Prozess gegen "Pussy Riot" Zwei Band-Mitglieder fliehen aus Russland

Sie wollen der Strafverfolgung in ihrem Heimatland entgehen: Zwei Mitglieder der regierungskritischen Punk-Band "Pussy Riot" sind aus Russland geflohen. Sie hatten gemeinsam mit drei kürzlich verurteilten Band-Kolleginnen in der Moskauer Christi-Erlöser-Kathedrale gegen Präsident Putin protestiert.

Zwei Mitglieder der regierungskritischen Punkband Pussy Riot sind aus Russland geflohen. Die beiden Musikerinnen wollten einer strafrechtlichen Verfolgung entgehen, teilte die Band am Sonntag über Twitter mit. In der Nachricht hieß es zudem: "Sie rekrutieren ausländische Feministinnen, um neue Aktionen vorzubereiten."

Drei Musikerinnen der Band, Nadeschda Tolokonnikowa, Jekaterina Samuzewitsch und Maria Aljochina waren wegen "Rowdytums aus religiös motiviertem Hass" zu je zwei Jahren Haft verurteilt worden. Sie hatten - gemeinsam mit zwei weiteren Mitgliedern - im Februar mit den für ihre Auftritte charakteristischen bunten Sturmmasken über den Gesichtern die größte Kirche in Moskau gestürmt und in einem "Punk-Gebet" lautstark ihre Wut über den heutigen Präsidenten Wladimir Putin zum Ausdruck gebracht. Eben jene zwei bisher unentdeckten Frauen sollen nun Russland verlassen haben.

Die Polizei hatte Anfang der Woche erklärt, nach den anderen beiden Frauen zu suchen. Der Ehemann einer der verurteilten Musikerinnen bestätigte, dass die beiden "an einem sicheren Ort außerhalb der Reichweite der russischen Polizei" seien. Das Land, in dem sie nun Schutz suchen, habe mit Russland kein Abkommen zur Überstellung.

Das Schicksal der jungen Frauen mit den bunten Sturmhauben bewegt derzeit die ganze Welt. Tausende gehen für sie auf die Straße, Staatenlenker und Künstler treten energisch für sie ein. Dass der internationale Druck auf die russische Justiz tatsächlich Erfolg haben könnte, halten einige Beobachter durchaus für möglich. So wurde in russischen Medien die Erwartung geäußert, dass die Strafe in einem Berufungsverfahren reduziert werden dürfte.

Das Gericht werde die Strafe vermutlich in ein Jahr verwandeln und "diese Idiotinnen freilassen, damit sie ihre Kinder und Angehörigen wiedersehen können", hieß es zum Beispiel in der regierungstreuen Boulevard-Zeitung Komsomolskaja Prawda. Denis Dwornikow von der zivilen Kammer, die russische Behörden berät, sagte ebenfalls eine Abmilderung der Strafen im Berufungsprozess voraus.