Shell Shells Verantwortung

Die Aktivisten um Saro-Wiwa hatten Gewinnanteile für die Bevölkerung und Schadenersatz für die Umweltzerstörungen der vergangenen Jahrzehnte gefordert - oder den Rückzug Shells aus dem Ogoni-Gebiet, zu dem es schließlich 1993 kam. Der Konzern machte im restlichen Delta weiter mit seiner Förderung, bis heute.

Obwohl Shell immer wieder beteuerte, nichts mit der Hinrichtung der neun Aktivisten zu tun zu haben, lastet ihr Tod auf dem Ruf des Konzerns - auch deshalb, weil Shell immer wieder mit Ölkatastrophen im Nigerdelta in die Schlagzeilen gerät. Allein seit 2007 soll es nach Angaben des Unternehmens zu knapp 1700 Pannen bei der Ölförderung gekommen sein - Kritiker vermuten eine sehr viel höhere Zahl.

Amnesty beklagt andauernde Verseuchungen

Zwar versucht sich der Konzern in Schadensbegrenzung: 2009 erhielten die Hinterbliebenen von Ken Saro-Wiwa eine Millionensumme (eine Mitschuld am Tod des Aktivisten bestritt Shell aber weiter). Anfang dieses Jahres entschädigte Shell außerdem mehr als 15 000 Fischer, die von Pipeline-Unfällen betroffen sind, und versprach die Säuberung der Gebiete.

Shell stoppt Ölbohrungen vor Alaska

Die bisherigen Funde von Öl und Gas reichten für weitere Bohrungen nicht aus, teilt Shell mit. Aufatmen dürften Umweltschützer deshalb aber noch nicht. mehr...

Doch solchen Versprechen ist offenbar nicht zu trauen, wie ein Bericht von Amnesty International nahelegt, der vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde: Demnach sind mehrere Gebiete im Delta weiter stark verseucht - obwohl Shell versichert hatte, sie gesäubert zu haben.

Amnesty zufolge sind die Schäden nicht auf neue Lecks, sondern auf die mangelhafte Sanierung nach vergangenen Pannen zurückzuführen. Der Konzern, so Amnesty, weise die Rechercheergebnisse zurück. An Aktualität hat Saro-Wiwas Anliegen auch 20 Jahre nach seinem Tod nichts verloren.