent und bis zum Jahr 2050 auf 80 Prozent steigen. Um Verbraucher und Wirtschaft beim Energiesparen zu unterstützen, plant die Koalition einen "Effizienzfonds". Über die Staatsbank KfW sollen schon von 2011 an Investitionen in den Ausbau von Windparks in der Nordsee gefördert werden. Bauminister Peter Ramsauer erhält den Auftrag, dafür zu sorgen, dass noch mehr Bürger ihre Häuser energieeffizient sanieren.
Alles durchaus Erfolge für den Umweltminister. Doch in zentralen Punkten musste sich der CDU-Mann mit dem Merkel-Gen am Ende seinen Kontrahenten beugen. Im Februar hatte Röttgen in der Süddeutschen Zeitung seine Parteifreunde gewarnt, sie sollten sich "gut überlegen, ob sie gerade die Kernenergie zu einem Alleinstellungsmerkmal" machen wollten. Und: "Der Staat muss jeden Anschein vermeiden, er schöpfe Sondergewinne ab und mache dafür Zugeständnisse bei der Sicherheit."
Von verbindlichen Sicherheitsauflagen ist im Energiekonzept nicht mehr die Rede, dafür werden Sondergewinne abgeschöpft. Der Atomausstieg, von Rot-Grün auf das Jahr 2022 festgelegt, verzögert sich mindestens bis 2035. Röttgen kämpfte für Laufzeitverlängerungen von maximal acht Jahren. Doch durch Laufzeitübertragungen könnten auf Basis des Kompromisses in Deutschland noch im Jahr 2060 Atomkraftwerke in Betrieb sein.
Am meisten sollte sich der Umweltminister aber wohl darüber Gedanken machen, von wem er für sein Konzept gelobt wird: An den Börsen sagen Analysten, dass der Beschluss für die Versorger noch besser ausfalle als ursprünglich angenommen und der Energiekonzern Eon jubelt über die "intelligente Entscheidung". Die Aktien der Energiekonzerne sind am Montag im Aufwind.
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(sueddeutsche.de/mcs)
Debatte über Militäreinsatz in Syrien
Für die vier betroffenen Unternehmen Eon, RWE, EnBW und Vattenfall eröffnet der Plan der Regierung Merkel die Chance auf zusätzliche Gewinne in dreistelliger Milliardenhöhe, kalkuliert der Energiewissenschaftler Felix Matthes vom Öko-Institut. Matthes, einer der führenden unabhängigen Experten für die deutsche Stromwirtschaft, legte am Montag seine auf Basis der Beschlüsse von Sonntagnacht aktualisierten Berechnungen vor. Demnach werden die Konzerne bei Umsetzung des Kabinettskonzepts bis zum Jahr 2037 127 Milliarden Euro an zusätzlichen Gewinnen erwirtschaften, wenn der Strompreis wie zu erwarten bis 2020 wieder auf das Vorkrisenniveau von 65 Euro je Megawattstunde steigt. Davon sollen über eine neue befristete Steuer auf Kernbrennstoff bis 2016 rund 13 Milliarden Euro in die Bundeskasse gelenkt werden. Für die Folgejahre ist eine noch zu vereinbarende freiwillige Abgabe geplant, die weitere 17 Milliarden Euro aus den Konzernkassen für den Klimaschutz mobilisieren soll. Unterm Strich will die Bundesregierung also lediglich ein Viertel der zu erwartenden Zusatzgewinne abschöpfen, obwohl führende Koalitionspolitiker bisher stets eine hälftige Teilung der Gewinne zwischen Betreibern und Staat angekündigt hatten. Hinzu kommt, dass die Regierung es erlauben will, die Brennelementsteuer als Betriebsausgabe mit dem allgemeinen Konzerngewinn zu verrechnen und so die Gewinnsteuern zu senken. Die tatsächliche Belastung der Unternehmen wird so bei den Zahlungen für die Körperschafts- und die Gewerbesteuer voraussichtlich noch einmal um rund fünf Milliarden Euro vermindert. Dementsprechend stiegen die Kurse für die Aktien von Eon und RWE gestern gleich nach Börsenöffnung um mehrere Prozentpunkte.
http://www.tagesspiegel.de/politik/die-folgen-des-energiekonzepts/1920218.html
Die Nachfolgeregierung (möge sie bald kommen) soll einen Untersuchungsausschuss einberufen und untersuchen, wer der Entscheidungsträger inwiefern vom Ausgang der Entscheidung profitierte. Es sollte auch darüber nachgedacht werden, wie weit Parteispenden durch Konzerne und das heute übliche Postengeschachere um Beraterposten o.ä. der Demokratie schädlich sind.
Röttgen grinst fasst immer.
Neben der kleineren Mutti macht sich so ein übergroßes grinsendes Plakat gut.
Schließlich will uns ja verkaufen und uns ein X für ein U vormachen.
Hat er wohl noch aus der Schule von früher. Da macht es sich auch gut, wenn man aufgerufen wird und weiß nicht mehr weiter: Einfach grinsen !
Gescheit, gescheiter, gescheitert...
Nu hätte Röttgen mal den ersten Pflock für eine mögliche schwarz-grüne Koalition einschlagen können - mal ganz außen vor, dass es weder legal noch vernünftig ist, was man ihm da als "Revolution" untergejubelt hat - und was macht der?!? Statt Blumen scheint der es lieber mit Pfefferspray versuchen zu wollen... neenee, Herr Röttgen, so wird das trotz Pizza-Connection-Mitgliedschaft nix!
Nicht, dass ich mich wirklich darüber ärgern könnte :-D. Wer dermaßen der Opposition Stimmen zutreibt, der wird eben auch zu recht untergehen. Da wartet man doch fast schon gerne bis 2013... Prost!
Was bitte verstößt an der Frage, inwiefern der Straftatbestand des Hochverrates noch existent ist, gegen die Nettiquette?
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