Gedenken an Warschauer Aufstand vor 70 Jahren Ganz Polen steht still

Gedenken an den Warschauer Aufstand: General Zbigniew Scibor-Rylski salutiert während einer Zeremonie in Warschau

(Foto: dpa)

Polen gedenkt des Aufstands der Untergrundarmee Armia Krajowa: 1944 schlugen die Deutschen den Protest nach 63 Tagen grausam nieder. Nun sollen besonders junge Polen in die Feierlichkeiten eingebunden werden.

Von Klaus Brill, Warschau

Auf allen Kanälen soll Funkstille herrschen, 70 Sekunden lang. Eine Sekunde für jedes Jahr, das vergangen ist seit dem 1. August 1944. An diesem Tag begann um 17 Uhr in Warschau ein Aufstand der polnischen Untergrundarmee Armia Krajowa ("Heimatarmee") gegen die deutschen Besatzer, der 63 Tage dauerte und dann grausam niedergeschlagen wurde. An diesem Freitag um 17 Uhr wollen nun alle großen Rundfunk- und Fernsehstationen Polens ihre Sendungen unterbrechen. Im ganzen Land werden zur selben Zeit die Sirenen heulen, die Autos anhalten und die Menschen auf den Straßen stehen bleiben.

Im nationalen Selbstverständnis nimmt der Aufstand einen hohen Stellenwert ein. Der heldenhafte, jedoch vergebliche Kampf gegen Adolf Hitlers Wehrmacht und SS wird von der Mehrheit der Bevölkerung laut Meinungsumfragen als die wichtigste all jener Erhebungen betrachtet, die todesmutige Patrioten seit 1794 immer wieder gegen deutsche, russische oder österreichische Besatzer angezettelt haben. Schon seit Jahren wird dieses historischen Ereignisses offiziell gedacht, in diesem Jahr geschieht dies besonders intensiv und umfassender als je zuvor, die Sendepause beispielsweise ist ein Novum.

Die Warschauer errichteten Straßensperren und erhoben sich gegen die Besatzer. 63 Tage lang dauerten die blutigen Kämpfe.

(Foto: Nowak/KNA)

Hinzu kommen zahllose Veranstaltungen im ganzen Land, die sich vor allem an junge Menschen richten, beispielsweise Konzerte, Filmvorführungen, Theaterabende, Vorträge und Gedenkfeiern. Es begann am vorigen Wochenende mit einem Langstreckenlauf über fünf beziehungsweise zehn Kilometer, an dem sich mehr als 10.000 Menschen beteiligten.

200.000 Zivilisten unter den Opfern

Ebenso viele, unter ihnen Staatspräsident Bronisław Komorowski und andere hohe Politiker, waren am Mittwochabend im neuen Nationalstadion in Warschau bei der Premiere eines neuen, spektakulären Spielfilms zugegen, der den Titel Miasto '44 (Die Stadt '44) trägt. Nach Aussagen von Zeitzeugen schildert das Werk, beileibe nicht das erste seiner Art, besonders eindrücklich und wirklichkeitsnah die Geschehnisse in jenen 63 Tagen vom 1. August bis zum 2. Oktober 1944, in denen die Deutschen etwa 15.000 Kämpfer der Heimatarmee und 150.000 bis 200.000 Zivilisten umbrachten.

Der Überfall

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