Für die anstehenden Machtkämpfe in Libyen brauchen die neuen Akteure Kapital, Organisation, Ideologien - und Waffen. So sieht es der Premierminister des Übergangsrates, Mahmud Dschibril. Das Land steht nach der Befreiung vor größeren Herausforderungen als Tunesien und Ägypten - und es ist eine Illusion zu glauben, westliche Regierungen hätten nun einen Einfluss auf die Entwicklungen im Land.
Der Kampf gegen das Regime ist zu Ende, Muammar al-Gaddafi ist tot, die Revolution hat mit Hilfe der Nato über den Diktator triumphiert - doch was wird nun aus Libyen? Der vom Nationalen Übergangsrat geleitete Prozess hin zu Wahlen und zur Ausarbeitung einer Verfassung hat begonnen.
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Dabei steht Libyen gewaltigen Herausforderungen gegenüber. Gaddafis Staat besaß keine Verfassung, und seine schwachen Institutionen sind während des Bürgerkrieges auseinandergebrochen. Nun müssen grundlegende Fragen über das Wesen des neuen Staates verhandelt werden: Wird er zentralistisch oder föderal aufgebaut sein, präsidentiell oder parlamentarisch geprägt, sich als säkular verstehen oder als im Islam verankert?
Der Staatsaufbau, das zeichnet sich bereits ab, wird von heftigen Machtkämpfen überlagert sein. Die revolutionären Kräfte sind entlang zahlreicher Linien gespalten. Diese verlaufen zwischen ehemaligen Entscheidungsträgern des Regimes und langjährigen Exilanten, zwischen Islamisten und säkularen Kräften, zwischen Vertretern prominenter Familien, einzelner Städte oder Stämme, sowie zwischen der elitären politischen Führung im Übergangsrat und den revolutionären Brigaden, die bisher kaum im Übergangsrat vertreten sind.
Die Rivalitäten zwischen diesen Gruppen wurden bisher durch die Notwendigkeit, im Kampf gegen das Regime Einigkeit zu wahren, noch halbwegs unter Verschluss gehalten. Seit dem Fall von Tripolis haben sie deutlich zugenommen, wie die Streitigkeiten zwischen Brigaden aus verschiedenen Städten um die Kontrolle der Hauptstadt zeigen. Während des Übergangsprozesses werden sie ihre volle Kraft entwickeln.
Dies meinte der Premierminister des Übergangsrates, Mahmud Dschibril, als er ankündigte, er werde für die nächste Regierung nicht mehr zur Verfügung stehen, da man für die anstehenden Machtkämpfe Kapital, Organisation, Waffen und Ideologien brauche - und er besitze nichts davon.
Die Bildung einer Übergangsregierung wird der erste Test für die Fähigkeit des Rates sein, all dieser Rivalitäten Herr zu werden. Verlauf und Ergebnis der Machtkämpfe sind völlig unabsehbar - außer dass sie die politische Landschaft Libyens grundlegend verändern werden. Parteien und Bewegungen, die es bisher kaum gibt, werden entstehen; die regionalen Kräfteverhältnisse innerhalb des Übergangsrates werden sich verschieben; neue Akteure werden die Bühne betreten, einige der bisherigen Führungsfiguren werden sie verlassen müssen.
Gewaltsame Machtkämpfe drohen den Libyern
Ob die Entwicklung gewaltsamer Machtkämpfe im Zuge dieser Umwälzungen vermieden werden kann, wird vor allem von zwei Fragen abhängen. Erstens: ob der Übergangsrat die revolutionären Brigaden unter zentrale Kontrolle bringen kann. Denn die Anzeichen mehren sich, dass einzelne Milizenführer ihre militärische Macht einsetzen wollen, um politischen Einfluss im neuen Staat zu fordern. Zweitens: ob auch diejenigen Gruppen in den politischen Prozess eingebunden werden, die Gaddafi unterstützt haben.
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ihre Frage ist berechtigt. Das Problem bleibt dennoch bestehen. Wenn es einen demokratischen Übergang geben soll, und das Geld dem Volk gehört, dann sollte das Vermögen an das Volk verteilt werden und nicht an das neue "wenn auch" Übergangsregime.
Es gibt 6 Millionen Libyer, teilen sie die 150 Milliarden (geschätzt) auf sie auf. Jeder bekommt gleich viel. Die Menschen haben ein Anrecht auf dieses Vermögen, nicht eine selbsternannte Regierung. Man könnte auch eine Volksbefragung durchführen, ob das Vermögen als Staatsschatz erhalten bleiben soll, oder ob es zu gleichen Teilen an das Volk verteilt wird.
Das wäre mal ein interessanter Anfang für die Demokratie, und das wäre so gänzlich unwestlich und unkapitalistisch, da hätten bestimmt Narkozy und co. was dagegen...
Dazu wird es aber wohl doch nicht kommen, warum eigentlich?
Bereits während der Rebellion war erkennbar,daß Libyen nach Gadaffi in Stammeskriegen versinken wird. Insbesondere die islamistisch ausgerichteten Stämme des Ostens, der Cyranaika, um Bengasi werden sich keiner Zentralregierung in Tripolis unterordnen.Groß ist die wahrscheinlichkeit,daß wir Zustände sehen werden,die an das Chaos in Somalia erinnern.
Für den Westen bedeutet dies wahrscheinlich den Ausfall der Öllieferungen ,eine überwiegend ungehinderte Migration von Afrika nach Europa und ein Machtvakuum in den weiten Wüstengebieten,welches von al-Qaida & Co. ausgefüllt werden wird...direkt vor der Haustüre Europas.
Sicherlich,Gadaffi war ein brutaler Despot,hatte aber alles im Griff und agierte durchwegs im westlichen Interesse.Demokratie war doch von Anbeginn eine völlig weltfremde Illusion.Nun hat sich der Westen selbst ein Riesenproblem geschaffen und dafür auch noch kräftig gezahlt.
Gab es in den Aussenministerien der Westländer keine Experten,die die Gefahr vorhergesehen hatten ? Oder auch "nur" renommierte Journalisten ?
Eine grenzenlose Dummheit, für die wir alle bitter bezahlen werden !
Zitat: "Der Übergangsrat (sogenannt) ist durch nichts und niemanden legitimiert...Der Übergangsrat ist im Grunde selbst autokratisch, als illegitim."
Gemäß Ihrer Logik besitzt Kuba seit über 50 Jahren eine illegitime Regierung.
Aber um bei Libyen zu bleiben: wie soll denn ein legitimiertes Gremium inmitten einer gewaltsamen Revolution zustande kommen? Amts- und Regierungsbefugnisse werden in dieser Phase logischerweise nicht vom alten System übergeben. Um Wahlen zu ermöglichen und das öffentliche Leben am Laufen zu halten bedarf es logischerweise auch für den nicht gewählten Übergangsrat einen finanziellen Handlungsspielraum. Natürlich besteht die Möglichkeit, dass freigegebene Gelder in die eigene Tasche gewirtschaftet werden. Andernfalls würde das Ausland aber die Möglichkeiten für ein Demokratisierung in Libyen von vornherein sabotieren.
Zitat: ".... damit der Öl Nachschub gesichert ist."
Unsinn ! Gaddafi hat jedem soviel Öl verkauft, wie er wollte. Warum hätte man ihn deswegen wegbomben sollen ?
..und zum Teil dummes Zeug, was sie hier schreiben. Auf keinen Fall dürfen die Vermögen dem Übergangsrat freigegeben werden. Warum nicht?
Sie sind eigentum des Volkes. Der Übergangsrat (sogenannt) ist durch nichts und niemanden legitimiert. Das Geld könnte zum Teil versickern in dunkle Kanäle etc.
Der Übergangsrat, hat kein Anrecht auf die eingefrorenen Auslandsgelder Libyens.
Der Übergangsrat ist im Grunde selbst autokratisch, als illegitim.
Paging