Tagesprotokoll: Krieg in Libyen Libysches TV: Tripolis unter Beschuss

Gaddafis Staatssender berichtet von erneuten Angriffen auf die libysche Hauptstadt. Die britischen Luftstreitkräfte gehen unterdessen davon aus, dass Kampfjets der Allianz inzwischen "fast gefahrlos" über Libyen fliegen können.

Die Ereignisse des Tages zum Nachlesen.

Die Luftangriffe der westlichen Allianz haben die libysche Luftwaffe zerstört und den Beschuss von einigen Städten durch Gaddafi-Truppen beendet, die in der Hand der Rebellen sind. Die westliche Allianz sucht die Unterstützung arabischer Verbündeter gegen den libyschen Machthaber.

Gaddafi selbst gibt sich trotz erneuter Luftangriffe entschlossen. Im Jemen hat Präsident Ali Abdullah Salih vorgezogenen Wahlen noch in diesem Jahr zugestimmt - die Ereignisse im Newsticker.

23:26 Uhr

Die staatliche libysche Nachrichtenagentur Jana berichtet von zahlreichen "zivilen Opfern" durch einen Angriff auf ein Wohnviertel östlich der Hauptstadt. Der Bericht lässt sich nicht überprüfen.

22:39 Uhr

Die BBC berichtet weiter, Zeugen hätten eine massive Explosion auf einer Militärbasis gehört, etwa 30 Kilometer östlich von Tripolis. Die staatliche libysche Nachrichtenagentur Jana bestätigte bereits, dass es dort heute zwei Angriffe gegeben habe.

22:30 Uhr

Jetzt gibt es Berichte, dass das Gaddafi-Anwesen, was bei den Angriffen heute Abend getroffen wurde, sich nicht in Tripolis befand, wie zuerst gemeldet wurde, sondern in Adschdabija. Allerdings gibt es dafür keine unabhängige Bestätigung. Korrespondenten in Tripolis, das berichtet die BBC, beobachten Leuchtspurraketen über dem Himmel der Hauptstadtm allerdings viel weniger als in den vergangenen Nächten, so heißt es.

21:34 Uhr

Al Arabija meldet außerdem, dass Panzer der Regierungstruppen an den östlichen und westlichen Zufahrten nach Adschdabija Position bezogen hätten.

21:31 Uhr

Nach Berichten des Fernsehsenders Al Arabija wurde bei Luftangriffen auf Tripolis ein Anwesen von Machthaber Muammar Gaddafi getroffen.

20:35 Uhr

Regierungseinheiten beschießen weiterhin die Stadt Misrata, die mittlerweile fast komplett abgeriegelt ist. "Die Panzer der Regierung rücken auf das Krankenhaus der Stadt vor und beschießen das Gebäude", berichtete ein Zeuge am Telefon der Nachrichtenagentur Reuters. Auch andere Häuser in der Stadt stünden unter massivem Feuer der Gaddafi-Truppen.

20:29 Uhr

Offenbar gibt es erneute Luftangriffe auf Tripolis. Das staatliche libysche Fernsehen berichtet vom einem "Kreuzzug der Imperialisten, die zivile und militärische Ziele angreifen." Acht Explosionen seien zu hören gewesen, Rauch steige auf. Außerdem wurde 20 Kilometer östlich der Hauptstadt auf einem Militärstützpunkt eine größere Explosion ereignet, wie ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur AFP berichtet.

20:24 Uhr

US-Außenminsiterin Hillary Clinton hat Muammar al-Gaddafi aufgefordert, Libyen "so schnell wie möglich" zu verlassen. Das berichtet die Nachrichtenagentur AP.

19:51 Uhr

Die internationale Koalition konzentriert sich bei ihrem Militäreinsatz in Libyen jetzt auf die Streitkräfte von Machthaber Muammar al-Gaddafi außerhalb von Adschdabija und Misurata. Gaddafis Truppen hätten ihre Attacken auf die zivile Bevölkerung in den beiden Städten verstärkt, um Rebellen auszuschalten, sagte US-Konteradmiral Gerard Hueber. Er ist einer der führenden Kommandeure auf der US-Seite bei der Militäroperation. "Wir setzen Gaddafis Kräfte unter Druck, die diese Zivilisten angreifen." Gaddafis Bodentruppen führten auch Angriffe "in einer Reihe" anderer Städte durch und brächten dadurch unschuldige Zivilisten in "ernste Gefahr", sagte Hueber weiter. Die Koalition richte ihre Attacken unter anderem auf motorisierte Einheiten Gaddafis, Boden-Luft-Raketenstellungen und darauf, Kommunikationslinien zu kappen.

19:43 Uhr

Die Nato-Staaten haben sich nach Angaben aus Diplomatenkreisen noch immer nicht auf eine Übernahme des Kommandos der Militäreinsätze in Libyen einigen können. Es sei "keine Entscheidung zu irgendwas" getroffen worden, sagte ein Diplomat, der namentlich nicht genannt werden wollte. Unter anderem gebe es Uneinigkeit über den Umfang des Einsatzes. Die Angriffe gegen die Einheiten von Machthaber Muammar al-Gaddafi finden gegenwärtig noch unter der Führung der USA statt. US-Präsident Barack Obama hatte sich zuletzt bei Gesprächen mit seinem französischen Kollegen Nicolas Sarkozy und dem britischen Premierminister David Cameron auf eine Schlüsselrolle der Nato bei dem Einsatz verständigt.

18:51 Uhr

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die libysche Führung erneut zum sofortigen Ende aller Gewalt im eigenen Land aufgerufen. In einer Erklärung ermahnte Ban alle Parteien, sich an die Resolutionen 1970 und 1973 des Sicherheitsrates zu halten. Mit ihnen waren Sanktionen gegen Staatschef Muammar al-Gaddafi und seinen Clan sowie ein Flugverbot über Libyen verhängt worden. Der UN-Chef verurteilte die anhaltenden Angriffe von Gaddafis Truppen auf Sintan, Misurata und andere Städte im Westen Libyens und wiederholte die Warnung. "Alle, die in Libyen gegen das Völkerrecht und die Menschenrechte verstoßen, werden voll zur Rechenschaft gezogen".

18:12 Uhr

Scharfschützen der Gaddafi-Truppen haben nach Angaben eines Rebellen-Sprechers in der umkämpften Stadt Misrata 16 Aufständische getötet. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Die britische BBC zitiert außerdem einen Augenzeugen in Misrata, der angesichts der Zustände dort von einem "Massaker" spricht: "Wenn die internationale Gemeinschaft nicht eingegriffen hätte, hätte Gaddafi uns geschlachtet", sagte der Rebellen-Vertreter, der sich für eine Fortsetzung der Luftangriffe aussprach: "Wir wollen keine Bodentruppen, aber wir brauchen den Schutz aus der Luft, um unsere Offensive fortzusetzen, und wir brauchen Waffen, um Gaddafi zu bekämpfen."

17:49 Uhr

Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin hat seine Kritik am internationalen Militäreinsatz in Libyen erneuert. "Wie kann man Maßnahmen einsetzen, die das Leiden der Zivilisten verschärfen, wo das Ziel ist, die Zivilbevölkerung zu schützen?", sagte Putin bei einem Besuch in Belgrad. "Es gibt dort einen Bürgerkrieg, es gab den Vorschlag zu einer Flugverbotszone, um zu verhindern, dass Gaddafi seine Gegner angreift. Das Ziel war fair, doch was sehen wir heute? Angriffe auf das Territorium des gesamten Landes", sagte der russische Regierungschef weiter.

17:43 Uhr

Ein Al-Dschasira-Korrespondent in Bengasi berichtet von einer Danksagungs-Demonstration. Die Menschen hätten sich in der Stadt versammelt, um Großbritannien, Frankreich, der UN und Qatar für ihre militärische Unterstützung Luftangriffe zu danken. Die Rebellen dort wünschten sich sogar noch mehr Luftangriffe, damit ihre Kämpfer bis nach Tripolis vordringen können.

17:28 Uhr

Die internationale Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" kann momentan nicht nach Libyen einreisen. Das berichtet der britische Guardian. Die Helfer hätten keine Genehmigung erhalten, die tunesisch-libysche Grenze zu überqueren, teilte die Organisation mit. Dennoch hätten einige ihrer Hilfsgüter offenbar die Stadt Misrata erreicht.

17:03 Uhr

Nach Angaben des US-Verteidigungsministers Robert Gates gibt es keine zeitlichen Vorgaben, bis wann die militärischen Operationen in Libyen beendet sein sollen.

16:50 Uhr

Für die Aufständischen in der Stadt Misrata hat sich die Situation durch die Luftangriffe der westlichen Allianz offenbar erheblich verbessert. Wie ein Sprecher der Rebellen der BBC berichtet, seien die Luftschläge gerade zur rechten Zeit gekommen, um den Gaddafi-Gegnern wieder Hoffnung zu geben. Die Luftangriffe hätten "sogar in der Stadt selbst Fahrzeuge der Gaddafi-Anhänger zerstört". Allerdings befänden sich Kämpfer des Diktators noch immer auf der Hauptstraße, Heckenschützen würden von manchen Gebäuden schießen. Aber der Artilleriebeschuss sei vorbei. In einigen Teilen der Stadt könnten die Menschen wieder auf die Straße, manche Geschäfte sind geöffnet. "Wir werden niemals vergessen", was die Allianz getan habe, sagte der Sprecher. Wie ein Reporter des Guardian berichtet, beendeten die Luftangriffe innerhalb von zwölf Stunden einen Angriff der Gaddafi-Anhänger auf Misrata, der innerhalb von fünf Tagen fast hundert Menschen das Leben gekostet hat.

16:08 Uhr

"Die libysche Luftwaffe existiert nicht mehr als einsetzbare Streitmacht", erklärt Air Vice-Marshal Greg Bagwell, Kommandeur der Number 1 Group der britischen Royal Air Force, der BBC zufolge. "Wir haben alle ihre Flugzeuge zerstört", zitiert die "Sun" den Offizier. "Wir haben die libyschen Bodentruppen unter ständiger Beobachtung und wir greifen sie an, wann immer sie eine Bedrohung für die Zivilbevölkerung sind." Auch sei die libysche Luftabwehr so weitgehend zerstört, dass die alliierten Kampfjets "fast ungefährdet" über Libyen fliegen können. Bagwell bestätigte der BBC, dass britische Flugzeuge nicht beschossen wurden.

15:48 Uhr

Frankreichs Außenminister Alain Juppé hat angekündigt, dass die Länder der internationalen Allianz sich am 29. März in London mit Vertretern der Arabischen Liga und der Afrikanischen Union treffen werden. "Gemeinsam mit meinem britischen Kollegen haben wir die Initiative ergriffen und für Dienstag eine Kontaktgruppe nach London eingeladen, der alle an der Aktion beteiligten Länder sowie die Afrikanische Union, die Arabische Liga sowie alle europäischen Länder angehören, die dabei sein wollten." Juppé hat mehrfach betont, dass ein politisches Führungsgremium für den Einsatz gegen Libyens Machthaber nötig sei. Frankreich lehnt eine Führungsrolle der Nato ab und will, dass die Kommandostruktur des Bündnisses nur zur Unterstützung der bereits im Einsatz befindlichen "Koalition" genutzt wird. Diese wird von Frankreich, den USA und Großbritannien geführt. Es gehe in London darum, die politische Führung der Militäraktionen festzulegen. "Das ist nicht die Nato, das ist die Kontaktgruppe", betonte Juppé.

15:43 Uhr

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärt, Deutschland werde trotz seiner Enthaltung bei der UN-Resolution über einen Militäreinsatz gegen Libyen Verantwortung bei den Umbrüchen in Nordafrika übernehmen. "Wir werden vor allem politisch sehr viel unternehmen, um die Entwicklung in Nordafrika gedeihlich zu gestalten", sagte Merkel in Frankfurt. Gegen die verhängte Flugverbotszone habe Deutschland Bedenken geäußert, das habe zur Enthaltung im UN-Sicherheitsrat geführt. "Damit sind wir nicht neutral, sondern damit haben wir unsere Position - und wenn ich sage unsere, meine ich die der gesamten Bundesregierung - deutlich gemacht", betonte Merkel. Deutschland hatte sich bei der Abstimmung über die Libyen-Resolution enthalten. Der Bundesregierung wurde daraufhin vorgeworfen, Deutschland in der westlichen Welt zu isolieren.

15:13 Uhr

Die Opposition wirft der Bundesregierung Trickserei bei der Ausweitung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr vor. Die Begründung dieses Schritts mit der Entlastung der Verbündeten im Libyen-Einsatz sei eine "politische Mogelpackung", sagte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Gernot Erler im Bundestag. Schwarz-Gelb biete den Verbündeten mit den Besatzungen der Awacs-Aufklärungsflieger eine "fein in Geschenkpapier verpackte Leistung" an, die im April ohnehin fällig geworden wäre. Dies sei ein "billiger Trick". Der Grünen-Abgeordnete Omid Nouripour spricht von einem unseriösen "Kuhhandel", der das "Desaster der Passivität der Bundesregierung" im Libyen-Konflikt schnellstmöglich vergessen machen solle. "Das hat mit einer wertegebundenen Außenpolitik überhaupt nichts mehr zu tun."

14:59 Uhr

Der jemenitische Präsident Ali Abdullah Salih hat vorgezogenen Wahlen noch in diesem Jahr zugestimmt. Das berichtet die staatliche jemenitische Nachrichtenagentur Saba. Der durch Proteste schwer unter Druck geratene Präsident folgt damit einer wesentlichen Forderung der Opposition. Ursprünglich sollten die Präsidentschaftswahlen 2013 stattfinden. Salih hat angesichts der siebenwöchigen Proteste eine Volksabstimmung über eine Verfassungsänderung sowie Parlamentswahlen vorgeschlagen. Noch vor Ende des Jahres könnten dann Präsidentschaftswahlen abgehalten werden, hieß es in dem schriftlichen Vorschlag, der an die Opposition und den Militärvertreter Ali Mohsen gerichtet war. Mohsen hatte seine Unterstützung für die Oppositionellen bekundet, die den sofortigen Rücktritt Salihs fordert. Gestern hatte Salih angesichts einer drohenden Eskalation zunächst seinen Rückzug für 2012 angeboten. Die Opposition kündigte an, dass am Freitag die Demonstranten direkt zu Salihs Palast ziehen und den seit 32 Jahren regierenden Autokraten erneut zum Rücktritt auffordern würden. "Hunderttausende Menschen kommen zu dir und werden dich stürzen", sagte ein Oppositionssprecher zu al-Dschasira und wandte sich damit an den Präsidenten. Die Nachfolge Salihs ist nicht geklärt. Westliche Nationen sind besorgt, dass das Land auseinanderfallen könnte. Das Extremistennetz al-Qaida hat versucht, vom Jemen aus Anschläge im Nachbarland Saudi-Arabien und den USA zu verüben. Das verarmte Land liegt auch an wichtigen Schifffahrtsstraßen.

14:43 Uhr

Ein Arzt im Hospital von Misrata schildert BBC die Lage in der Stadt. Demnach wurden die Panzer oder gepanzerten Fahrzeuge der Gaddafi-Truppen bei Luftangriffen zerstört. Allerdings sei das Krankenhaus von Heckenschützen umzingelt, die auf jeden schießen, der das Gebäude betreten oder verlassen will. Bislang gebe es vier tote Zivilisten. Das Krankenhaus sei überbelegt, Verletzte werden auf den Fluren behandelt. Gezählt würden nur noch die Toten.

14:37 Uhr

Aufständische vor Adschdabija berichten von Kämpfen mit elf Panzern oder gepanzerten Fahrzeugen vor der Stadt. "Als wir uns näherten, feuerten sie mit schweren Waffen auf uns", sagten sie AFP. "Wir haben nur Kalaschnikows."

14:04 Uhr

Großbritanniens Premier David Cameron erklärt, es sei nicht möglich gewesen, in der arabischen Welt so viel Unterstützung für die Angriffe einzuholen, wie gewünscht, weil es am Samstag hatte schnell gehen müssen. Aber er "glaube, die Unterstützung für die Maßnahmen, die in Libyen Leben retten sollen, ist in der arabischen Welt sehr groß, nicht nur unter den Regierenden, sondern auch unter den Menschen".

13:55 Uhr

Seit Dienstagmittag hat die internationale Allianz gegen Gaddafi 97 Lufteinsätze gegen Ziele in dem Land geflogen. Dabei seien Kommandozentralen, Luftabwehrstellungen und Panzer attackiert worden, sagte ein Sprecher der US-Marine an Bord des Kommandoschiffes "USS Mount Whitney". Die Luftangriffe würden derzeit fortgesetzt. In den vergangenen 24 Stunden seien aber keine Marschflugkörper abgefeuert worden. Seit dem Beginn des Einsatzes am Samstag bis zum Dienstag waren von Schiffen und U-Booten der britischen und US-Marine 162 Tomahawk-Marschflugkörper abgefeuert worden, davon allein am Samstag 112.

13:52 Uhr

Die Luftangriffe bei Misrata haben Augenzeugen zufolge einen Luftwaffenstützpunkt der Gaddafi-Anhänger getroffen. In der Stadt selbst hätten Scharfschützen zwei Menschen getötet. Es werde weiter geschossen. Anderen Quellen zufolge haben Scharfschützen bereits drei Menschen getötet und feuern auf die Eingänge des Krankenhauses.

13:44 Uhr

Die Türkei hat zur Durchsetzung des UN-Waffenembargos gegen Libyen ein U-Boot und fünf Kriegsschiffe angeboten, berichtet Reuters. Deutschland zieht dagegen zwei Fregatten und zwei weitere Boote der Deutschen Marine mit insgesamt rund 550 Soldaten aus Nato-Einsätzen im Mittelmeer zurück. Die Bundesregierung hat eine Beteiligung der Bundeswehr an Militäreinsätzen gegen Libyen ausgeschlossen.

13:42 Uhr

Die Europäische Union weitet die Sanktionen gegen Libyen erneut aus. Damit werden unter anderem die von den Vereinten Nationen beschlossenen Strafmaßnahmen umgesetzt, teilte die ungarische EU-Ratspräsidentschaft mit. Die EU-Regierungen haben unter anderem ein Flugverbot für sämtliche Flugzeuge aus Libyen verhängt. Zudem sind offiziell alle Flüge untersagt, mit denen Waffen oder Söldner nach Libyen transportiert werden könnten. Die Guthaben der staatlichen libyschen Ölgesellschaft wurden eingefroren. Ergänzend zu den UN-Sanktionen wurden auch die Vermögen der Tochterfirmen des staatlichen Ölkonzerns gesperrt. Die EU hat nunmehr Einreiseverbote gegen 21 Führungspersonen des Regimes in Tripolis verhängt. Die Vermögen von 15 Unternehmen sowie zehn Personen wurden eingefroren.

13:40 Uhr

Die Vereinten Nationen sorgen sich zunehmend über die Lage der Zivilbevölkerung in Libyen. Rashid Kalikow, Koordinator der humanitären Hilfe für Libyen, sagte nach einem Besuch in der westlibyschen Stadt Zawia, dort gebe es schwere Zerstörungen. Obwohl die Situation äußerlich ruhig erscheine, würden libysche Regierungstruppen weiterhin gegen die Stadt vorrücken. Berichte, denen zufolge Zivilisten von den Truppen des Machthabers als menschliche Schutzschilde benutzt worden sind, konnte er nicht bestätigen. Ein solches Vorgehen sei in jedem Fall nach internationalem Recht inakzeptabel.

13:32 Uhr

Frankreich lehnt im Streit um die Einsatzführung der internationalen Koalition in Libyen eine politische Führungsrolle der Nato offenbar weiterhin ab. Das Bündnis diene der Koalition "als Planungswerkzeug" und zur Einsatzführung, sagte der französische Außenminister Alain Juppé in Paris. "Sie wird nicht die politische Führung ausüben." Diese übernehme ein Ausschuss auf Außenministerebene, den Frankreich gestern angeregt hat und dem sich auch Staaten der Arabischen Liga anschließen sollten, sagte Juppé. Die Vereinigten Staaten, Frankreich und Großbritannien haben sich am Dienstagabend in der umstrittenen Kommando-Frage angeblich verständigt, das Ergebnis stellten sie aber sehr unterschiedlich dar. Während das Weiße Haus mitteilte, dem Bündnis komme "eine Schlüsselrolle" bei der Einsatzführung zu, erklärte das französische Präsidialbüro, US-Präsident Barack Obama und Staatschef Nicolas Sarkozy hätten sich am Telefon geeinigt, wie die "Strukturen des Nato-Kommandos zur Unterstützung der Koalition" angewandt werden sollten.

13:27 Uhr

Wie angekündigt hat die Nato mit der Durchsetzung des UN-Waffenembargos gegen Libyen begonnen. Das Bündnis hat in Brüssel mitgeteilt, dass nun Kriegsschiffe vor der libyschen Küste patrouillieren. Für die Operation seien zwei routinemäßig im Mittelmeer operierende Nato-Schiffsverbände abgestellt worden, hieß es. Problematisch ist allerdings, dass die Überwachung auf die Küste beschränkt ist - die Grenzen zu den Nachbarn Libyens lassen sich kaum kontrollieren.

13:18 Uhr

Jemens Parlament hat den von Präsident Ali Abdullah Salih verhängten Ausnahmezustand bestätigt. Die Abgeordneten der Regierungspartei Allgemeiner Volkskongress haben geschlossen für die Maßnahme gestimmt. Damit sind für 30 Tage die Verfassung ausgesetzt und Kundgebungen verboten. Die Behörden können Verhaftungen ohne die üblichen Einschränkungen vornehmen und die Medien zensieren. Salih sieht sich derzeit einer Massenbewegung seiner Bürger gegenüber, die seinen sofortigen Rücktritt verlangen. Am Freitag hatten Scharfschützen des Regimes 53 Demonstranten getötet. Salih hatte daraufhin den Ausnahmezustand verhängt.

13:15 Uhr

Kuwait und Jordanien sind bereit, den Libyen-Einsatz der westlichen Allianz logistisch zu unterstützen. Das habe der britische Premierminister David Cameron erklärt, berichtet Reuters.

12:51 Uhr

Der türkische Präsident Abdullah Gül hat Muammar al-Gaddafi aufgerufen, mit einem Rücktritt ein weiteres Blutvergießen in seinem Land zu verhindern. "Die Mächtigen in Libyen müssen umgehend abtreten, um eine Plünderung durch andere abzuwenden", sagte Gül mit Blick auf die Bodenschätze in Libyen. Sein Land wolle eine friedliche Lösung für die Konflikte in der arabischen Welt. Die türkische Führung hat wiederholt die Motivation Frankreichs für die Luftangriffe auf Libyen infrage gestellt.

12:43 Uhr

Der Nationalrat der Rebellen ernennt nach einem Bericht des Fernsehsenders al-Dschasira Mahmud Dschabril zum Chef einer Übergangsregierung. Der Reformer, der sich bereits in der Vergangenheit um die Einführung der Demokratie in Libyen bemüht hat, solle zudem Minister benennen.

12:25 Uhr

Drei Viertel der ursprünglich 140.000 Einwohner der umkämpften Stadt Adschdabija sind inzwischen nicht mehr dort, berichtet ein Reporter der britischen Zeitung "Independent". "Alle Geschäfte sind zu, es gibt fast keine Nahrungsmittel, und kein Wasser und Strom mehr", erklärt er der BBC. Gaddafi-Truppen kontrollieren demnach die Umgebung der Stadt, der Ort selbst dagegen wird von niemanden wirklich kontrolliert. Auch in Misrata gibt es den UN zufolge offenbar kein Wasser und keinen Strom mehr.

12:12 Uhr

Al-Dschasira berichtet von einem Luftangriff der westlichen Allianz auf Gaddafi-Truppen im Osten der Stadt Adschdabija.

12:10 Uhr

Das Parlament im Jemen hat für 30 Tage ein Notstandsgesetz verhängt. Es gibt den Sicherheitskräften weitreichende Befugnisse. Sie können Verdächtige festnehmen und unbegrenzt festhalten. Außerdem ist die Verfassung außer Kraft gesetzt. Die Medien können zensiert werden, Demonstrationen sind verboten. Im Süden des Landes hat die Armee angeblich mindestens zwölf al-Qaida-Kämpfer getötet. Fünf weitere wurden in der al-Qaida-Hochburg Lawdar verletzt, berichtet die Webseite "yobserver" unter Berufung auf Sicherheitskreise. Al-Qaida-Kämpfer hatten gestern einen Armeestützpunkt mit schweren Maschinengewehren, Mörsern, Panzerfäusten und Handgranaten angegriffen, aber nicht eingenommen, berichtet dpa.

12:08 Uhr

Ein Augenzeuge beschreibt die Kämpfe zwischen schlecht ausgerüsteten Rebellen und Regierungssoldaten in Misrata laut "Guardian"mit den Worten: "Das ist keine Schlacht, das ist ein Massaker."

12:04 Uhr

Nach Informationen der BBC sind weitere Kampfflugzeuge der britischen RAF von Italien aus nach Libyen gestartet.

11:48 Uhr

Auch Stellungen von Gaddafi-Truppen bei Misrata im Osten von Tripolis waren offenbar Ziel von Luftangriffen der Allianz, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Die Flugzeuge warfen demnach zweimal Bomben ab. Seitdem schweige die Artillerie der Regierungssoldaten. Ein Reporter des arabischen Senders al-Dschasira berichtet, dass dort bei nächtlichen Angriffen der Soldaten 14 Menschen getötet und 23 verletzt wurden. Gaddafi-treue Soldaten kontrollieren angeblich das Krankenhaus der Stadt, die Rebellen den Hafen. Die Aufständischen bitten die westliche Militärallianz, ein Lazarettschiff zu schicken, da die Bewohner der Stadt nicht mehr wissen, wohin sie die Verletzten bringen sollen.

11:43 Uhr

Die internationale Allianz hat zwei Militärstützpunkte im Osten der Hauptstadt Tripolis angegriffen. Augenzeugen berichten von Luftabwehrfeuer. Getroffen wurden ihren Angaben zufolge die Stellungen der Luftabwehr in Ain Zara sowie ein Militärgelände im Viertel Al-Usta Milad. Neben diesem Militärgelände sei auch das Haus einer Familie getroffen worden. Mehrere Familienmitglieder seien ums Leben gekommen, sagte einer der Anwohner.

10:40 Uhr

Angeblich zeichnet sich eine Übereinkunft darüber ab, welche Rolle die Nato für Militäreinsätze gegen Libyens Diktator Gaddafi übernehmen soll. Bislang wird der Einsatz hauptsächlich von den USA, Großbritannien und Frankreich bestritten. Die Amerikaner wollen allerdings keine Führungsrolle mehr und die Türkei kritisiert das bisherige Vorgehen der westlichen Allianz. Wie die britische Zeitung "Guardian" berichtet, haben sich Briten, Franzosen und Amerikaner darauf darauf geeinigt, dass das Verteidigungsbündnis Nato die Verantwortung dafür übernehmen soll, die Flugverbotszone durchzusetzen. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es noch nicht. Eine solche Entscheidung wäre ein Rückschlag für Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, der eine Führungsrolle seines Landes bevorzugt hätte.

10:36 Uhr

Kriegsschiffe der westlichen Allianz werden noch heute damit beginnen, die Küste vor Libyen zu überwachen, um das UN-Waffenembargo gegen das nordafrikanische Land durchzusetzen. Das teilten Vertreter des Bündnisses in Brüssel mit. Für die Operation werden zwei routinemäßig im Mittelmeer operierende Nato-Schiffsverbände abgestellt, die jeweils aus zwei Fregatten, sechs Minensuchern und einem Versorger bestehen. Die Verbände werden vom regionalen Nato-Hauptquartier in Neapel aus befehligt.

10:12 Uhr

Das Bundeskabinett hat entschieden, den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr auszuweiten. Um die Bündnispartner der Nato, die an Militäraktionen in Libyen beteiligt sind, zu entlasten, sollen bis zu 300 Soldaten für Awacs-Aufklärungsflüge zur Verfügung gestellt werden. Die 60 bis 70 Soldaten, die bisher in Awacs-Maschinen der Nato den Luftraum über dem Mittelmeer überwachten, werden abgezogen. Der Bundestag muss der Ausweitung des Afghanistan-Einsatzes noch zustimmen. Die erste Beratung findet bereits am heutigen Nachmittag statt, die Abstimmung ist für Freitag vorgesehen. Insgesamt werden künftig bis zu 5300 deutsche Soldaten in Afghanistan eingesetzt, mehr als je zuvor seit Beginn des Einsatzes 2001. Bei ihren Plänen für einen Abzug aus Afghanistan ab Ende des Jahres will die deutsche Regierung trotzdem bleiben.

09:25 Uhr

Nun hat auch Schweden Vermögenswerte des libyschen Regimes von Muammar al-Gaddafi eingefroren - und zwar in Höhe von rund zehn Milliarden Kronen (1,3 Milliarden Euro). Ein Sprecher der Finanzaufsicht erklärte, möglicherweise sei noch mehr Geld des libyschen Regimes in Schweden versteckt. Die Finanzaufsicht hatte die schwedischen Unternehmen aufgefordert, ab dem 2. März alle finanziellen Verbindungen nach Libyen zu melden.

09:20 Uhr

Die Kämpfe um die Stadt Adschdabija zwischen Sirte und Bengasi gehen weiter. Für die westliche Allianz ist es dort problematisch, zwischen Truppen des Diktators und Aufständischen zu unterscheiden, stellt der BBC-Reporter Ian Pannell fest. Aus Bengasi berichtet der britische Sender, dass immer wieder Freiwillige in Richtung Adschdabija aufbrechen. Sie sind jedoch schlecht ausgerüstet und kommen nur langsam vorwärts.

08:49 Uhr

FDP-Generalsekretär Christian Lindner hat sich für ein schnelles Öl-Embargo gegen Libyen ausgesprochen, um den Sturz des Gaddafi-Regimes zu beschleunigen. Zugleich bekräftigte er die skeptische Haltung gegenüber dem internationalen Militäreinsatz, über dessen Ziele unter den Beteiligten keine Einigkeit herrsche. "Gegen einen Militärschlag zu sein, bedeutet nicht, für das Regime zu sein", sagte er. Politik, Diplomatie und Sanktionen seien wichtiger.

08:35 Uhr

US-Präsident Barack Obama hat seine Lateinamerikareise wegen des Kriegs in Libyen vorzeitig beendet. Ein für Mittwoch geplanter Besuch von Maya-Ruinen in Mittelamerika wurde gestrichen. Obama war bei der amerikanischen Öffentlichkeit in die Kritik geraten, weil er seine Auftritte in den vergangenen Tagen den Treffen mit politischen Führern Lateinamerikas gewidmet hatte, anstatt sich mit den Kampfeinsätzen der US-Piloten zu befassen.

08:13 Uhr

Verteidigungsminister Thomas de Maizière verteidigt die skeptische Position Deutschlands zum internationalen Libyen-Militäreinsatz: Der nun gestartete Abzug deutscher Soldaten aus der Mittelmeer-Region sei gerechtfertigt, denn Deutschland wolle sich militärisch nicht beteiligen, sagt der CDU-Politiker im Deutschlandfunk. Die Bundesregierung habe weiter "berechtigte Zweifel" am Sinn der Luftangriffe auf die libyschen Streitkräfte.

07:50 Uhr

Die Niederlande unterstützen das Eingreifen der Nato in den Libyen-Konflikt mit sechs F-16-Kampfflugzeugen. Zur Durchsetzung eines Waffenembargos gegen das Gaddafi-Regime schickt Den Haag zudem ein Tankflugzeug sowie ein Minensuchboot in die Mittelmeer-Region, teilt Ministerpräsident Mark Rutte nach einer Sondersitzung seines Kabinetts mit. Insgesamt sollen etwa 200 Angehörige von Luftwaffe und Marine der Niederlande an den Nato-Operationen teilnehmen.

06:24 Uhr

Angesichts des Krieges in Libyen wollen die Grünen im Bundestag als Soforthilfe mindestens 1000 Flüchtlinge in Deutschland aufnehmen. Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte der integrationspolitische Sprecher der Grünen, Memet Kilic: "Es reicht nicht, wenn die Bundesregierung den Mut der Libyer lobt und Machthaber Gaddafi scharf verurteilt, sich ansonsten aber aus der Libyen-Krise heraushält." Nach der zögerlichen Haltung zur Flugverbotszone müsse die Regierung endlich Verantwortung für die Menschen in Libyen übernehmen. Auch die SPD plädiert für eine Aufnahme.

05:51 Uhr

Nach einer relativ ruhigen Nacht gab es am Mittwochmorgen offensichtlich neue Angriffe auf Tripolis durch die internationale Allianz zur Durchsetzung der UN-Resolution. Wie ein Korrespondent des US-Senders CNN berichtete, waren mehrere sehr schwere Explosionen zu hören. Allerdings habe es anschließend kein Luftabwehrfeuer gegeben. Unklar war auch, wo genau sich die Explosionen ereigneten.

04:15 Uhr

Der Sender al-Dschasira berichtet, dass es in Tripolis mittlerweile relativ ruhig sei und dass nun offenbar keine Luftangriffe mehr geflogen werden.

04:10 Uhr

CNN berichtet, dass die Bewohner von Misrata immer wieder die Straßen außerhalb der Stadt bevölkern würden, um sich ein Bild davon zu machen, welche Zerstörung die Luftangriffe anrichten würden. Das libysche Staatsfernsehen würde keine Bilder der Kämpfe zeigen, sondern eher Anhänger von Machthaber Gaddafi, die die grüne libysche Fahne schwenken. Der Sender Al Shababiya zeigt derzeit in der Tat Menschen, die für Gaddafi demonstrieren.