Landtagswahl in Sachsen-Anhalt "Hasi" und Igel

Treffen in Halle: Horst Seehofer (links) und Reiner Haseloff.

(Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer greift CDU-Ministerpräsident Reiner Haseloff in Halle beim Landtags-Wahlkampf unter die Arme.

Von Cornelius Pollmer, Halle/Saale

Der CSU-Chef kommt direkt von der Kanzlerin. Horst Seehofer hat sich bei ihr beharrlich Gehör verschafft, aber bei seinem Zwischenstopp in Sachsen-Anhalt erwartet ihn ein noch härterer Gegner. Mittwochnachmittag, Halle an der Saale. Reiner Haseloff steht mit samt-stolzem Lächeln vor einem Kongresszentrum, er nimmt Seehofer in Empfang und zur Seite für ein paar erste Zuckersätze der Verbundenheit. Die Kameras sind bereit, doch da kommt auch schon eine Tram um die Ecke gebogen, Linie 4 Richtung Kröllwitz. Zu alledem setzt noch Regen ein.

Also rein ins Foyer, viele Fragen zu Berlin, eine zu Sachsen-Anhalt. Dieser Termin heute, eineinhalb Wochen vor der Landtagswahl, ist das ein neuer Schulterschluss zwischen den Ministerpräsidenten Bayerns und Sachsen-Anhalts? Ach was, sagt Seehofer, "der Reiner" und er wollten vielmehr zeigen, dass dieser Schulterschluss "seit unendlich vielen Jahren" bestehe.

Dieser Wahlkampf in Sachsen-Anhalt ist für alle Parteien wegen der AfD eine eher ungemütliche Phase der Ungewissheit. Ministerpräsident Haseloff reagiert darauf mit einer speziellen Form von Stoizismus, er scheint in diesen Wochen so ziemlich jede Firma in seinem Land noch einmal zu besuchen, das gibt immer Bilder, oft genug gute. Besser noch passt es Haseloff in den Plan, wenn er selbst einmal besucht wird, am allerbesten, wenn er von Seehofer besucht wird.

Der CDU in Sachsen-Anhalt regnet es den Umfragen zufolge eher von rechts rein als von links, da kommt Horst Seehofer gerade recht und so soll es ihm auch gemacht werden. "Simply the best", spielt der CDU-DJ zum Einzug, nachdem er in verlässlicher Verirrung schon "Summer in the City" aufgelegt hatte und, bei einem Termin mit Merkel vor ein paar Wochen "Waterloo". An die Empore haben die Hausherren eine bayerische Flagge geheftet, nicht aber die Sachsen-Anhalts. In diesen Äußerlichkeiten zumindest gerät die Verbeugung vor Bayern und Seehofer sehr tief.

Die CDU im Saal applaudiert Seehofer das erste Mal, als der gerade mal zwei Worte gesagt hat: "Grüß Gott". Das nennt man wohl ein bestelltes Feld, und Seehofer versteht es zu ernten. Es sei "das Geheimnis der Bayern seit hundert Jahren, dass wir unsere Interessen hart vertreten", früher in Bonn, heute in Berlin. Und der Reiner, der sei eben "auch einer von dieser Gattung". Weil Seehofer jetzt nicht mehr in Berlin ist, sondern in Sachsen-Anhalt, kann er Berlin schelten und Sachsen-Anhalt loben. Er sei, sagt Seehofer, immer für eine finanzielle Unterstützung des Ostens gewesen, um ihm die Möglichkeiten zu geben, die einst auch Bayern gegeben wurden. Anders als das Bundesland Berlin gehe Sachsen-Anhalt "hervorragend" mit dieser Hilfe und Chance um, man sehe Fortschritte, "ihr seid auf dem Weg zum Paradies".

Ihm würde das bayerische Niveau schon genügen, sagt Haseloff, für die eingeschleuste Back-up-Truppe von der Jungen Union ein klares Signal, noch einmal die Pappen nach oben zu halten, auf denen für "Hasi" geworben wird. Der Igel Seehofer hat sich da schon wieder ein ganz anderes Feld gesucht, auf dem er gleich doppelt zu sehen ist. In der Fragerunde geht es um das Thema, um das es gerade irgendwie überall geht, und zu diesem Thema sagt Seehofer einerseits: "Lassen wir der Kanzlerin die Chance, um die sie ja bittet". Ein, zwei EU-Gipfel müsse man ihr schon noch lassen, um eine europäische Lösung in der Asylpolitik zu finden. Seehofer sagt andererseits, nun wieder im tatsächlich engen Schulterschluss mit Haseloff: "Aber gerade wir beide werden nicht ruhen, bis Recht und Ordnung wieder hergestellt sind."

Das wäre ein mächtiges Schlusswort gewesen. Als Reiner Haseloff dann aber trotzdem wieder in den verbalen Fußnotenmodus gerät ("kommunale Finanzausgleichmasse"), rettet ein Innungsmeister das Ende. Die beiden Ministerpräsidenten erhalten für ihren Auftritt einen Preis. Ein gutes Wahlergebnis fehlt ihnen zwar noch, aber immerhin haben sie schon einmal den "ersten preußischen Dampfwurstorden am Bande".