Kirche und Sexualität Der katholische Beigeschmack der Gewalt

Für die meisten Katholiken ist das kein großes Problem - sie entscheiden selber, was sie tun; sie haben dabei vielleicht ein schlechtes Gewissen. Viele hören aber mittlerweile einfach weg, wenn ihre Kirche redet - was auch wieder schade ist, denn vieles, was sie zum Verhältnis von Sexualität, Liebe und Menschlichkeit sagt, wäre in einer durchsexualisierten Gesellschaft hörenswert.

Für alle jedoch, die ein Amt oder einen Beruf in dieser Kirche haben, kann der Verstoß gegen die katholische Sittenlehre existentielle Folgen haben. Es wird entlassen, wer sich zu seiner Homosexualität bekennt, wer geschieden ist und wieder heiratet, wer unverheiratet mit einem Partner zusammenlebt. Hier kommt zur Sexualität die Macht, sie verbinden sich auf zerstörerische Weise.

Sex und Macht gehören nicht zusammen

Denn wenn sich Macht und Religion und Sexualität verbinden, muss geschwiegen, versteckt, verdrängt werden, dann entsteht ein Klima des Ungesagten und Unsagbaren, dann werden Menschen erpressbar - je näher sie an einer Schule, in einer Pfarrei, in einem Orden sind, umso eher. Auch das ist ein Grund, weshalb Missbrauch unentdeckt und ungeahndet bleibt. Dies ist der katholische Beigeschmack der Gewalttat. Er schmeckt furchtbar bitter.

Die katholische Kirche tut nun einiges, um Missbrauch zu verhindern, ihn aufzudecken, den Opfern zu helfen - spät, manchmal noch nicht konsequent genug, aber immerhin. Das eigentümlich katholische Verhältnis von Sexualität, Religion und Macht hat sie aber noch nicht im Blick - das ist ihr tief liegendes Problem.

Sexualität und Glaube gehören zusammen, weil Sexualität und Religion den Menschen im Tiefsten berühren. Sexualität und Macht - das gehört getrennt, strikt getrennt. Weil die katholische Kirche nur dann glaubwürdig vertreten kann, dass Eros und Liebe zusammengehören. Und weil der Schritt von der Macht zur Gewalt so klein ist.