Schwere Stunden und deutliche Worte vom designierten Parteichef: Sigmar Gabriel fordert Veränderungen, kritisiert die Hartz-Reformen und bescheinigt seiner SPD ein falsches Bild von der politischen Mitte. Dabei wollen die Delegierten vor allem eines - die Rückbesinnung auf soziale Gerechtigkeit.
In einer mehrstündigen Debatte, die bis in den späten Nachmittag anhielt, mussten sich der scheidende Parteichef Franz Müntefering, aber auch die SPD-Spitze insgesamt zum Teil schwere Vorwürfe anhören. Müntefering wurde von mehreren Delegierten insbesondere dafür gerügt, dass er zu Beginn der Aussprache in seiner Abschiedsrede als Parteichef keine Selbstkritik geübt hatte.
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Appellierte an die Genossen: Sigmar Gabriel auf dem SPD-Parteitag (© Foto: Getty)
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Als Nachfolger Münteferings sollte möglicherweise noch am Abend der frühere niedersächsische Ministerpräsident und Bundesumweltminister Sigmar Gabriel gewählt werden. Neue Generalsekretärin soll Andrea Nahles werden.
In seiner Rede erteilte Gabriel Debatten über künftige Koalitionen eine Absage. Die Partei müsse sich zunächst über ihren eigenen Kurs klar werden. Gabriel kritisierte Teile der Hartz-Reformen, weil sie Abstiegsängste hervorgerufen hätten. Auch monierte er Fehler beim Ausbau von Leiharbeit, viele müssten jetzt für Armutslöhne arbeiten.
Der 50-Jährige rief dazu auf, die SPD nach innen zu öffnen. "Eine Partei, die für Volksabstimmungen auf Bundesebene eintritt, darf sich nicht scheuen, wichtige Fragen den Mitgliedern zur Abstimmung vorzulegen." Die SPD müsse wieder "raus ins Leben", wo es laut sei. "Da wo es anstrengend wird, da ist das Leben."
Im Video: Reaktionen auf dem SPD-Parteitag in Dresden zur Rede und zur Person des scheidenden SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering.
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Die Partei habe in den vergangenen Jahren Wählerstimmen verloren, weil sie einem falschen Bild von der politischen Mitte gefolgt sei, das ursprünglich stark von Marktradikalen geprägt worden sei. "Statt die Mitte zu verändern, haben wir uns verändert", beklagte er. Die SPD müsse aber die Mitte aus eigener Kraft wieder erobern und so nach links rücken.
Müntefering hatte zwar eine Mitschuld der Parteispitze an der desaströsen Wahlniederlage am 27. September eingeräumt, als die SPD mit rund 23 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis seit Bestehen der Bundesrepublik einfuhr. Er rückte aber nicht von den Beschlüssen der rot-grünen Regierung von Gerhard Schröder und der großen Koalition ab.
Im Gegenteil verwies er darauf, dass die Politik immer wieder auf Parteitagen mit großen Mehrheiten beschlossen worden sei. Die SPD dürfe nicht in rivalisierende Einzelgruppen zerfallen. "Lasst diese Art von Flügelei", rief er.
In der Aussprache mit mehr als 50 Wortmeldungen setzten sich zahlreiche Delegierte vor allem vom linken Flügel kritisch mit der Sozialpolitik der SPD in den vergangenen Jahren auseinander. "Wir haben alles mitgemacht", empörte sich der ehemalige Bundestagsabgeordnete Eckart Kuhlwein.
"Es gab niemals eine Mehrheit für Hartz IV, für die Rente mit 67 und eine Bahnprivatisierung", sagte der bayerische Delegierte Harald Unfried. Wenn die SPD "diese Realität" nicht akzeptiere, werde sie "nie aus dem Tal der Tränen herauskommen".
Die Juso-Vorsitzende Franziska Drohsel forderte: "Die SPD muss wieder Partei der sozialen Gerechtigkeit sein." Nach Ansicht des früheren Bundestagsabgeordneten Peter Conradi ließen sich die Mitglieder in den vergangenen Jahren von der Spitze zu viel gefallen. Die Gremien hätten einfach nur abgenickt, was die Oberen beschlossen hätten. Damit müsse Schluss sein.
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(SZ vom 14.11.2009/bica)
Youtube-Hit aus USA
Die SPD ist seltsamerweise am stärksten wenn sie in der Opposition ist...Nun man sollte schnellstmöglich diesen Rosenkrieg beenden und die Grunsatzdiskussionen lassen, ein Konzept zu einem Neubeginn muss her, Gabriel war stark und Münteferig und co wären gut daran gedienen, sich mal in den Nachwuchsreihen umzuschauen, um hier schon mal die Weichen für die Zukunft zu stellen
Steinmeiers Rede im Bundestag zum Haushalt und co war ebenfalls kämpferisch, man scheint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben, eine Wahlschlappe kann man sich nicht mehr leisten, und rot-Rot ist meine persönliche Meinung, keine glückliche Ausgangslage
Die Basis fordert .
Die Basis fordert bereits seit Jahren. Nur fordern sieht anders aus. Um eine Forderung durchzusetzen muss die Basis entschlossen sein auch harte Auseinandersetzungen nicht zu scheuen. Genossen gegen Genossen das ist nicht leicht und nicht Jedermann hält das durch. Man machte faule Kompromisse und das Desaster ist heute kaum noch aufzuhalten. Mitgliederschwund und Vertrauensverlust reichen teilweise bis zum Hass.
Jetzt nicht in das andere Extrem fallen! Meine Ansicht ist immer noch-die SPD hat in den sozialen Fragen und Aufgaben immer noch die besseren Leute. Nur man sollte sich von denen die Hartz und anderen Unsinn eingeführt haben trennen diese haben sich nicht geändert sie passen sich an und sind meiner Ansicht nach bereit bei einem Umschwung wieder die Seiten zu wechseln.
Die Genossen die eine Arbeitnehmerpartei aus Überzeugung vertreten haben genügend Erfahrung und Kraft wieder Wähler zu gewinnen.
Keine andere Partei im Deutschen Bundestag hat so viele Männer und Frauen mit Sachkenntnis und Gemeinschaftssinn wie die SPD.
Mein altes blaues Parteibuch von 17 Jahren Mitgliedschaft liegt immer noch auf meinem Tisch.
Walter Wasilewski
Zitat SZ: "Gabriel kritisierte Teile der Hartz-Reformen, weil sie Abstiegsängste hervorgerufen hätten. Auch monierte er Fehler beim Ausbau von Leiharbeit, viele müssten jetzt für Armutslöhne arbeiten."
Jaja, Herr Gabriel, tun wir einfach so, als wären wir nicht dabei gewesen. Wer soll dem denn noch was glauben?
Super Rede von Sigmar Gabriel. Allen Respekt. So kann's gehen.
Der bisherige Verlauf des Dresdner SPD-Parteitages versöhnt zumindest ansatzweise mit dem gewohnten katastrophalen Bild dieser durch die bisherige Führung arg geschundenen ältesten deutschen demokratischen Partei.
Obwohl Müntefering in seiner Abschiedsrede jeden Anflug persönlicher Selbstkfritik vermissen ließ, besorgten die Delegierten mit teilweise aufrüttelnden Redebeiträgen - sehr gut z. B. Hermann Scheer! - eine Neubeordnung der Innenansicht der deutschen Sozialdemokratie.
Sigmar Gabriel hielt eine ganz hervorragende Grundsatzrede, mit der er den Parteitag regelrecht begeisterte.
Wenn es ihm und Nahles gelingt, die Inhalte seiner Rede zur faktischen Politik zu transferieren, müssen sich Schwarz/Gelb in der Tat warm anziehen....
... und die SPD könnte für manchen Zeitgenossen vielleicht wieder "sexy" werden ;-))))
Paging