Guttenberg: Diskussion um Adelstitel Endlich österreichische Verhältnisse

Karl-Theodor zu Guttenberg inszeniert sich als Anti-Politiker aus Adelsständen - Katja Kipping regt das auf. Die Linken-Politikerin fordert eine Abschaffung der Adelstitel, die "vordemokratische Sehnsüchte" bedienen.

Von D. Brössler

Strenggenommen trägt der Bundesverteidigungsminister nur einen besonders ausführlichen Namen. Einen Namen aber, der deutlich länger ist als seine Amtsbezeichnung, der neun Vornamen enthält und den Titel Freiherr einschließt.

Der smarte Freiherr: Karl-Theodor zu Guttenberg inszeniert sich geschickt als Freigeist, der außerhalb des politischen Establishments steht. Er bediene damit Sehnsüchte, die vordemokratisch seien, findet die Linken-Politikerin Katja Kipping.

(Foto: dapd)

Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat - beabsichtigt oder nicht - den alten Adel in Berlin wieder ins Gespräch gebracht. Das angebliche Comeback des Adels beschäftigt mittlerweile Talkshows - und beunruhigt die Linkspartei. 'Adelstitel sind in einer Demokratie überflüssig', meint die Vize-Vorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping.

Die Bundestagsabgeordnete verweist dabei ausdrücklich auf das Beispiel des Verteidigungsministers. 'Guttenberg versucht sich als jemand darzustellen, der anders ist als das politische Establishment', moniert sie. Er operiere dabei geschickt mit Bildern, sei es am Times Square in New York oder an der Seite seiner Gattin bei der Bundeswehr in Afghanistan.

Der CSU-Politiker knüpfe dabei 'an die Unzufriedenheit mit der real existierenden Demokratie' an und spiele 'mit dem Bedürfnis nach einem aristokratischem Führungsstil'. Kipping geht davon aus, dass es dieses Bedürfnis in Teilen der Gesellschaft gibt, warnt aber: 'Diese Sehnsucht ist vordemokratisch.'

Die "gewisse Prägung"

Ärgerlich findet es die Linken-Politikerin, wenn Adelige sich als bessere Menschen präsentieren. In einem Interview mit dem Magazin der Süddeutschen Zeitung hatte jüngst etwa der erfolgreiche Filmregisseur Florian Henckel zu Donnersmarck von einer 'gewissen Prägung' und einem 'Gefühl von Pflicht gegenüber der Gesellschaft und dem Land' gesprochen, die den Adel im besten Fall ausmache.

Auch im Widerstand gegen Adolf Hitler habe es 'überproportional viele Adelige' gegeben. 'Das ist einfach falsch', entgegnet Kipping und verweist auf den hohen Anteil von Kommunisten und Sozialdemokraten am Widerstand.

Gegen die Adelsromantik schlägt die Abgeordnete drastische Mittel vor. 'In Österreich hat man 1919 die Adelstitel abgeschafft. Es ist an der Zeit, dass wir das auch in Deutschland tun', fordert sie.

Anders als die Weimarer Republik hatte Österreich nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Monarchie in einem 'Adelsaufhebungsgesetz' die aristokratischen Titel auch als Namensbestandteile abgeschafft. Sie dürfen seitdem nicht mehr geführt werden. 'Wir brauchen', sagt die Linke Kipping, 'endlich österreichische Verhältnisse.'