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US-Vorwahl:Fox News: Trump hat Fünf-Millionen-Spende für Veteranen gefordert

Donald Trump Holds Event To Benefit Veterans On Night Of GOP Debate

Donald Trump bei seiner Benefiz-Veranstaltung für Kriegsveteranen.

(Foto: AFP)

Weil der Sender sich darauf nicht einlässt, boykottiert Trump die Debatte der Republikaner - und hält eine Parallelveranstaltung ab. "Die klügste Entscheidung aller Zeiten", schwärmen seine Fans.

Von Matthias Kolb, Des Moines (Iowa)

Jim Murphy ist zehn Stunden Auto gefahren, um Donald Trump zu sehen. "Meine Söhne wollen zur Armee gehen und Hillary Clinton darf nicht ihre Oberbefehlshaberin werden", sagt der Veteran aus Ohio. Lauren Guilkey und Hilary Gardner sitzen fünf Stunden in der Kälte, um sich einen guten Platz zu sichern. "Trump hat vor nichts und niemandem Angst", ruft Guilkney, die in Missouri wohnt.

John Heimberger ist von Houston nach Omaha geflogen und zwei Stunden mit dem Mietauto nach Des Moines gefahren, um seinen Helden zu sehen. "Er wird dafür sorgen, dass endlich etwas vorangeht in diesem Land", sagt der Vietnam-Veteran. Seine Frau nickt begeistert, bevor sie andere Ex-Soldaten vor einem riesigen, handgestickten "Trump2016"-Teppich fotografiert.

Neben ihrer Trump-Begeisterung verbindet die vier Republikaner eines: Sie informieren sich vor allem über den konservativen Kabelsender Fox News. Doch alle sind überzeugt, dass der Milliardär richtig daran getan hat, die letzte Debatte der Republikaner vor der Vorwahl in Iowa zu boykottieren und seine eigene Veranstaltung abzuhalten. "Das ist die smarteste Entscheidung aller Zeiten", schwärmt Heimberger. Guilkney klagt darüber, dass auch Fox News die Fakten zurechtbiege, "um Vorgaben von oben" zu erfüllen und mehr Geld zu machen: "Dass Trump dieses Spiel nicht mitmacht, zeigt Führungsstärke."

Die von Fox News organisierte TV-Debatte läuft seit 16 Minuten, als der 69-Jährige Trump die Bühne im Sheslow Auditorium in Des Moines betritt. "Ich wäre am liebsten nicht hier." Viel lieber wäre er jetzt fünf Minuten entfernt, bei der Republikaner-Debatte, sagt Trump. "Aber wenn man schlecht behandelt wird, dann muss man sich verteidigen", ruft er den 700 Zuschauern zu. Daraus folgt die erste Attacke gegen Präsident Obama: "Der Atom-Deal mit Iran ist einer der schlechtesten Deals, die je verhandelt wurden, und wir nehmen es einfach hin."

Fox: Trump forderte Fünf-Millionen-Spende

Die Leute von Fox News seien sehr nett gewesen, berichtet Trump: "vor allem in den vergangenen Stunden". Also habe er ihnen eine Viertelstunde zugestanden, bevor er mit seiner Show beginnt - live übertragen von CNN und auf vielen Websites wie der New York Times. Auf der Bühne berichtet Trump, wie sehr ihm Amerikas Kriegsveteranen am Herzen liegen, die mehr Unterstützung verdient hätten.

Stolz verkündet er, dass über die neue Website DonaldTrumpForVets.com fast sechs Million Dollar an Spenden eingegangen sind. Er selbst zahle eine Million, tönt Trump, und zählt dann die Namen der anderen Gönner auf. Per Pressemitteilung verbreitet Fox News seine Sicht: Trump habe verlangt, dass der Sender fünf Millionen Dollar an Wohltätigkeitsorganisationen spende - dann werde er an der TV-Debatte teilnehmen. Es widerspreche aber den Fox-Standards, "aus irgendwelchen Gründen Geld" zu zahlen.

Was eine Stunde lang auf der kleinen Bühne der Drake University passiert, ist nebensächlich. Denn Trump hat sein Ziel schon vorher erreicht: Tagelang wurde nur über ihn und seine Fehde mit Fox News geredet - und nicht über seinen schärfsten Konkurrenten Ted Cruz. Und weil sich mehr als 100 Journalisten akkreditiert hatten und Dutzende Kameras mitfilmten (Trump: "wie bei den Oscars"), war erneut erwiesen, dass er das Mediengeschäft besser versteht als alle anderen Konkurrenten.

Die einstündige Veranstaltung ist eine wilde Mischung aus Trumps üblichen Phrasen ("Ich führe Amerika zu alter Größe zurück") und Angebereien ("Warum ich die Umfragen liebe? Weil die Zahlen so gut sind!") sowie diversen Gastauftritten. Die chancenlosen Kandidaten Mike Huckabee und Rick Santorum sitzen brav im Publikum, bevor sie auf die Bühne gerufen werden und wie Schuljungen neben dem Umfrage-König stehen. "Die Veteranen haben etwas Besseres verdient - nämlich die beste Gesundheitsversorgung der Welt", ruft Santorum.

Aktivisten berichten, dass täglich 22 Veteranen Suizid begehen. Zwei Mal rufen Trump-Gegner Protestslogans ("Wir lieben Veteranen, Trump liebt den Krieg") und werden umgehend aus dem Saal geführt, wo das Publikum "USA, USA, USA!" skandiert.

Ob Trumps Wette aufgeht, zeigt sich in vier Tagen

Ob sich sein riskantes Manöver auszahlt, vier Tage vor der ersten Vorwahl die Diskussion mit seinen Konkurrenten abzusagen, wird Donald Trump erst in der Nacht auf Dienstag erfahren. Dann stehen die Ergebnisse der Caucuses fest, die in 1681 Wahlkreisen in Iowa abgehalten werden. Denn so manche Bürger dürfen den Debatten-Boykott als Beweis interpretieren, dass fraglos Trump ein grandioser Selbstdarsteller ist - aber im Weißen Haus nichts verloren hat.

Bill Polka aus Carlisle, einer Kleinstadt in Iowa, kam als Trump-Fan - und ist es geblieben. "Ich halte Ben Carson für sehr intelligent, aber Trump ist einfach stärker. Er wird dafür sorgen, dass keiner unsere Grenzen überschreitet, ohne dass wir ihn registrieren."

Auch Carl Raug, ein ehemaliger Air-Force-Pilot, wird für den Milliardär stimmen. Er sagt etwas, was man unter Trump-Fans eher selten hört: "Ich mag Jeb Bush. Ich habe unter seinem Vater und seinem Bruder gedient." Doch weil Raug glaubt, dass ein weiterer Bush 2016 nicht nominiert werden kann, engagiert er sich für Trump. Auch dies ist ein Erfolgsfaktor: Trump wird als wahrscheinlicher Sieger wahrgenommen - und auf dessen Seite möchten viele stehen.

© SZ.de/jly
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