Pro Europa – David Cameron

Geboren am 9. Oktober 1966 in London

Vorsitzender der Conservative Party

Status: Premierminister in Doppelrolle

Einer seiner Vorfahren, König William IV., war ein schroffer Gesell, der auch im höchsten Staatsamt nicht die Unart lassen konnte, wo er stand und ging auf den Boden zu spucken. Außerdem war William IV. auch König von Hannover. Heute ist die Frage, ob David Cameron (im Foto rechts, neben Londons neuem Bürgermeister Sadiq Khan) lieber an die Unflätigkeiten seines Ahnen oder an dessen Verbindungen zu Deutschland erinnert werden möchte. Unter den Brexit-Befürwortern ist Deutschlands starke Stellung in der EU ein gewichtiges Argument dafür, die EU möglichst schnell zu verlassen. Cameron galt schon unter seinen Professoren als Konservativer mit gemäßigten und vernünftigen Ansichten. Dennoch kam er nicht umhin, den Briten im Wahlkampf 2015 ein Referendum über den Verbleib in der EU zu versprechen.

So steckt er also in der Zwickmühle, das Referendum möglich gemacht zu haben. Und gleichzeitig dafür zu werben, dass sein Land in der EU bleibt. Mitte Februar hat er die anderen EU-Staaten dazu gebracht ein paar Reformen zugunsten der Briten anzunehmen. EU-Ausländer sollen etwa erst nach vier Jahren Aufenthalt vollen Anspruch auf Sozialleistungen bekommen. Und Kindergeld wird nur noch unter erschwerten Bedingungen ausgezahlt, wenn die Kinder im EU-Ausland leben. Den Durchbruch in den Debatten hat das alles nicht gebracht. Zumal seine Conservative Party in der Frage zutiefst gespalten ist. Und er selbst jahrelang die EU zumindest mitverantwortlich gemacht hat für jeden Mist, der auf seiner Insel passiert ist. Sein schlimmster Gegner in der EU-Frage ist sein Parteifreund Boris Johnson. Steigt Großbritannien nach dem Referendum aus der EU aus, dürfte es Cameron schwer haben, seine politische Karriere fortzusetzen.

Bild: dpa 11. Juni 2016, 14:032016-06-11 14:03:27 © SZ.de/gal