Ceuta Hunderte Flüchtlinge durchbrechen EU-Außengrenze mit Marokko

  • Mehr als 300 Flüchtlinge haben den Grenzzaun zwischen Marokko und der spanischen Exklave Ceuta durchbrochen.
  • Dass in letzter Zeit immer mehr Flüchtlinge über die Grenze gelangt sind, könnte auch an einem Handelsstreit zwischen der EU und Marokko liegen.
  • Marokko drohte bereits Anfang Februar mit einem neuen "Flüchtlingsstrom", sollte es Probleme bei den Wirtschaftsabkommen geben.

Sechs Meter hoch und mit messerscharfem Nato-Draht ausgestattet ist der Zaun, der die spanische Exklave Ceuta von Marokko trennt. Dutzende Infrarotkameras überwachen die Anlage. Trotzdem gelang es Hunderten Flüchtlingen im Morgengrauen die Grenze zu stürmen. "Von etwa 700 sind 356 durchgekommen", sagte ein Behördenvertreter. Die Flüchtlinge durchbrachen demnach mit Hämmern und Drahtschneidern die Tore der Befestigungsanlage. "Gelobt sei Gott!", "Danke, Spanien!" und "Ich bin in Europa!", riefen die Ankömmlinge. Einige verletzten sich bei der Erstürmung, sie hatten blutige Hände und Füße. Sie wurden in das Erstaufnahmezentrum (CETI) gebracht und dort von Helfern versorgt. Das Zentrum ist Medienberichten zufolge bereits völlig überfüllt.

Immer wieder kommt es zu solchen Massenanstürmen, erst am Freitag waren knapp 500 Migranten nach Ceuta durchgekommen. Wie an diesem Montag stammen die meisten von ihnen aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Immer wieder versuchen zahlreiche Menschen, über die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla an der Mittelmeerküste EU-Boden zu erreichen. Die beiden Exklaven haben die einzigen EU-Außengrenzen auf dem afrikanischen Kontinent. Dabei riskieren die Flüchtlinge immer wieder ihr Leben. Menschenrechtsorganisationen fordern regelmäßig von der UNO und der EU, Druck auf Spanien auszuüben, damit Flüchtlinge einen Asylantrag stellen können.

Im Jahr 2016 kamen nach Angaben von Frontex an die 1000 Migranten über Ceuta und Melilla nach Spanien - ein Niedrigrekord, die Jahre davor waren es bedeutend mehr. Marokko und die EU haben sich auf eine Zusammenarbeit verständigt, das nordafrikanische Land hindert seither Flüchtlinge an der Weiterreise nach Spanien.

Marokko droht mit "Flüchtlingsstrom"

Die jüngsten Erstürmungsaktionen hängen daher möglicherweise mit einem Handelsstreit zwischen der Union und Marokko zusammen, der die marokkanischen Behörden bewusst wegsehen lässt. Der Europäische Gerichtshof hatte Ende 2016 entschieden, ein Handelsabkommen für Landwirtschaft und Fischerei zwischen Marokko und der EU gelte nicht für die West-Sahara. Marokko beansprucht die Westsahara, die in den 80er Jahren weitgehend besetzt wurde.

Schon am 7. Februar erklärte die marokkanische Regierung, ein neuer "Flüchtlingsstrom" könne sich Richtung Europa in Bewegung setzen, wenn es Probleme bei den Wirtschaftsabkommen gebe. Spanien, das ein großes Interesse daran hat, dass Marokko seine Grenze weiterhin sichert, betonte daraufhin seine Unterstützung.

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