Friedliche Revolution aufbegehrender DDR-Bürger: Der Parole "keine Gewalt" konnte das Regime sich im Herbst 1989 nicht entziehen.
Heute vor zwanzig Jahren geschah das Wunder, dass die Mauer dem Druck der Massen nachgab und die eben noch so festgefügte Diktatur in der DDR vor ihren aufbegehrenden Bürgern zusammenbrach. Der Kern dieses Wunders liegt in der verblüffenden Gewaltlosigkeit, mit der eine kommunistische Diktatur seine Macht preisgab, deren Kennzeichen über vierzig Jahre hinweg die Bereitschaft zur rücksichtslosen Gewaltausübung gewesen war.
Unter dem Motto "Keine Gewalt" gingen am 4. November 1989 Hunderttausende in Ostberlin auf die Straße, um gegen das DDR-Regime zu protestieren. Fünf Tage später fiel die Mauer. (© Foto: dpa)
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Der unblutige Ausgang verdeckt, wie gewaltentschlossen in Wort und Tat der SED-Staat zunächst auf Bürgerbewegung, Massenflucht und Massendemonstrationen reagierte. Die brutale Härte der Sicherheitskräfte erlebten die Bürger, die sich am 4. Oktober am Dresdner Hauptbahnhof versammelt hatten, um die von Prag kommenden Züge voller Ausreisender zu sehen.
Sie traf die Demonstranten, die sich am 7. und 8. Oktober auf dem Alexanderplatz und vor dem Palast der Republik in Berlin versammelten, in dem das SED-Regime den vierzigsten Jahrestag der Republik feierte.
Aggressiver Kampfaufruf
Vor allem aber die Montagsdemonstration vom 9. Oktober in Leipzig mit ihren 70. 000 Teilnehmern hätte im Bürgerkrieg enden können. Am 8. Oktober hatte der genesene Honecker die Bezirkssekretäre der SED telegraphisch angewiesen, weitere Krawalle "von vornherein zu unterbinden", am selben Tag ordnete Mielke volle Dienstbereitschaft für alle MfS-Angehörigen an.
Zur Durchsetzung des Honecker-Befehls wurden für den 9. Oktober 8000 Einsatzkräfte zusammengezogen. Doch zugleich schloss das Regime es offenbar völlig aus, die Proteste mit Waffengewalt zu ersticken. Anfang Oktober erging strikter Befehl, dass die zur Niederschlagung innerer Unruhen gebildeten militärische Hundertschaften in Leipzig ohne Bewaffnung einzusetzen seien.
Selbst als Erich Mielke in der Politbürositzung am Tag nach der Leipziger Montagsdemonstration vom 9. Oktober die Niederlage bilanzierte, schlug sein aggressiver Kampfaufruf unvermutet in einen Friedensappell um: "Machtfrage. Hauptangriff auf die Partei. Große Schärfe. Alle Kräfte mobilis(ieren), Feinde bekämpfen. Kirche tritt dem Staat offen entgegen. Keine Gewalt ist jetzt die Losung."
Die Lähmung, die da zum Ausdruck kommt, war keine Augenblicksschwäche. Eine Woche später, auf der Politbürositzung am 17. Oktober, als Willi Stoph die Ablösung von Honecker beantragte, erklärte Mielke: "Wir haben vieles mitgemacht. Wir können doch nicht anfangen, mit Panzern zu schießen."
Warum wies die SED-Führung in der größten Krise den Gedanken an eine militärische Sicherung der Macht von sich, die sie vierzig Jahre mit allen Mitteln verteidigt hatte? Warum war in diesem entscheidenden Moment "keine Gewalt" im innersten Zirkel des hochgerüsteten SED-Staates die Losung der Stunde?
Anders als 1953 hätten die militärischen Mittel des SED-Staates gereicht, auch noch so gewaltige Demonstrationszüge in noch so vielen Städten der DDR zu zerstreuen. Noch immer beschäftigte das MfS mehr Mitarbeiter, als die Leipziger Montagsdemonstration an Teilnehmern mobilisierte, noch immer beantragten 1989 dreimal so viele DDR-Bürger die Mitgliedschaft in der SED, als sich zu den Gruppen der Opposition bekannten.
Eine erste Erklärung bietet die innere Lähmung der SED-Führung während des krankheitsbedingten Ausfalls von Honecker im September 1989. Es fehlte der Mut zu einer offenen Grundsatzdiskussion. Nicht weniger entscheidend: Für den Reformflügel der SED-Führung, der auf die Entmachtung Honeckers hinarbeitete, bildete der Gewaltverzicht die unerlässliche Bedingung der Palastrevolution. Jede Eskalation hätte einen friedlichen Kurs- und Personalwechsel unmöglich gemacht, er hätte die Macht der Hardliner gerettet, wie 35 Jahre zuvor die Entmachtung Ulbrichts durch den Juniaufstand von 1953 verhindert wurde.
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Warum liess er die Panzer nicht rollen ,ist hier die Frage. Die einen hatten keinen Diesel und bei den anderen wusste der Erich nicht in welche Richtung sie fahren wuerden. Alles klar,oder ?
Ich bin bei keiner Partei Mitglied, habe aber die DDR persönlich erlebt und in ihr gelebt.
Ihre Meinung, die DDR sei eine von vielen anderen Diktaturen gewesen, teile ich nicht.
Ich weiß zwar, daß die BRD mit vielen Diktaturen enge Beziehungen und auch diplomatische Beziehungen hatte, aber in die blutige Reihe mit Chile nach dem Militärputsch kann man die DDR nicht stellen. Wenn Sie der Meinung sind, mein Kommentar sei nicht mehr von der Meinungsfreiheit gedeckt, steht es Ihnen frei eine Anzeige zu erstatten. Ich kann meine genannten Aussagen mit Fakten belegen. Ich kann Ihnen empfehlen mal mit Zeugen zu sprechen, die Geschädigte beim Polizeieinsatz in Wackersdorf waren oder um Einsicht der Einsatzvideos der Bayrischen Polizei zu bitten. Aber wenn es mit dem Demokratieabbau weiter gehen soll, bekommt vielleicht jeder, der anders als Sie denkt einen Maulkorb oder ein Gerichtsverfahren.
Lassen Sie mich raten: Sie sind Mitglied der ach so avantgardistischen Linkspartei!
Zu Ihrem Kommentar nur eines: wenn es irgend jemand in den Sinne käme, eine andere vergangene Diktatur in Deutschland so zu verherrlichen, würde sein Kommentar nicht nur sofort gesperrt, sondern er würde auch einer Anzeige wegen Volksverhetzung riskieren -- und das zu Recht!
Ihr Beitrag ist als Witz gemeint, oder?
hier ja wohl im falschen Film zu sein. Ist das hier die bürgerlich-liberale Süddeutsche Zeitung oder das "Neue Deutschland"? "Die DDR ist durch ihren Humanismus zu Grunde gegangen"... oder bewerben Sie sich für irgendeinen Satire-Preis ?
Paging