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Einmarsch der Deutschen:Hitlers Griff nach Prag

Schritt für Schritt zerstörte Adolf Hitler die Tschechoslowakei. Am 15. März 1939 besetzte die Wehrmacht die "Rest-Tschechei" und eine Zeit des Schreckens brach an. Bilder von Einmarsch und Besatzungszeit.

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Besetzung des Sudetenlands in der Tschechoslowakei, 1938

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Schritt für Schritt zerstörte Adolf Hitler die Tschechoslowakei. Am 15. März 1939 besetzte die Wehrmacht die "Rest-Tschechei" - von da an brach eine Zeit des Schreckens los. Bilder von Einmarsch und Besatzungszeit.

Mit dem Münchner Abkommen 1938 endete die territoriale Unversehrtheit der multikulturellen Tschechoslowakei. Großbritannien und Frankreich verständigten sich mit Italiens Diktator Benito Mussolini und dem deutschen Tyrannen Adolf Hitler darauf, dass die deutschsprachigen Gebiete der Tschechoslowakei an das NS-Reich angegliedert werden. Später besetzten auch Polen und Ungarn Regionen der geschwächten Republik.

Im Bild: Deutsche Soldaten beim Überschreiten der ehemaligen deutsch-tschechoslowakischen Grenze an der Straße Kalkau-Weidenau im Herbst 1938.

Adolf Hitler und Emil Hacha in Prag, 1939

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Im März 1939 forcierte Hitler die Vernichtung des tschechoslowakischen Staates. Er brachte den Berlin zugeneigten slowakischen Anführer dazu, die Unabhängigkeit der Slowakei zu proklamieren. Danach bestellte der Diktator den tschechischen Staatspräsidenten Emil Hacha nach Berlin ein und drohte mit der Bombardierung Prags.

Hacha gab nach und wies die tschechischen Dienststellen an, den deutschen Einmarsch nicht aufzuhalten.

Im Bild: Adolf Hitler und Emil Hacha in Prag nach dem Einmarsch.

Tschechische Bürger protestieren gegen den deutschen Einmarsch, 1939

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Am Morgen des 15. März 1939 marschierten deutsche Soldaten ein, bald waren sie in Prag - Hitlers "Zerschlagung der Rest-Tschechei" verlief ohne Gegenwehr. Die Bevölkerung nahm die Invasion wütend und ohnmächtig hin.

Im Bild: Eine Kette Prager Polizisten trennt aufgebrachte Tschechen von einrückenden Truppen der Wehrmacht.

Adolf Hitler auf dem Hradschin in Prag, 1939

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Am Abend kam Hitler in Prag an. Später verkündete er, dass der tschechoslowakische Staat aufgehört habe zu existieren.

Im Bild: Adolf Hitler am Fenster des Hradschin, der Prager Burg.

Deutsche Parade in Prag, 1939

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Die Besetzung war ein Bruch des Münchner Abkommens. Die Westmächte Frankreich und Großbritannien sahen ein, dass ihre Appeasementpolitik, mit der sie Hitler beschwichtigen und einen Krieg verhindern wollten, gescheitert war.

Im Bild: Deutsche Parade auf dem Prager Wenzelsplatz zwei Tage nach Beginn der Invasion.

Deutsche Truppen in Prag, 1939

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Neben dem diplomatischen Protest gaben London und Paris eine Garatieerklärung für Polen ab. Wenige Monate später wurde diese Zusicherung wirksam. Nachdem die Wehrmacht am 1. September 1939 Polen überfallen hatte, erklärten Großbritannien und Frankreich dem Nazi-Reich den Krieg.

Im Bild: Leichte Flak-Batterie der Wehrmacht oberhalb der Prager Altstadt.

Parade deutscher Truppen inn Prag, 1939

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Nach dem Einmarsch wandelten die Deutschen die Tschechische Republik in das sogenannte "Reichsprotektorat Böhmen und Mähren" um. Ein deutscher Statthalter konnte schalten und walten, unter ihm durfte eine tschechische Marionettenregierung agieren.

Im Bild: Deutsche Soldaten paradieren durch Prag am "Tag der Wehrmacht".

Juden auf der Flucht aus der Tschechoslowakei, 1939

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Unmittelbar nach der Invasion begann die Verfolgung von politischen Gegnern und Juden durch Gestapo und Sicherheitsdienst (SD). Tausende Menschen wurden festgenommen. In den Besatzungsjahren folgten mehrere Verhaftungswellen.

Im Bild: Jüdische Bürger warten 1939 auf ihre Ausreise aus der Tschechoslowakei.

Stahlindustrie in der Tschechoslowakei, 1941

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Für Hitlers Regime war Tschechien noch aus einem anderen Grund wichtig: Die Schwerindustrie machte das Protektorat zur "Rüstkammer des Reiches" für den geplanten Krieg.

Im Bild: Arbeiter an einer Schmiedepresse in einem tschechischen Eisenwerk 1941.

Konzentrationslager Theresienstadt KZ Scherl / SZ Photo

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Wie überall im Herrschaftsbereich der deutschen Diktatur wurden Juden zunächst diskriminiert, entrechtet und anschließend in Konzentrationslager deportiert. Nördlich von Prag entstand das KZ Theresienstadt - ein Vorzeigelager, in dem die Nazis internationalen Besuchern die Illusion vorgaukelten, dass es den deportierten Juden gut gehe. Tatsächlich starben auch in Theresienstadt Tausende, andere wurden in Vernichtungslager wie Auschwitz "evakuiert".

Im Bild: Eingang zum Konzentrationslager Theresienstadt. Über dem Torbogen steht der zynische Spruch "Arbeit macht frei".

Leichen bei Lidice nach  Attentat auf Reinhard Heydrich, 1942

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Nach dem Attentat auf den Reichsprotektor Reinhard Heydrich 1942 durch tschechische Widerstandskämpfer nahmen die Deutschen brutale Rache an der Zivilbevölkerung. Sie zerstörten das Dorf Lidice und massakrierten seine männlichen Bewohner. SS-Führer Heydrich war federführend bei der Planung der "Endlösung der Judenfrage" - dem millionenfachen Mord an den europäischen Juden.

Im Bild: Heydrich (kleines Foto), deutsche Soldaten bei Leichen in Lidice.

Eduard Benesch während einer Rede, 1939

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Hitler drohte zwischenzeitlich, alle Tschechen aus ihrer Heimat deportieren zu lassen. Die Auslöschung der Tschechoslowakei und die brutale Besatzungszeit waren das zentrale Trauma der Tschechen.

Die Erfahrungen wurden Grundlage einer rücksichtslosen antideutschen Politik nach Kriegsende 1945. Die deutschsprachige Bevölkerung wurde auf Geheiß des Nachkriegspräsidenten Edvard Benesch enteignet und vertrieben, teilweise kam es zu Übergriffen und Morden.

Im Bild: Benesch im Exil während des Krieges bei einer Rede in den USA

© SZ.de/odg
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