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Österreich: Korruptionsverdacht:Haiderdämmerung

Immer neue delikate Affärengeschichten: Österreich arbeitet im Sommerloch die Ära des toten Jörg Haider auf. Jeder entdeckt nun den Schmutz, und der Museumssaal mit Haider-Devotionalien bleibt leer.

Schön sind sie nicht, aber es gibt sie zahlreich: Engel, überall Engel. Sie weinen, beten, schauen versonnen, manche schlafen.

Joerg Haider

Wenige Wochen vor seinem Tod im Oktober 2008 posierte Jörg Haider vor einer Pressekonferenz in Klagenfurt für die Journalisten.

(Foto: AP)

Diese Figurenpracht gilt einem einstigen weltlichen Kungler, einem wendigen political animal, das sein Heimatland Österreich bis zum Tode in Atem hielt: dem langjährigen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider.

Dutzende der kitschigen weißen Figuren säumen jene Stelle im Örtchen Lambichl, an der Haider in den frühen Morgenstunden des 11. Oktober 2008 mit seinem VW Phaeton in den Tod raste. Eine Gedenkstätte samt Miniparkplatz haben die Trauernden hier an der südlichen Ausfallstraße Klagenfurts hingebaut, inklusive Schrein und nächtlicher Beleuchtung.

Zwischen all den Engeln, Grablichtern und gerahmten handgemalten Gedichten, die von "unserem Jörg" und manchmal auch von seinen "Killern" handeln, halten zwei ältere Frauen mürrisch Andacht. "Nix bewiesen", murmelt eine. Die andere sagt: "Das machen doch andere Parteien auch."

Leicht ist es in diesen Tagen nicht, auf Seiten Jörg Haiders zu sein. Seit einer Woche berichtet die Presse in Wien über geheime Millionen, die der Rechtsausleger angeblich von den arabischen Potentaten Saddam Hussein und Muammar el Gaddafi kassiert habe und in Liechtenstein bunkern ließ - eine Causa, die selbst die skandalgewohnten Österreicher schwer schlucken lässt.

Sogar in Kärnten, wo sie Haider posthum so verehrten, als habe er den Wörthersee höchstpersönlich erfunden, ist man ernüchtert. Hört man sich derzeit hier um, sagen fast alle - vom Tankwart bis zum Spitzenbeamten - ungefähr das Gleiche: Ja, mei, da wird schon was gewesen sein.

Einige wundern sich plötzlich, wie der "Jörgi" sich seinen extravaganten Lebensstil leisten konnte. Wie er mit dem Landeshauptmanns-Salär die kostspieligen Studien seiner Töchter finanzierte und dazu all die feschen Anzüge sowie die Reisen mit Privatjets. Einer erinnert sich daran, wie Haider im Wahlkampf einst von der einen Seite Klagenfurts auf die andere gekommen ist - mit dem Hubschrauber: "Wie konnte das alles bezahlt werden?"

Zahllose Spekulationen

Vieles in den Gazetten ist reißerisch aufgemacht, oft enden Überschriften mit Fragezeichen, in den Texten findet sich fast immer der Satz: "Es gilt die Unschuldsvermutung." Eine E-Mail Haiders wird gedruckt, in der der Politiker den Chef der Skandalbank Hypo Alpe Adria aufforderte, zwei Millionen Euro locker zu machen für die Fluglinie einiger seiner Spezln, freilich ohne Sicherheiten. Die Airline ging bald pleite, das Geld ist weg.

Kult um Jörg Haider

Weiße Engel und viele Fragen