Gewinner und VerliererWer was wird - und wer nicht

Nach der Wahl ist vor der neuen Amtsperiode. Die turbulenten Tage nach der Wahl haben einigen Politikern geschadet - und manchen genutzt.

Neben-Bundespräsident

In Deutschland gibt es keine offiziell festgelegte Rangordnung der Chefs der Verfassungsorgane. In der Staatspraxis folgt auf den Bundespräsidenten aber der Bundestagspräsident. Die Kanzlerin und die Bundesratspräsidentin rangieren erst auf den Plätzen drei und vier. Insofern steht Wolfgang Schäuble jetzt vor dem Aufstieg zum zweiten Mann im Staat. Der Christdemokrat soll zum Präsidenten des neuen Bundestags gewählt werden. Schäuble hätte sich zwar auch vorstellen können, Finanzminister zu bleiben. Er liebt es, Politik kraftvoll zu gestalten. Dafür hat die neue Aufgabe andere Vorzüge. Dass Schäuble künftig formal über der Kanzlerin steht, wird ihm - trotz mancher Differenzen mit Angela Merkel - ziemlich egal sein. Interessanter dürfte der Vergleich mit der Nummer eins werden. Frank-Walter Steinmeier ist als Bundespräsident bisher nicht sonderlich aufgefallen. Norbert Lammert, der bisherige Parlamentspräsident, ist deshalb bereits als eine Art Ersatz-Steinmeier wahrgenommen worden. Diese Rolle dürfte auch Schäuble gefallen. Statt Bundespräsident wäre er am Ende seiner einzigartigen Laufbahn dann wenigstens Neben-Bundespräsident. Von Robert Roßmann

Bild: Reuters 2. Oktober 2017, 18:392017-10-02 18:39:21 © SZ.de/