Guttenberg bei "Kerner" in Afghanistan Talkshow auf Steuerzahlerkosten

Als hätte er nicht schon genug Probleme am Hals, holt Verteidigungsminister Guttenberg einmal mehr die Vergangenheit ein: Die umstrittene "Kerner"-Show aus Afghanistan soll teilweise aus Steuermitteln bezahlt worden sein.

Ob die Geschehnisse auf dem Segelschulschiff Gorch Fock nach dem tödlichen Unfall einer Kadettin im November vergangenen Jahres oder der Tod eines Bundeswehrsoldaten in Afghanistan im Dezember - Karl-Theodor zu Guttenberg muss sich und sein Ressort derzeit gleich an mehreren Fronten verteidigen.

Nun droht die Vergangenheit den Verteidigunsminister einmal mehr einzuholen: Nach einem Medienbericht wurde die im Dezember in Afghanistan aufgezeichnete Talk-Show von Johannes B. Kerner, in der der CSU-Politiker aufgetreten war, teilweise mit Steuergeldern bezahlt.

"Eine Maßnahme der Informationsarbeit"

Der medienwirksame Besuch des Ministers nebst Gattin am Hindukusch vor Weihnachten war von der Opposition scharf kritisiert worden. Als "Staatsschauspieler" bezeichnete SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles Guttenberg. Und Grünen-Chefin Claudia Roth warf dem fotogenen Freiherrn vor, die Reise "für plumpe Eigen-PR" zu nutzen.

Zur Besänftigung der Kritiker versicherte das Verteidigungsministerium damals eiligst, Stephanie zu Guttenberg habe ihre Anreise nach Afghanistan aus eigener Tasche gezahlt. Für den "Hofberichterstatter" Kerner, wie Roth den TV-Moderator im Hamburger Abendblatt betitelte, galt das wohl nicht uneingeschränkt.

Mit etwa 17.000 Euro habe sich Guttenbergs Ministerium am Hindukusch-TV beteiligt, berichtet der Kölner Express unter Berufung auf einen Ressortsprecher. "Etwa 12.000 Euro waren Transportkosten", sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums dem Blatt. Die Bundeswehr habe die Kosten für zwei der insgesamt 5,78 Tonnen Material übernommen. Hinzu gekommen seien Kosten für die Unterbringung in Wohncontainern, für die Verpflegung in der Lagerkantine sowie für Personal, das beim Auf- und Abbau geholfen habe. Teams des Sat.1-Moderators waren zur Vorbereitung der umstrittenen Talk-Show mehrfach nach Afghanistan gereist.

Die Arbeit des Produktionsteams und die Aufzeichnung des Gesprächs mit Soldaten und Minister zu Guttenberg seien "eine Maßnahme der Informationsarbeit im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung", hatte das Ministerium im Dezember argumentiert.

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