Reiche Romney-Gönner nach dem Obama-Sieg Ätsch, ihr Milliardäre

So viel Kohle für so wenig Ertrag: Mitt Romney war der Kandidat des Kapitals, vor allem konservative Unternehmer unterstützten ihn im Wahlkampf mit Millionen. Nach Obamas Wahlsieg müssen sie erkennen, dass Geld keinen Präsidenten macht.

Von Sebastian Gierke

Sheldon Adelson konnte mit seinem Geld im US-Wahlkampf keinen Unterschied machen.

(Foto: Tim Chong/Reuters)

Sheldon Adelson hatte keinen guten Tag. Früh verließ er die Party des Wahlverlierers in Boston. Als der Kasino-Mogul in seinem Rollstuhl dem Ausgang entgegenrollte gelang es einem norwegischen Fernsehteam, ihm eine Frage zu stellen: Wie das Geld, das er für Romneys Kampagne gespendet hatte, denn ausgegeben worden sei? "Es wurden Rechnungen gezahlt", entgegnete Adelson genervt. "Geld gibt man dafür aus, Rechnungen zu bezahlen. Oder man wird ein jüdischer Ehemann. Dann gibt man auch viel Geld aus." Und weg war er. Auf Twitter wurde schon kurze Zeit später triumphierend gespottet: "Mega donor Sheldon Adelson has left the building".

Spätestens in dieser Nacht hat Adelson eine für ihn bittere Lektion gelernt. In der Politik kann man für Geld noch keinen Präsidenten kaufen. Auch nicht in den USA .

Sechs Milliarden Dollar hat der Wahlkampf insgesamt gekostet (eine Analyse von SZ-Korrespondent Moritz Koch hier). Romney war der Kandidat des Kapitals, der Kandidat der Wall Street. Doch Dollar haben den Wahlkampf nicht entschieden. Möglicherweise haben sie den Republikanern sogar geschadet, wurden Wähler sogar abgeschreckt: Während Frauen, Hispanics und junge Amerikaner Obama gewählt haben, bekam Romney seine Stimmen vor allem von Weißen und Alten. Weiß und alt, das sind auch die meisten wohlhabenden Spender. Mit der amerikanischen Realität, so wie sie die ganz überwiegende Zahl der US-Bürger erlebt, haben die alten Weißen nichts zu tun. Wieso sollten sie also mit ihrem Geld bestimmen dürfen, wer das Land regiert?

Adelson hat geschätzt 100 Millionen Dollar einer Kampagne der Republican Jewish Coalition versprochen. Deren Ziel war es, jüdische Wähler vor allem in den Swing States für die Republikaner zu gewinnen. Die wichtigen Swing States hat Obama gewonnen. 20 Millionen Dollar überwies der Milliardär Mitt Romneys Super Pac (Was Super Pacs sind wird in diesem Text erklärt). Ohne Erfolg. Und im Vorwahlkampf der Republikaner unterstützte er Newt Gingrich mit einigen Millionen, der sich mit Romney ein erbittertes Duell um die Kandidatur lieferte. Genauso gut hätte er das Geld zum Fenster rauswerfen können.

Noch nie hat ein einzelner Spender so viel Geld in den Wahlkampf gepumpt wie der Milliardär. Doch keiner der acht Kandidaten, denen er sein Geld zur Verfügung gestellt hat, gewann, egal ob es um die Präsidentschaft, den Senat oder das Repräsentantenhaus ging. Tatsächlich muss Adelson sich gestern auf der Romney-Party - die keine Party war - ein bisschen gefühlt haben, wie die, denen er sein Vermögen zu verdanken hat: Spieler, die in seinen Kasinos mit hohem Einsatz spielen und alles verlieren.

Adelson ist aber nicht der einzige US-Milliardär, der für seine Wahlkampf-Spenden so gut wie keine Rendite abbekommen hat. Am Flughafen Boston saßen in der Nacht zum Mittwoch einige enttäuschte Männer in weichen Ledersesseln, warteten auf den Abflug ihrer Privatjets und dachten darüber nach, ob es nicht vielleicht doch effektivere Möglichkeiten gegeben hätte, ihr Geld auszugeben.

Foster Friess, der im Vorwahlkampf noch Rick Santorum unterstützt hatte, sagte dem Magazin Politico: "Ich bin jetzt ausgebrannt". Ein großer Fan von Wahlwerbung sei er noch nie gewesen. Trotzdem glaube er, das Geld nicht sinnlos ausgegeben zu haben. "Man muss das als Teil eines Prozesse sehen. Und man kann nicht immer gewinnen."