Ein Sozialstaat gibt nicht dem, der schon hat - und nimmt nicht dem, der wenig hat. Er sagt nicht: Für dich die Schneeschaufel, für mich die Millionenspende. Er sorgt für inneren Frieden.
In der Debatte über Hartz IV wird so getan, als könne man sich den Sozialstaat nicht mehr leisten. Das ist ein gefährliches Gerede. Das Gegenteil ist richtig. Diese Gesellschaft kann es sich nicht leisten, sich den Sozialstaat nicht zu leisten. Er garantiert den inneren Frieden.
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Ein starker Staat ist Heimat ist auch für die, die nicht mit dem silbernen Löffel auf die Welt gekommen sind. Ein solcher Staat heißt Sozialstaat. (© Foto: dpa)
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Die Geschichte von 60 Jahren Bundesrepublik lehrt: Nicht die Polizei und nicht die Justiz waren jahrzehntelang Garanten des inneren Friedens; nicht Strafrechtsparagraphen und Sicherheitspakete haben für innere Sicherheit gesorgt. Der Sozialstaat war das Fundament der Prosperität, die Geschäftsgrundlage für gute Geschäfte; er verband politische Moral und ökonomischen Erfolg. Ein Sozialstaat ist ein Staat, der gesellschaftliche Risiken, für die der Einzelne nicht verantwortlich ist, nicht bei diesem ablädt.
Der Sozialstaat verteilt, weil es nicht immer Manna regnet, auch Belastungen - das heißt, auch er muss sparen, wenn die Mittel knapp werden. Aber dabei gilt, dass der, der schon belastet ist, nicht auch noch das Gros der Belastungen tragen muss. Ein Sozialstaat gibt also nicht dem, der schon hat, und er nimmt nicht dem, der ohnehin wenig hat. Der Sozialstaat sagt nicht: Für dich die Schneeschaufel, und für mich die Millionenspenden.
Eine moderne Sozialpolitik sorgt dafür, dass der Mensch Bürger sein kann. Sie gibt ihm Grundsicherung und Grundsicherheit. Seine Freiheitsrechte, seine politischen Rechte brauchen ein Fundament, auf dem sie sich entfalten können. Eine Demokratie, die auf Sozialpolitik keinen Wert mehr legt, gibt sich auf.
In der Präambel der schweizerischen Verfassung aus dem Jahr 1999 steht ein wunderbarer Satz: "Die Stärke eines Volkes misst sich am Wohl der Schwachen." Das ist nicht nur ein wunderbarer, sondern auch ein mutiger Satz, weil diese Stärke gern an ganz anderen Faktoren bemessen wird.
Die einen messen die Stärke am Bruttosozialprodukt und am Exportüberschuss, die anderen reden dann vom starken Staat, wenn sie mehr Polizei, mehr Strafrecht und mehr Gefängnis fordern. Zu wenige reden von der Stärke des Staates, wenn es darum geht, menschenwürdige Mindestlöhne durchzusetzen. Zu wenige reden vom starken Staat, wenn es darum geht, soziale Ungleichheit zu beheben, etwas gegen die Langzeitarbeitslosigkeit zu tun und die Sozial- und die Bildungspolitik miteinander zu verknüpfen.
Ein starker Staat ist der Staat, der Heimat ist auch für die, die nicht mit dem silbernen Löffel auf die Welt gekommen sind, der Heimat ist für die, denen es dreckig geht, weil sie arbeitslos sind. Ein solcher Staat heißt Sozialstaat. Er sorgt dafür, dass Deutschland Heimat bleibt für alle Altbürger und Heimat wird für alle Neubürger. Das nennt man Integration, und das ist das Gegenteil von Ausgrenzung. Integration ist all das, was Heimat schafft. Die Zusammenfassung all dessen nennt man Sozialstaat.
Die Stärke eines Volkes misst sich am Wohl der Schwachen. Das große, das bedeutende Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu Hartz IV war die Langfassung dieses kurzen wunderbaren Satzes. Das Gericht hat dem Sozialstaat eine packende Aufgabe zugeschrieben: Er muss Schicksalskorrektor sein für die Armen und die relativ Armen dieser Gesellschaft, für die Kinder zumal.
Das Gericht hat zu diesem Zweck ein neues Grundrecht formuliert: Das Grundrecht auf Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums. Es begründet eine Grundpflicht des Staates, dieses Minimum zu garantieren und zu konkretisieren. Es ist ein Grundrecht für die Armen. Die Bedeutung dieses Urteils kann man gar nicht überschätzen.
Die von Guido Westerwelle ausgelöste wilde Diskussion hat das nicht erfasst oder nicht erfassen wollen. Vielleicht war das Absicht. Vielleicht sollte diese Diskussion dieses Grundrecht für die Armen einfach verschütten. Selten ist ein Urteil des höchsten Gerichts so missachtet worden, so umgedreht und so missbraucht worden wie dieses Urteil in der durch Westerwelle ausgelösten Debatte.
Den Armen fehlt das Sprachrohr
Er hat Hartz-IV-Empfänger rundweg als Faulpelze beschimpft, die nach "anstrengungslosem Wohlstand" trachten. Wie bitte - Wohlstand? Den Beschimpften fehlen nicht nur Arbeit und gesellschaftliche Anerkennung, es fehlt ihnen die Kraft, sich zu wehren und sich zu organisieren, auch gegen solche politische und publizistische Verunglimpfung. Sicher: Es gibt Hartzer, die es sich in sozialer Verwahrlosung irgendwie eingerichtet haben und den Staat als Zapfanlage betrachten. Die schlechteste Reaktion darauf ist es, wenn der Unmut darüber sich auf alle Hartz-IV-Empfänger ergießt.
Ein kleine Geschichte: In Bern lebte, es ist schon ein paar Jahrzehnte her, eine fromme Dame, Madame de Meuron. Sie wurde die "letzte Patrizierin" von Bern genannt. Als sie eines Morgens in die Kirche ging, hatte sich da auf ihren Stuhl ein Bauer verirrt. Sie wies ihn mit scharfen Worten zurecht: "Mein Herr, im Himmel sind wir dann alle gleich, aber hier unten muss Ordnung herrschen."
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Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
Stockender Kita-Ausbau
Ich habe Ihnen einmal alte Unterlagen herausgesucht, teils mit Link, die sende ich Ihnen per GB.
Sie beziehen sich ausdrücklich auf das Friedman-Modell - EITC - , das m.E. für europäische, bzw. deutsche Verhältnisse nicht anwendbar ist, da entgegen der Hoffnung, man fände ja da einen griffigen Ausweg aus der Sozialhilfe (der einfachhalber verwende ich diesen Grundbegriff) und Sozialfragen (Mindestlohn oder Bürgergeld oder Kombilohn). Es gibt zum Thema relativ gründliche deutsche Arbeiten, vgl. Links. Sämtliche "DE"Modelle leiden an einem Grundproblem: die auf den ersten Blick praktische Verringerung der Administration und Kompetenzanhäufung einzig im Bundesministerium Finanzen, verlangt maximale Umgestaltung des föderlistischen Prinzips Deutschlands. Das ist nur eine administrative Hürde. Weit schwerer wiegt, bei dem mutm von Ihnen favorisierten Modell, dass Sie voraussetzen, dass jene, die in Vollzeitpositionen Lohn- und Gehalt erwirtschaften, ihrerseits ihr Arbeitsangebot VERRINGERN müssten, denn es macht bei der von Ihnen gedachten Schiene für jene keinen Sinn "vollzeitig" zu arbeiten.
Warum? Diese Lohnsubvention (neg.ESt) kostet sehr viel Geld, ausse man SENKT das Existenzminimum. Plus, die Freibeträge müssten heraufgesetzt werden - beides nach meiner Einschätzung nicht möglich. Warum müsste das wiederum geschehen? Weil für einen grossen Anteil Arbeitssuchender Jobs gerade im Niedriglohnsektor weiterhin angeboten werden müssen. Diesen ungeliebten Sektor müssten Sie schon deshalb aufrechterhalten, da - siehe oben - Sie das Existenzminimum - auf das wiederum derzeit das Bundesverfassungsgericht abhebt - senken müssten. Wenn Sie weiterhin Interesse haben, suche ich Ihnen einzelene Untersuchungen für DE heraus. Das dann aber per Gästbuch, da es sehr sehr viel Material ist. Ich sehe einen Lösungsweg jedenfalls nicht in der negativen Einkommensteuer - es gibt andere Möglichkeiten ohne das Risiko, siehe oben und ausführlicher dargestellt in den Links.
Guten Morgen und Danke. Sie unterliegen m.E. mehreren Einschätzungsfehlern. Dass das AEntG ausläuft, ist per 2011 Fakt; Mein Hinweis auf Brüssel und Strassburg ist zutreffend, da Sie sich in Ihrem Sinn um die Beibehaltung der protektionistischen Formel Mindestlohn bemühen wollen. Dies kann national aber nach 2011 nicht mehr realisiert werden, vgl. Lisbon Treaty.
Die Wirksamkeit bis dato des AEntG überschätzen Sie ebenfalls, da selbständige Einzelunternehmer aus dem Ausland dieser "Protektion" für den DE Markt niemals unterlagen. Um es kurz zu machen: das Biotop ist beendet.
Zu Ihrer Markt-Einschätzung, Bemerkung: Nicht ich bin der Markt, Sie müssten sich an die Unternehmer wenden, von denen Sie meinen, dass sie nicht marktfähig sind. Ihr Argument aber überholt Sie gfs. selbst, denn ich nehme an Sie favorisieren einen Mindestlohn, der aber nach 2011 mutmasslich, notfalls, gar nicht mehr realisierbar ist.
Wenn Sie also eine rein nationale Lohnausrichtung für möglich halten, dann müssten Sie insgesamt die Konkurrenzverhältnisse beenden und, gfs. darauf setzen, dass die deutsche Produktivität ausschliesslich für und in DE erwirtschaftet wird. Umgekehrt aber würden Sie sich z.B. für Nahrungsmittelzwecke auf "Hungerlöhner" fraglos einlassen, die aus dem Ausland an DE liefern? Das ist nur eine Frage, eine Facette, die sich m.E. aus Ihren Grundannahmen ergeben. Diesen trete ich selbstverständlich nicht bei.
Danke für die Antwort, ich sehe aber keinen Gegensatz zwischen der EU Richtlinie und der prinzipiellen Möglichkeit einen Mindestlohn einzuführen. Die Richtlinie lässt dazu ausreichend Spielraum und wenn das bestehende nationale Gesetz ausläuft und obendrein auch noch handwerklich schlecht ist, wäre es doch an der Zeit, dass der Gesetzgeber (Herr Westerwelle sitzt hier z.B. in einer Schlüsselstellung) hier aktiv wird und nachbessert. Man sollte aber nicht nach Brüssel zeigen, wo man selbst in der Pflicht ist. Richtlinien sind nunmal dazu da, von den nationalen Gesetzgebern umgesetzt zu werden.
Was Ihren Markt betrifft, auf dem Sie nichts sehen - nun ich weiss tatsächlich nicht wo sie da gerade hinschauen... Grundsätzlich gilt doch: Wenn ich als Unternehmer nicht einmal für das Existenzminimum bezahlen kann, habe ich eigentlich als Anbieter eines Arbeitsplatzes auf dem Markt nichts verlohren! Warum sollte der Staat nicht funktionierende Geschäftsmodelle stützen?
schon mal selber in der gluehenden sonne sich 9 stunden den ruecken verkruemmt und spargel gestochen, fuer 2,50 euro / stunde, madame?
und was haben sie denn gegen ausgefranste jeans und flip flops, wie laufen sie denn so rum?
...gesucht werden und sich nur eine Handvoll Hartz IV-Empfänger zur Verfügung stellt,..."
Das machen inzwischen nicht mal mehr, für die Niedriglöhne die in Deutschland bezahlt werden für diese Knochenarbeit, die polnischen Gastarbeiter.
Paging