Jugendarbeitslosigkeit Linke gegen Lehrstellen für Südeuropäer in Deutschland

Will zuerst deutsche Azubis fördern: Sahra Wagenknecht, stellvertretende Parteivorsitzende der Linkspartei.

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Im Süden Europas steigt die Jugendarbeitslosigkeit dramatisch. Politiker von FDP und CDU wollen Lehrlinge deshalb nach Deutschland einladen - die Linke bezeichnet das als "Ohrfeige" für Jugendliche hierzulande, die keine Stelle finden. Auch SPD und DGB warnen vor reiner Symbolpolitik.

Die Linkspartei lehnt angesichts der vielen jungen Arbeitslosen in Deutschland Vorschläge der Bundesregierung ab, Lehrstellen an Jugendliche aus Südeuropa zu vergeben. Bevor "Talente aus anderen Ländern" abgeworben würden, müsse eine Ausbildungsoffensive in Deutschland starten, sagte die Linken-Bundestagsabgeordnete Sahra Wagenknecht der Zeitung Die Welt.

Wagenknecht verwies auf interne Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, nach denen im Mai knapp eine Million Menschen zwischen 15 und 35 Jahren arbeitslos war. Die Hälfte von ihnen hatte keine abgeschlossene Berufsausbildung. Die Einladung von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) an junge Südeuropäer, in Deutschland eine Ausbildung zu beginnen, sei "eine Ohrfeige für Hunderttausende junge Menschen, die in Deutschland leben und von denen viele nie eine Chance bekommen haben", sagte Wagenknecht.

Rösler hatte junge Menschen in den Krisenstaaten in der Welt am Sonntag dazu aufgerufen, eine Berufsausbildung in Deutschland zu beginnnen: "Kommt nach Deutschland!" Er sagte: "Wir müssen deutlich machen, dass sie die Perspektive haben, als Fachkräfte zu bleiben - auch mit doppelter Staatsbürgerschaft."

"Geradezu ein Witz"

Auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen sprach sich dafür aus, Lehrlinge aus Südeuropa anzuwerben: "Im Süden suchen junge Menschen verzweifelt nach Arbeit, während in Deutschland viele Lehrstellen unbesetzt bleiben." Die CDU-Politikerin forderte zudem einen neuen Ausbildungspakt und weitere Milliardenhilfen. Bei Opposition und Gewerkschaften stieß sie damit auf Kritik. Die EU-Kommission forderte Unternehmen und Bürger in wohlhabenderen Staaten zu solidarischem Engagement auf.

Von der Leyen sagte dem Tagesspiegel am Sonntag, die sechs Milliarden Euro, mit denen die EU-Staaten in den nächsten zwei Jahren die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit angehen wollen, müssten aufgestockt werden. In diesem Jahr gebe es noch europäische Mittel in Höhe von 16 Milliarden Euro, die umgewidmet werden könnten. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sagte: "Das Sechs-Milliarden-Päckchen, das die EU bislang beschlossen hat, ist geradezu ein Witz, gegenüber dem gigantischen Problem der Jugendarbeitslosigkeit."

Baden-Württembergs Europaminister Peter Friedrich (SPD) hielt der Bundesregierung Symbolpolitik vor. "Offensichtlich von den sozialen Folgen der eigenen Europapolitik überrascht, sucht man nun nach zwei Jahren Ignoranz mit Hektik Schlagzeilen zur Jugendarbeitslosigkeit zu produzieren."