Konflikt USA-Nordkorea Feuer, Wut und Drohungen

  • Die Rhetorik im Konflikt der USA mit Nordkorea eskaliert.
  • US-Präsident Trump droht mit "Feuer, Wut und Macht" indirekt einen Atomwaffen-Einsatz an.
  • Nordkorea reagiert und droht seinerseits, die Pazifikinsel Guam anzugreifen, die zum US-Gebiet gehört.
Von Johannes Kuhn

Donald Trump hatte die Worte gut einstudiert: "Nordkorea hört besser mit den Drohungen gegen die USA auf", erklärte der US-Präsident mit verschränkten Armen in seinem Golfklub in New Jersey, wo er gerade Urlaub macht. "Sie werden mit Feuer, Wut und Macht beantwortet werden, wie die Welt es noch nicht erlebt hat."

Historiker erkannten sogleich, wo sich der Republikaner bedient hatte: Von einem "Regen der Vernichtung aus der Luft, wie ihn die Welt noch nicht erlebt hat", hatte am 6. August 1945 auch US-Präsident Harry Truman gesprochen. In seiner Radio-Ansprache verkündete er damals den Abwurf der Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima. Damals befanden sich die USA im Krieg.

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72 Jahre und zwei Tage später also ist die Perspektive einer atomaren Auseinandersetzung in der ostasiatischen Region so präsent wie lange nicht. Anlass für Trumps Äußerungen war ein Bericht der Washington Post. Unter Berufung auf eine Einschätzung des Militärgeheimdienstes Defense Intelligence Agency (DIA) meldete das Blatt, dass das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm deutlich weiter fortgeschritten sein könnte als bislang vermutet.

Pjöngjang könne seine Raketen bereits mit Miniatur-Atomsprengköpfen bestücken, so die Analyse des Geheimdienstes. Das japanische Verteidigungsministerium kommt zu dem gleichen Schluss. Damit wäre Nordkorea einen gewaltigen Schritt weiter auf dem Weg zu einer vollwertigen Atommacht.

Trumps rote Linie

Unklar ist allerdings, ob das Land die Miniatur-Sprengköpfe bereits erfolgreich testen konnte, wie es behauptet. Vor wenigen Wochen hatte Nordkorea eine Interkontinental-Rakete abfeuern können, die theoretisch die Westküste der USA erreichen könnte.

Eine scharfe Wortwahl gegenüber Nordkorea ist keine Seltenheit. Der damalige US-Präsident Bill Clinton hatte 1993 auf die Frage, wie sein Land auf den Einsatz einer Atombombe durch Nordkorea reagieren würde, knapp geantwortet: "Das wäre das Ende ihres Landes, wie sie es kennen."

Trumps Rhetorik lässt sich durchaus als Androhung eines präventiven Atomschlags interpretieren. Zudem zieht er eine - wenn auch nicht genau definierte - rote Linie. "Es fällt schwer, einen Präsidenten zu finden, der jemals eine extremere Sprache in einer solchen Krise benutzt hat", sagte der Präsidenten-Historiker Michael Beschloss der New York Times. In der Regel bemühten sich Amtsinhaber, Krisen nicht mit Worten zu verschärfen.

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