Pakistan Liebe zu Briefkastenfirmen eint zwei ehrenwerte Familien

Collage: Peter M. Hoffmann

Die Bhuttos und die Sharifs regieren seit Jahren abwechselnd in Pakistan - mal als Präsidenten, mal als Ministerpräsidenten.

Von Frederik Obermaier, Bastian Obermayer und Tobias Matern

Ausgerechnet London. Pakistans Premierminister ist Mitte der Woche in die Stadt gereist, in der seine Kinder, versteckt über Briefkastenfirmen, einige wertvolle Immobilien halten. Offiziell plant Nawaz Sharif medizinische Untersuchungen. Doch in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad wird schon spekuliert: Ist der Regierungschef vor dem politischen Sturm geflohen, der wegen der Panama Papers auch sein Land erfasst hat? Sucht er in London gar die Unterstützung von Asif Ali Zardari, Pakistans Ex-Präsidenten, dem seit Jahren nachgesagt wird, die Hand aufzuhalten - sein Spitzname lautet "Mister 10 Prozent"?

"Das Timing des Besuchs hat sofort Gerüchte entfacht, dass Herr Sharif vielleicht nicht nach Pakistan zurückkommt, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind", schreibt die New York Times. Alles falsch, versichert umgehend ein Sprecher von Sharif. Der Premier sei seit drei Wochen krank, sein Gesundheitszustand habe sich verschlechtert. Man könne, schob er empört nach, in Pakistan offenbar "nicht mal krank werden, ohne dass irgendwelche Gerüchtetreiber das politisch ausschlachten".

Fakt ist jedenfalls: Seit zwei Wochen schlagen in Pakistan die politischen Wogen hoch. Die Opposition beklagt, wie ungeniert sich ihrer Ansicht nach Mitglieder der Regierung in Islambad bereichern - allen voran Sharif. Seine Familie taucht mit etlichen Briefkastenfirmen in den insgesamt 11,5 Millionen Dokumenten auf, den Firmen gehören offenbar wertvolle Immobilien und über sie flossen viele Millionen Dollar. Imran Khan, der wichtigste Oppositionspolitiker des Landes, will deshalb die anderen Parteien für eine große Demonstration nach isländischem Vorbild gewinnen: vor der Residenz von Sharif in Lahore.

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Sharif wiederum tut so, als habe er sich nichts, aber auch gar nichts zuschulden kommen lassen. "Wir haben für das Land mit absoluter Ehrlichkeit gearbeitet", lässt er von London aus wissen. Aber haben das er und seine Familie wirklich?

Geld - keine Frage - haben die Sharifs zuhauf. Sie wurden durch Zucker- und Stahlgeschäfte reich, das amerikanische Magazin Forbes schätzt das Vermögen von Nawaz Sharif auf 1,4 Milliarden Dollar, er wäre damit der fünftreichste Pakistani. Zwei Plätze vor ihm, mit geschätzt 400 Millionen Dollar mehr: "Mister 10 Prozent", Asif Ali Zadari, der auch Witwer der früheren Premierministerin Benazir Bhutto ist.

Die Panama Papers werfen in Pakistan wieder einmal eine Frage auf, die viele Menschen in dem Land für sich längst beantwortet haben: Bereichern sich führende Politiker des Landes auf Kosten des Staats und der Bevölkerung?

Denn nicht nur Sharifs Familie taucht in den Unterlagen auf, sondern auch Benazir Bhutto, die im Jahr 2007 ermordete Premierministerin. Die Sharifs und die Bhuttos sind die beiden mächtigsten Polit-Familien des Landes, sie wechseln sich seit Jahren an der Spitze der Regierung ab: die Bhuttos für die Pakistan Peoples Party (PPP) und die Sharifs für die Pakistan Muslim League (PML-N). Der Chef der PPP ist derzeit Bilawal Bhutto Zardari. Der 27-jährige ist der einzige Sohn von Benazir Bhutto und Asif Ali Zardari - und gilt damit, trotz fehlender Erfahrung, bereits als qualifiziert für den höchsten Parteiposten. Was also erzählen die Panama Papers über diese beiden mächtigen Clans?

Zwei von Sharifs Kindern, Sohn Hussain und Tochter Mariam, operierten mit Briefkastenfirmen, denen teure Immobilien in London gehörten. Die Briefkastenfirmen wurden 2006 von einem anderen Offshore-Anbieter zu Mossack Fonseca transferiert. Laut den geleakten Dokumenten bekamen die Firmen von der Deutschen Bank in der Schweiz 2008 ein Darlehen in Höhe von sieben Millionen Pfund, für das vier der Apartments in London als Sicherheit dienten. Die Deutsche Bank erklärte dazu, sich zu "möglichen oder tatsächlichen Geschäftsbeziehungen nicht zu äußern".

In einem der Apartments in London wurde Sharif einst bei einer Pressekonferenz mit Benazir Bhutto fotografiert. Laut einer internen Notiz aus dem Jahr 2012, die in den Panama Papers zu finden ist, war "keines der Besitztümer vermietet und nur von der Eigentümerin und ihrer Familie belegt". Als Eigentümerin wurde Sharifs Tochter Mariam identifiziert.