"Wandel oder mehr von demselben?": US-Präsident Obama verliert die Unterstützung der Linken. Führende Bürgerrechtler rücken ihn bereits in die Nähe von George W. Bush.
Die vier Bilder wirken missraten. Sehr grau und obendrein unscharf ist die Fotoreihe geraten, mit der die ACLU, Amerikas führende Bürgerrechtsvereinigung, ihre ganzseitige Anzeige in der New York Times illustriert: Ganz links lächelt der junge Barack Obama, ehe er in drei computeranimierten Metamorphosen zu einem grinsenden George W. Bush mutiert.
George W. Bush und Barack Obama - Wandel oder mehr von demselben? (© Foto: aclu)
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Klar, ja messerscharf ist freilich die Botschaft, mit der Obamas linksliberale Kritiker ihre Fotomontage umrahmen. "Was soll's sein, Herr Präsident?," fragt die ACLU, "Wandel oder mehr von demselben?"
Drahtzieher von 9/11 doch vor ein Militärtribunal?
Gemeint ist die Anzeige als Aufschrei, als letzte linke Warnung ans Weiße Haus. Aufgeschreckt wurden Bürger- und Menschenrechtsorganisationen durch Meldungen, wonach Obama sich auf einen sehr kühnen Handel einlassen will: Der Präsident scheint bereit, nun doch auf einen spektakulären Strafprozess gegen fünf mutmaßliche Hintermänner der Terroranschläge vom 11. September 2001 vor einem ordentlichen amerikanischen Gericht zu verzichten.
Stattdessen, so flüstern Obama-Berater, solle Khalid Scheich Mohammed, der Drahtzieher von 9/11, sich vor einem Militärtribunal verantworten. Das wäre ziemlich genau das Szenario, das die republikanische Vorgängerregierung schon immer verfolgte.
Deshalb wähnt die ACLU-Annonce nun Obama an einer sehr prinzipiellen Wegscheide: Der Demokrat könne "sein feierliches Versprechen einhalten und unsere Verfassung und unsere ordentliche Gerichtsbarkeit wiederherstellen". Oder aber er werde "die Politik von Bush und Cheney fortsetzen".
Tatsächlich steckt Obama in der Klemme. 14 Monate nach seinem Schwur, binnen eines Jahres das weltweit umstrittene Gefangenenlager auf dem US-Marinestützpunkt Guantanamo zu schließen, braucht der Präsident dringender denn je den Beistand des Kongresses.
Erstens muss das Parlament erlauben, Guantanamo-Häftlinge künftig überhaupt auf amerikanischem Festland einzukerkern. Und zweitens kann nur der Kongress jene 237 Millionen Dollar freigeben, mit denen die Regierung ein Hochsicherheitsgefängnis im Örtchen Thompson im Bundesstaat Illinois kaufen und aufrüsten will.
Senator fordert Anti-Terror-Gesetz als Gegenleistung
Dagegen protestieren nicht nur Republikaner. Auch etliche Demokraten in Senat und Repräsentantenhaus propagieren mittlerweile, man solle das Guantanamo-Lager einfach fortführen.
Das will Obama nicht. Aber gemäß des Machtkalküls von Rahm Emanuel, dem Stabschef des Weißen Hauses, wird die Schließung des Lagers politisch nur gelingen, wenn wenigstens einige Republikaner zustimmen.
Seit Wochen verhandelt Emanuel deshalb mit Senator Lindsey Graham, einem gemäßigten Konservativen, der früher selbst einmal US-Militärrichter war. Graham scheint bereit, für eine Ende von Guantanamo zu votieren - aber nur um den Preis, dass Obama auf den symbolträchtigen 9/11-Terrorprozess vor einem zivilen Strafgericht in New York verzichtet.
Und Senator Graham verlangt noch mehr. Er will ein Anti-Terror-Gesetz, das im Ergebnis die Rechte von Verdächtigen massiv einschränken würde. Demnach sollen die Behörden suspekte Häftlinge wochenlang verhören können, ohne ihnen ihre Rechte vorzutragen.
Zumindest für Al-Qaida-Verdächtige würden Prozesse vor Militär- statt vor Zivilgerichten zur Regel. Und das Gesetz würde es ebenso erlauben, mutmaßliche Terroristen über Jahre ohne Anklage hinter Gittern zu halten: Bedingung wäre nur, dass es glaubwürdige Hinweise (nicht konkrete Beweise) für ihre Gewaltbereitschaft gibt. Letzteres zielt auf 37 der noch 184 Guantanamo-Häftlinge, die das Verteidigungsministerium als "gefährlich" einstuft, gegen die aber keine gerichtsverwertbaren Indizien vorliegen.
Aus Sicht von Bürgerrechtlern ist dies eine Liste von Horror-Forderungen. Nach dieser Methode, so sagen sie, werde Guantanamo in Illinois neu aufgebaut.
Zoff im Bundesgerichtshof: Eine Personalie führt zu heftigen Verwerfungen – die Akte Karlsruhe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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bitte lees. hab da mal nen hetzerischen nachgeschoben;)
wo holen sie die historisch unerfahrene nation her??? immerhin gibts die usa jetzt schon seit mehr als 200 jahren. da gabs den einen oder anderen staat insgesamt nicht so lange. das als begründung für die dämlichkeit der amerikaner zu wählen, finde ich schon sehr wit hergeholt. außerdem würde mich mal interessieren, was so ein weißer mittel- oder unterschichtler zu dieser theorie der historisch unerfahrene nation sagen würde. sie eventuell erschießen, weil sie ihn und sein vaterland beleidigt haben?
außerdem sind meines wissens nach die usa vor allem deshalb so "voller energie", weil sie immer wieder die besten und intelligentesten köpfe aus anderen ländern abwerben. der weiße durchschnittsamerikaner wird nämlich immer ärmer und immer dümmer. und immer radikaler, siehe "tea-partys" und waffenlobby, die ihren gegner auch schon mal mit dem tod drohen.
Solche Beiträge liest man doch gerne. Persönlich, Inhaltsreich, ohne Hetze und Brechtschen Finger. Vielen Dank.
das kennedy nicht korrumpierbar war, ist aber eher ein scherz, oder?
aber grundsätzlich gebe ich ihnen in dem punkt auch eher recht, allerdings sehe ich den unterschied zu obama nicht so ganz. kennedy wurde halt ein paar wochen, nachdem er kürzungen im verteidigungsetat angekündigt hatte, erschossen. das brauchts heutzutage nicht mehr. da ist das pentagon alleine schon so stark, dass es die ein müdes lächeln und im extremfall vielleicht einen irgendwo stattfindenden anschlag auf amerikaner kosten würde, wenn obama ähnliches verkünden würde.
mit der krankenversicherungslobby siehts ähnlich aus, siehe unten.
sie haben leider mit einigen ihrer beiträge durchaus nicht unrecht. dass aber obama nichts erreicht hätte, kann man so nicht sagen. immerhin hat er es geschafft, überhaupt wieder ein gewisses vertrauen in die usa zu schaffen. und das nach dem vorgänger. dass er keines seiner großen projekte bisher durchsetzen konnte, hängt meines erachtens eher mit der ängstlichkei der demokraten zusammen. da diese ihren präsidenten (warum auch immer...) nicht unterstützen, kann er eben keine konstruktive politik machen. sind halt kein so konformer haufen, wie die konservativen. in diesem falle leider.
ich habe vor kurzem gorbatschow gehört und kann ihn nur darin unterstützen, was er da sagte: er meinte, dass man obama bei seinen vielen sinnvollen projekten und ideen (und dass es die gibt, steht für mich außer zweifel: krankenversicherung für alle, schließung guantanamo etc.) vorbehaltlos unterstützen sollte und nicht nach kürzester zeit schon fragt, warum er nix täte. denn ein amerikanischer präsident ist eben nicht der staatsratsvorsitzende der kpdsu und kann nicht allmächtig entscheiden. leider
im vergleich zu dem heftigen widerstand, den obama von anfang an im eigenen land erfahren hat (allein bei dem krankenversicherungsthema haben die lobbyverbände hunderte mio dollar! in eine gegenkampagne investiert), sind die weltweiten probleme ein witz (wer nimmt denn schon guantanamo-häftlinge auf? - und das, obwohl alle vorher fleißig mit bush mitgekämpft haben und das dilemma also ordentlich mit verschuldet haben!).
ich bin der meinung, dass allein die hetze, die von den verschiedenen lobbyverbänden ausgeht, es rechtfertigt, zu behaupten, dass obama nicht so schlecht sein kann. denn deren hass muss man sich erstmal zuziehen.
Paging