CSU-Sprecher tritt zurück Gesucht: der Mann hinter Strepp

Michael Strepp machte seinen Job als CSU-Sprecher so gut, dass kaum zu glauben ist, er sei selbst auf die wahnwitzige Idee gekommen, einen ZDF-Beitrag zu verhindern. Sein Rücktritt soll wohl vor allem Ruhe in den Laden bringen - damit der Verdacht nicht auf einen Mann an Seehofers Seite gelenkt wird, der erkennbar für jede Schandtat zu haben ist.

Ein Kommentar von Thorsten Denkler, Berlin

Hans Michael Strepp ist zurückgetreten. Aber das Ende der Affäre ist das noch lange nicht. Der langjährige Sprecher der CSU hatte am vergangenen Sonntag einen diensthabenden Redakteur der Mainzer Heute-Redaktion angerufen. So viel ist sicher. Die Süddeutsche Zeitung hatte berichtet, dass er dabei versucht haben soll, eine Berichterstattung über die Nominierung von Christian Ude als Spitzenkandidat der Bayern-SPD zu verhindern.

Inzwischen verbreitet dies das ZDF von höchster Stelle. Intendant Thomas Bellut selbst erklärte: "Die Intention des Anrufs war eindeutig." Strepp bestritt das bis zum Schluss. Und wird ab jetzt wohl einfach schweigen.

Die Vermutung liegt nahe, dass er einiges mehr zu dem Fall zu sagen hätte. Alle, die ihn kennen, seien es Journalisten oder Politiker, berichten von einem integren, besonnenen Sprecher, der auf Berichterstattung im schlimmsten Fall mit einem Anruf reagierte, in dem er die Sicht der CSU noch einmal klarstellte. Ein völlig legitimes Vorgehen.

Bei einem ZDF-Redakteur anzurufen, um eine Berichterstattung über den politischen Gegner zu unterbinden - das klingt so gar nicht nach dem Juristen Strepp. Er hat die engen Grenzen der Einflussnahme auf journalistische Berichterstattung in den sechseinhalb Jahren, die er den Job als Pressesprecher machte, ziemlich genau eingehalten.

In den Grundfesten erschüttert

Es drängt sich also die Frage auf: Hat ihn jemand beauftragt? Wer ist so irre, mit so einem Anruf den Ruf der CSU aufs Spiel zu setzen?

Wer die Namen in der CSU-Spitze durchgeht, die Strepp zu so einem Schritt hätten verdonnern können, bleibt automatisch bei Alexander Dobrindt hängen. Der grobschlächtige Generalsekretär macht schon mit seinem Auftreten klar, dass er sich für keine Schandtat zu schade ist, solange die CSU dabei als Sieger hervorgeht. Er ist der mit den gewetzten Messern. Ein Wadenbeißer und Einpeitscher. Der Mann fürs Grobe. CSU-Chef Seehofer braucht einen wie Dobrindt. Ihn schickt er vor, um inhaltliche Grenzen auszuloten. Und wenn Dobrindt sie überschreitet, dann fängt Seehofer ihn wieder ein.

"Das faulste Ei in der deutschen Politik"

mehr...

Gehen aber musste Strepp. Weil wohl kein Verdacht auf Dobrindt fallen darf. Dann nämlich müsste nach den selbstauferlegten Maßstäben auch der Generalsekretär umgehend zurücktreten. Ein Jahr vor den Wahlen in Bayern und im Bund wäre das ein kaum wettzumachender Verlust und ein verheerender Imageverlust.

Anständig, fleißig, bürgerlich, mit den christlichen Werten als Grundlage - so stellt sich die CSU gerne dar. Die Pressefreiheit derart mit Füßen zu treten, lässt sich damit kaum vereinbaren. Sollte Strepp doch reden und seinen mutmaßlichen Auftraggeber offenbaren - Seehofer hätte enorme Schwierigkeiten, Anstand und Moral noch als die Grundfesten seiner Partei zu verkaufen.

Wenn der Minister zweimal klingelt

mehr...