Kein Ende der Causa Kundus in Sicht: Weil das Verteidigungsministerium einen Termin mit den Opfer-Anwälten platzen ließ, wollen diese nun vor Gericht ziehen.
Während noch über Guttenbergs politisches Geschick bei der Handhabung der Kundus-Affäre diskutiert wird, zieht bereits neues Ungemach für den deutschen Verteidigungsminister auf: Im Ringen um Entschädigungszahlungen an die Opferfamilien des von der Bundeswehr angeordneten Luftangriffs von Kundus drohen die Opfer-Anwälte nun mit Klagen.
Derzeit besucht Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) den Kosovo und Bosnien-Herzegowina - doch aus der Heimat droht dem deutschen Verteidigungsminister neues Ungemach. (© Foto: ddp)
Anzeige
Auslöser war die Absage eines für Mittwoch geplanten Gesprächs des Verteidigungsministeriums mit den Bremer Rechtsanwälten Bernhard Docke und Karim Popal. Zuvor waren neue Forderungen mutmaßlicher Opfer gegen Deutschland laut geworden.
"Keineswegs abgebrochen, nur verschoben"
"Weitere Gespräche sind erst dann sinnvoll, wenn die Rechtsanwälte die Mandatslage geklärt haben", teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Dienstag in Berlin mit. Die Anwälte müssten nachweisen, wessen Interessen sie vertreten.
Gegenüber dem Weser-Kurier erklärte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums, die Gespräche mit den beiden Anwälten seien "keineswegs abgebrochen, sondern nur verschoben". Das Ministerium habe "Interesse, mit allen Opfern zu einer einheitlichen Lösung zu kommen", berichtet die Zeitung. Die Anwälte sollten jedoch vorher "die Mandatslage aufklären", also nachweisen, wessen Interessen sie tatsächlich vertreten.
Anwalt Docke betonte, bei einer "Lagefeststellung" Anfang Januar in Kundus habe das Verteidigungsministerium noch "keinen Zweifel daran gehegt, dass unsere Mandanten tatsächlich zivile Opfer sind". Nach eigenen Angaben vertreten Popal und Docke 456 Hinterbliebene von 137 zivilen Todesopfern des Luftangriffs.
Spiegel Online berichtet, 30 afghanischen Familien hätten über die unabhängige Menschenrechtsorganisation AIHCR verlangt, direkt mit der Bundeswehr zu verhandeln, weil sie zum bisher in der Sache federführenden Anwalt Popal kein Vertrauen hätten.
Da Popal nie in die betroffene Region gereist sei, gebe es Zweifel, ob seine Mandanten tatsächlich Angehörige der Opfer des von der Bundeswehr befohlenen Bombardements vom 4. September 2009 seien, schreibt das Nachrichtenmagazin.
Docke und Popal widersprachen den Presseberichten, räumten aber ein, dass es über ihre Mandanten hinaus weitere Opferfamilien geben könnte: "Wir können nicht ausschließen, dass es weitere Opfer gibt und wir nehmen auch kein Opfervertretungsmonopol in Anspruch."
Bis heute konnte nicht eindeutig geklärt werden, wie viele Menschen bei dem verheerenden Luftschlag von Kundus, der eigentlich einem von den Taliban gekaperten Tanklastzug galt, tatsächlich ums Leben kamen oder verletzt wurden.
Die Bremer Anwälte kritisierten die Entscheidung des Ministeriums. "Damit verzögert sich die überfällige Entschädigungsregelung weiter auf unbestimmte Zeit", heißt es in einer Mitteilung. Es solle nun offensichtlich doch nicht die von Verteidigungsminister Guttenberg angekündigte schnelle, unbürokratische Hilfe geben, bemängelten die beiden Juristen. "Notgedrungen werden wir den Klageweg vorbereiten."
- Thema
- Kundus-Affäre RSS
- Kundus-Ausschuss SPD will Merkel befragen 27.03.2010
- U-Ausschuss zu Kundus Jung verteidigt Luftschlag - nach wie vor 25.03.2010
- Kundus-Affäre Im Namen der Wahrheit 20.03.2010
- Kundus-Affäre Strafbar ist nur der Vorsatz 19.03.2010
- Kundus-Affäre Feuer frei auf Guttenberg 19.03.2010
- Politik kompakt Bundeswehr will Oberst Klein verschonen 05.05.2010
- Live-Ticker-Nachlese "Minister Klartext" bleibt nebulös 22.04.2010
(dpa/jobr)
"Undercover" bei Paketzusteller GLS
Ich wollte die zwei Berufsempörten aus Bremen sehen, wenn einer - viele - kämen, deren Begehr Schadensersatz an sie selbst ist und die ihre ordnungsgemässe Bevollmächtigung samten nachweislicher "Klientel" nicht dartun könnten ....
"Es geht den Anwälten (woher haben sie überhaupt die Mandate?) doch nicht um die Opfer (wieviele waren es denn überhaupt?), sondern um ihre Honorare."
In dieser schlechten Welt geht es allen nur ums Geld. Außer einem: seppsito. Er sitzt als Held des Hinterzimmers an seinem Schreibtisch und gönnt der Welt, an seinen Gedanken teilzuhaben.
Es geht den Anwälten (woher haben sie überhaupt die Mandate?) doch nicht um die Opfer (wieviele waren es denn überhaupt?), sondern um ihre Honorare.
Unabhängig von den Unklarheiten, die offensichtlich hinsichtlich der Mandate bestehen, beides geht in diesem Lande gar nicht.
Da sei sie Bürokratie vor!
Das hat dieses Land seit seiner Gründung zur Genüge bewiesen.