Niederlage für Republikaner Die Partei, die sich eine eigene Wirklichkeit schafft

Romney hat ein halbes Jahrzehnt um das Weiße Haus gekämpft, um die Latinos aber hat er sich kaum je gekümmert. Stattdessen ließ er sich im Vorwahlkampf eine Linie aufzwingen, die nicht die seine war: Um seine Partei von sich zu überzeugen, kündigte er eine härtere Haltung gegenüber illegalen Einwanderern an. Die Latinos haben ihm das übel genommen, weil sie mit den Illegalen fühlen, und zwar auch jene, die sich ansonsten im wertekonservativen Programm der Partei wiederfinden.

"Die konservative Bewegung sollte attraktiv sein für Minderheiten, die es nach oben schaffen wollen", sagt Marco Rubio, der Senator aus Florida, "wir müssen härter arbeiten denn je, um ihnen unsere Überzeugungen zu vermitteln." Rubio, 41, dessen Eltern aus Kuba stammen, gilt als Star seiner Partei, er könnte in vier Jahren für die Präsidentschaft kandidieren. Aber Leute wie er haben in diesem Jahr nicht das Erscheinungsbild bestimmt. Die Anmutung der Republikaner - sie ist mindestens so wichtig wie ihr Programm - war stattdessen nicht nur weiß und alt, sondern auch rigide, erbarmungslos und zeitweise bizarr.

Die Bilder, die in Erinnerung bleiben, sind Romneys Spenderdinner, bei dem er die schwachen 47 Prozent des Landes abschreibt, der kauzige Altstar Clint Eastwood, der polternde Geldgeber Donald Trump, der Senator Todd Akin, der darüber referiert, wie vergewaltigte Frauen durch bloße Willenskraft eine Schwangerschaft unterdrücken könnten. Es ist das Bild einer Partei, der durchschnittliche Wähler nicht nur fremd sind, sondern die sich ihre eigene Wirklichkeit schafft.

Global betrachtet zur US-Wahl "Obama muss jetzt Brücken bauen"

Das knappe Ergebnis der US-Wahl macht deutlich, wie tief das Land gesellschaftlich gespalten ist. Wie kann es Barack Obama gelingen, die "zwei Amerikas" zu verbinden? Und wird der Präsident die Republikaner verstärkt in seine Arbeit einbinden müssen?

(Video: Süddeutsche.de, Foto: dpa, Foto: dpa)

Das hat die Republikaner vor allem unter jungen und weiblichen Wählern Stimmen gekostet. Die 18- bis 44-Jährigen haben überwiegend Obama gewählt, und auch die Frauen sind auf Obamas Seite. Vor allem die Senatswahl hat bewiesen, wie sehr die verknöcherten, gar menschenverachtenden Ansichten ihrer Kandidaten den Republikanern geschadet haben: Der Abtreibungsgegner Todd Akin verlor gegen eine Demokratin. Der rechte Kandidat Richard Mourdock verlor sogar spektakulär, nachdem er gesagt hatte, Schwangerschaften nach Vergewaltigungen seien Gottes Wille.

Die größere Herausforderung liegt darin, dass dieses Geschwätz nicht mehr als Entgleisung Einzelner wahrgenommen wird, sondern als Mehrheitsmeinung der ganzen republikanischen Partei. "Wir haben ein bedeutendes Problem mit Wählerinnen", sagt John Weaver, ein Stratege der Republikaner. Äußerungen wie die von Akin und Mourdock "klingen nicht parteifremd, sondern als typisch für uns".

Die Erkenntnis aus dieser Wahl lautet also, dass sich die amerikanische Gesellschaft schneller verändert, als es die Republikaner können. Ihre Kompetenz in Wirtschaftsfragen wird anerkannt, ihre Sorge um die Staatsfinanzen geteilt, aber etliche Wähler fühlen sich abgestoßen von der rechten Haltung in Gesellschaftsfragen, im Umgang mit Verhütung, Abtreibung, Homosexuellen. Die Wähler in Maryland und Maine haben für die Homo-Ehe gestimmt, in Wisconsin haben sie eine bekennende Lesbe in den Senat geschickt. "Uns geht es wie den Dinosauriern", sagt der republikanische Stratege David Johnson. "Der Meteorit hat schon eingeschlagen."