Magna-Gründer Frank Stronach Der Milliardär, der Österreichs Rechte nervt

Der Industrie-Tycoon Frank Stronach drängt mit einer neuen Partei zur Wahl 2013 ins Parlament der Alpenrepublik. Mit einem beinharten Anti-Euro-Kurs wildert er bei den rechtsradikalen Parteien FPÖ und BZÖ. Seine Wahlchancen stünden gut - wenn da nicht der "Peinlichkeitsfaktor" wäre.

Von Oliver Das Gupta

Die Österreicher sind von ihren Damen und Herren Politikern einiges gewohnt. Das Hantieren mit Zeigetafeln im Nationalrat gehört etwa dazu, ebenso billigster Populismus, legale Postenschiebereien und ein weitverbreiteter Umgangston, der das Attribut giftig zur Gänze verdient.

Milliardär, Euro-Gegner, Polit-Neuling: Frank Stronach.

(Foto: AP)

Und dann wären da noch die Skandale und Skandälchen, an denen kein Mangel herrscht. Details über das Gebaren des Demagogen Jörg Haider, der nach seinem Unfalltod im heimischen Kärnten noch lange heiligengleich verehrt wurde. Affären von Politikern und Spitzenbeamten, die sich illegal schmieren oder legal "anfüttern" lassen. Letzteres, die Geschenkannahme von Beamten, sollte übrigens ein Anti-Korruptions-Gesetz unterbinden, das nach Protesten wieder aufgeweicht wurde.

In der jüngeren Geschichte der Zweiten Republik gab es schon manches Kuriosum, doch was in diesem Sommer passiert, ist selbst für Kenner der politischen Szene erstaunlich: Frank Stronach, 79 Jahre alt, Multimilliardär und Gründer des Automobilzulieferers Magna, drängt in die Politik. Mit aller Macht. Seine Partei ist noch nicht gegründet. Und dennoch stehen die Chancen gut, dass Stronach nach der für 2013 angesetzten Nationalratswahl mit seinen Getreuen ins Parlament am Karl-Renner-Ring 3 einzieht.

Stronachs Vorgehen ist hemdsärmelig. In den vergangenen Monaten versuchte er, bei einer Partei anzudocken: Mit dem vom Rechtspopulisten Jörg Haider gegründeten Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) verhandelte er ebenso wie mit dem kleinen Liberalen Forum (LiF). Viele Inhalte passten, so hieß es - doch offenbar wollte Stronach nicht nur mitarbeiten, sondern seine zentrale Forderung in den Mittelpunkt des Programms rücken: Raus aus dem Euro.

Weitere Inhalte: ein Heer, das sich auf Katastropheneinsätze konzentriert, eine Flat Tax, die auch eine "faire Steuer" für Reiche wäre, Kürzungen im Sozialetat, womöglich eine Zusammenlegung von Bundesländern und eine Abschaffung der Länderkammer, dazu noch ein würdiges Leben für Schlachttiere ohne Tiertransporte.

Die Ideen sprudeln nur so aus Stronach, weshalb der Magna-Gründer nun Ende September eine eigene Partei gründen möchte. Auch einen Spitzenkandidaten für die Wahl hat er bereits gefunden: sich selbst.

Geht es um weitere Details, wird Stronach allerdings einsilbig: Wie viele Mitstreiter er habe, fragte die Presse: "Viele". Auch Prominente? "Ja, Namen gibt es erst Ende September." Von welchen Parteien? "Von mehreren." Ein Parteiprogramm soll existieren, aber lesen darf es noch niemand.

Immerhin legt sich Stronach in einem Punkt fest: Mit Verve wettert er gegen die europäische Gemeinschaftswährung, die Verschuldung, den Euro-Rettungsschirm ESM, all das Geld für die Griechen. "Den Populismus-Test besteht der Industrielle locker", schreibt die Zeitung Österreich.

Für Wirtschaftsforscher, die vor einem Euro-Austritt warnen, hat Stronach nur Verachtung übrig. Sie seien "Bulls without balls", sagte er einmal, "Stiere ohne Eier".

Das Schimpfen über die "böse EU" ist in der österreichischen Innenpolitik altbekannt. Die beiden etablierten rechtsradikalen Parteien BZÖ und FPÖ polemisieren seit Jahren gegen alles, was verdächtig ist, mit "Brüssel" zu tun zu haben. Dass Stronach nun ebenfalls gegen die EU wettert und damit ins Stammrevier eindringt, dürfte den Rechtsaußenparteien überhaupt nicht gefallen.

Mit seinen Positionen würde er vor allem BZÖ und FPÖ schaden, sagte der Wiener Politologe Thomas Hofer zum Standard. Auch bei den Nichtwählern, einem Reservoir, in dem bislang immer wieder die Rechten erfolgreich fischten, habe der Austro-Kanadier ein "sehr großes Potential". Als sicher gilt: Eine Stronach-Partei dürfte die in Österreich geltende Vier-Prozent-Hürde locker nehmen.

Dabei profitiert er auch von der Schwäche der alten Rechten: Beide von Haider geprägten Parteien sind in Affären verstrickt, die derzeit für Aufregung und Rücktritte sorgen. Vor allem die FPÖ und ihr Kärntner Ableger FPK verlieren drastisch an Zustimmung. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der sich noch vor kurzem Hoffnungen machen konnte, 2013 mit seiner Partei stärkste Kraft zu werden, hat den demoskopischen Niedergang selbst eingeläutet. Anfang des Jahres verglich einer seiner Mitstreiter die Proteste gegen den Wiener Burschenschaftler-Ball mit der "Reichskristallnacht", dem Pogrom gegen die deutschen Juden 1938. Strache selbst sagte: "Wir sind die neuen Juden."