Republikaner US-Wahlkampf - alle Oscars für Trump

Donald Trump ging diesmal nicht zur TV-Debatte seiner Partei, sondern organisierte eine Gegenveranstaltung.

(Foto: AFP)

Der Kampf um die republikanische Kandidatur besteht darin, wer am glaubhaftesten Zorn auf Washington spielt. Bleibt es dabei, hat Trump gute Chancen, seine Show bald im Weißen Haus abzuziehen.

Kommentar von Nicolas Richter, Washington

Am Abend der republikanischen TV-Debatte stand Donald Trump vor so vielen Fernsehkameras, dass er sich an die "Oscar-Verleihung" erinnert fühlte. Während seine Rivalen im Wettbewerb um das Weiße Haus bei Fox News debattierten, hielt Trump eine Konkurrenzveranstaltung ab, bei der er sich sämtliche Oscars selbst zusprach, unter anderem für den besten Haupt- und Selbstdarsteller, Regisseur und Produzenten. Trump war der alleinige Held seiner Show, keine Rolle behagt ihm so sehr wie diese.

Ob Trump auch ein guter US-Präsident wäre, ist eine ganz andere Frage. Dagegen spricht, dass er Gegner niedermacht, Hass gegen Ausländer schürt und weder für Überzeugungen steht, noch für ein realistisches Programm. Dagegen spricht auch sein Alleingang vom Donnerstag: Er blieb der TV-Debatte fern, weil er sich angeblich vor fünf Monaten über eine Fox-Moderatorin geärgert hat, die ihn fragte, warum er Frauen Schlampen nennt.

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Für Trumps Abwesenheit gibt es in Wahrheit zwei mögliche Erklärungen, beide sprechen nicht für ihn. Entweder er war wirklich beleidigt, dann muss man der Zeit entgegenzittern, wenn er das Weiße Haus bewohnt und ihn zum Beispiel die Iraner einen großen Satan nennen sollten. Nennt er den Ayatollah dann nur einen Verlierer oder rettet er seinen verletzten Stolz mittels Flächenbombardement? Zweite Erklärung: Trump hat die Debatte geschwänzt, weil ihm dies die größere Aufmerksamkeit verhieß. Die Vorwähler bekamen dann leider nicht alle Kandidaten im Direktvergleich zu sehen. Beiden Erklärungen für seinen jüngsten Ego-Trip liegt zugrunde, dass Trump ein Narziss ist, der Bewunderung verlangt und schnell beleidigt ist, wenn jemand gegen ihn so austeilt, wie er gegen andere austeilt.

Aber Trump ist nun einmal Trump, und die interessantere Frage lautete, was die Republikaner nun ohne den Mann tun würden, der die Partei binnen sechs Monaten erbarmungslos gekapert hat, der ihr seinen hasserfüllten Ton und seine fehlgeleiteten Prioritäten aufgenötigt hat. Es wäre eine gute Gelegenheit gewesen, über Trumps Narzissmus und seine dubiosen Geschäfte zu reden oder sein Ein-Punkt-Programm ("Ausländer raus") zu zerpflücken. Aber die Kandidaten griffen Trump wieder einmal nur behutsam an - und einander dafür umso mehr.

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Wie sich herausstellte, klingen die Republikaner ohne Trump wie die Republikaner mit Trump, nur ohne die Gehässigkeit und Prahlerei. Inhaltlich reden sie viel darüber, die Grenze abzuschotten, illegalen Ausländern die Staatsbürgerschaft zu verweigern, die Gesundheitsreform zu tilgen und das Land vor Washington im Allgemeinen und Barack Obama im Besonderen zu retten. (Jeb Bush war und ist die einzige, wohltuende, Ausnahme.) Es ist das negative, alarmistische Klima, das die Republikaner seit 2008 geschaffen haben und das den Aufstieg von Trump erst ermöglicht hat. Selbst der junge Hoffnungsträger Marco Rubio klingt oft schon so empört und düster wie Trump.

Aber Trump ist eindeutig der beste Empörungsdarsteller, er verkörpert die "Jetzt reicht es aber"-Stimmung im Land wie kein anderer. Er beherrscht die einst so stolze "Grand Old Party" inzwischen auch dann, wenn er gar nicht da ist. Der Wettbewerb um die Präsidentschaft ist ein Wettbewerb darüber geworden, wer am glaubhaftesten Zorn auf Washington spielt. Wenn es dabei bleibt, hat Trump gute Chancen, seine Show bald im Weißen Haus abzuziehen.

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