Panama Papers Skandal-Kanzlei Mossack Fonseca ist "am Ende"

Im April durchsuchten Kriminalbeamte die Räume der Kanzlei Mossack Fonseca.

(Foto: AP)
  • Die Kanzlei Mossack Fonseca habe etlichen Mitarbeitern kündigen und Büros schließen müssen, sagt Panamas Präsident Varela der SZ.
  • Über seinen Vertrauten Ramón Fonseca sagt Varela: "Wenn er wirklich immer korrekt gehandelt hätte, hätte er jetzt auch keine Probleme."
  • Panama will laut Varela ein Vorbild sein in Lateinamerika, "als Modell von Ehrlichkeit und Transparenz".
Von Frederik Obermaier und Sebastian Schoepp

Die Rechtsanwaltskanzlei Mossack Fonseca, die im Zentrum des Skandals um die Panama Papers steht, ist nach Angaben des panamaischen Präsidenten Juan Carlos Varela "am Ende". Die Kanzlei habe etlichen Mitarbeitern kündigen und Büros schließen müssen, sagte Varela der Süddeutschen Zeitung während seines Deutschlandbesuchs, der am Wochenende zu Ende ging. Varela distanzierte sich zugleich von Ramón Fonseca, einem der Eigentümer der Kanzlei, der zu einem der engsten Vertrauten des Präsidenten zählt und bis vor wenigen Monaten auch in dessen Kabinett saß. "Er wird sich seiner Verantwortung stellen müssen - und am Ende auch dem Richter", sagte Varela.

Die Enthüllungen der Panama Papers zeigen, dass Fonsecas Kanzlei nicht nur Premierministern und Diktatoren geholfen hat, Geld zu verstecken, sondern auch Drogenkartellen, Mafia-Clans, Betrügern, Waffendealern und Regimen wie Nordkorea oder Syrien. Seit den ersten Veröffentlichungen der Panama Papers durch die Süddeutsche Zeitung und Partnermedien wurden in vielen Ländern Ermittlungen aufgenommen, es kam zu Massenprotesten, in Island trat der Premier zurück.

Ramón Fonseca, dem die Kanzlei zusammen mit dem Deutschen Jürgen Mossack gehört, hatte stets seine Unschuld beteuert und Kritiker als linke Aktivisten bezeichnet. Präsident Varela sagt jedoch: "Wenn er wirklich immer korrekt gehandelt hätte, hätte er jetzt auch keine Probleme." Die Panama Papers, so erklärte Varela in Hamburg, hätten ein globales Problem aufgezeigt, "nämlich wie legale Konstrukte zur Steuerflucht genutzt werden". Er selbst habe schon vor den Veröffentlichungen auf Reformen des Finanzsektors in seinem Land gedrängt. "In der Vergangenheit mögen dubiose Geschäfte Wirklichkeit gewesen sein, damit ist aber Schluss." Viel wichtiger als das Geschäft mit den Briefkastenfirmen sei der Ausbau der Infrastruktur, der Tourismus und der Panamakanal, die wichtigste Einnahmequelle des Landes. Er wünsche sich, dass Panama bis 2020 ein Vorbild in Lateinamerika sei "als demokratisches Modell, als Modell von Ehrlichkeit und Transparenz", sagte er der SZ.

Bis zu voller Steuertransparenz ist es aber ein weiter Weg. Ursprünglich war geplant, ein Abkommen zum automatischen Informationsaustausch zwischen Deutschland und Panama während Varelas Besuch in Berlin zu unterzeichnen. Wie aus dem Finanzministerium zu hören ist, bremste bislang noch die panamaische Seite. Varela sagte der SZ, das Abkommen werde in Kürze geschlossen. Viel mehr noch: Panama sei zum automatischen multilateralen Informationsaustausch - also mit allen Ländern - bereit. "Wir wollen keine Zuschauer sein, sondern bei diesem Thema mit an der Spitze der Länder arbeiten, die für eine Verbesserung stehen." Bis 2018 sei es soweit, verspricht Varela.

Panama gilt seit Jahrzehnten als Paradies für Geldwäscher und Kartelle, für Steueroptimierer und -betrüger. OECD-Generalsekretär José Ángel Gurría nannte das Land nach den Panama-Papers-Veröffentlichungen die "letzte große Bastion" für Steuerflüchtlinge.

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