Stünde die SPD nicht im Wahlkampf, sondern als Geisterbahn auf einem Volksfest, müsste man Eintritt zahlen. Wenn Kandidat Steinmeier Gespenster wie die hessischen SPD-Dissidenten nicht fürchtet, spricht das für ihn.
Die SPD ist nicht nur eine Partei, sondern eine Attraktion. Stünde sie nicht im Wahlkampf, sondern auf einem Volksfest, dann müsste man für den Eintritt bezahlen. Auf dem Oktoberfest heißen solche Anlagen "Spukschloss" oder "Fahrt zur Hölle". In diesen Geisterbahnen werden die dort gutgelaunten Fahrgäste von grusligen Effekten erschreckt. Manche dieser Effekte funktionieren mechanisch, andere pneumatisch. Bei der SPD funktionieren sie auch politisch.
Bild vergrößern
Kanzlerkandidat Steinmeier beim Besuch eines Volksfestes. Auch bei der SPD hat er es derzeit mit grusligen Effekten zu tun. (© Foto: dpa)
Anzeige
In manchen Geisterbahnen treten auch deren eigene Angestellte, gruslig verkleidet, als Gespenster auf. In der SPD funktioniert das sogar ohne Verkleidung: Ministerin Ulla Schmidt sorgte nicht lange, aber immerhin eine Runde, mit ihrem Dienstwagen für ordentliches Erschrecken.
Einen nachhaltigeren Erfolg als Parteigespenst hatte vor einem knappen Jahr der frühere Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement; er verließ aber dann die Partei, weil er merkte, dass man nicht mehr richtig vor ihm erschrak.
Gerüchte um eine neue sozialliberale Partei
Nun gibt es Gerüchte, es könnte eine neue, eine sozialliberale Partei gegründet werden, von Leute wie Clement (er hat dementiert) und dem hessischen SPD-Dissidenten Jürgen Walter.
Walter war der Kopf der vier SPD-Abweichler, die ihre damalige Parteichefin und Ministerpräsidenten-Kandidatin Andrea Ypsilanti in die Resignation getrieben und gestürzt hatten.
Walter tat dies angeblich aus Gewissensgründen, in Wahrheit aber deswegen, weil er nicht verkraftet hatte, dass eine Frau ihn überrundet hatte. Diejenigen politischen Beobachter, die damals "Die Vier" als politische Helden gefeiert hatten, sind jetzt eines Besseren belehrt.
Die Gründung einer neuen Partei der illoyalen Narzisse könnte der SPD nur guttun, weil dann im Vergleich deutlich würde, um welch seriöse Partei es sich bei der alten SPD handelt.
Wenn Leute wie Jürgen Walter es in der SPD nicht aushalten, obwohl die Partei sie aushält, dann spricht das für die SPD - und für ihren Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier, der dort mit erstaunlicher Gelassenheit, mit Ruhe und maßvollem Elan am Kassenhäuschen sitzt und es aushält, dass sich schier mehr Gespenster als Wähler bei ihm melden.
Jüngst war dies auch noch der Waffenschieber Karlheinz Schreiber, der als Giftzwerg agiert und der SPD eine Spendenaffäre zuschieben will. So viel erlebt man mit der CDU nicht - obwohl die mit dubiosen Parteispenden wahrlich gesegnet war.
Aber auch beim Erschrecken ändern sich halt die Moden. Vor dem Minister von und zu Guttenberg erschrickt niemand. Der Wirtschaftsminister lässt zwar unzuständigerweise und zur eigenen Profilierung, aber (weil ja die Legislaturperiode endet) zu sonst niemandes Nutz für teures Geld von einer Privatfirma einen großen Gesetzentwurf schreiben - doch der Bundesrechnungshof ist bei ihm noch nicht vorstellig geworden. Aber vor dem erschrickt ja auch niemand mehr.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Thema
- Bundestagswahl RSS
- Ulla Schmidt und ihr Dienstwagen Eine Posse, keine Affäre 09.08.2009
- Steinmeier und Schmidt Der Kandidat spielt Risiko 08.08.2009
- Hessen: Silke Tesch Geheimtreffen zwischen CDU und SPD-Abweichlerin 09.08.2009
- SPD im Umfragetief Erloschenes Feuer 07.08.2009
- Bundestagswahl 2009 Steinmeier fällt weiter zurück 07.08.2009
- Bundestagswahl Mathematik für Sieger 29.04.2010
- 100 Tage Schwarz-Gelb Wie gut war Merkels Mannschaft? 04.02.2010
(SZ vom 10.08.2009/af)
Bilder des Tages
"die SPD steht für ein kräftiges 'Sowohl, als auch'!" Ob nun Steinmeier im Kassenhäuschen der Geisterbahn oder Ulla Schmidt mit Schreckens-Dienstwagen im ersten Stock derselben - wir fahren mit und schauen uns sowohl Ihren Kommentar, Herr Prantl, als auch gruselige Reminiszenzen á la WalterClementYpsilantiSimonis&Schröder an (2.Stock).
Wir sehen sowohl die launigen Sommertreffs mit jugendlichen Damen als auch sogenannt knackige "Thumbs-up"-Shows irgendwelcher Polit-Events an. Wir laufen sowohl zu den kommunalen Infoständen als auch zu den regional bedeutsamen Marktplatzveranstaltungen.
Und uns beschleicht ein unwohl-beklemmendes Gefühl, dass sowohl der Kandidat als auch seine Frau-/Mannschaft irgendwie nicht über die Rampe kommen, weil sie eigentlich nicht genau wissen, mit welchen Botschaften sie sich überhaupt noch an die Rampe wagen sollen.
Sowohl die Kanzlerin als auch die FDP suhlen sich in emotionalen Wattebausch-Debatten - da knackt gar nix!
Sowohl Wählerinnen als auch Wähler in dieser Informationsgesellschaft interessieren sich für jedes WAS, nicht aber für das WARUM des politischen Geschehens - da helfen dann am Schluß nur noch "bauchgesteuerte" Augenblicksentscheidungen mit denen man das Wahlkreuz auf den Zettel bringt.
Sowohl für die SPD als auch für alle Wählerinnen und Wähler gilt: Vernunft ist, wenn man trotzdem denkt!
Es gibt Anhänger der SPD, die nicht einsehen wollen, dass ALLES, was zur Zeit mit der Partei geschieht, hauptsächlich zwei Leute zu verantworten haben:
Schörder und Ypsilanti.
Einer von diesem (fast mag man schreiben:"Anbetungsvereien") ist Herr Prantl.
Schröder hat, wier kaum ein anderer die SEELE der SPD verkauft an den Kapitalismus (Kanzler der Bosse, Bastapolitik, Agenda 2010 und einiges mehr).
Ypsilanti hat wie kaum ein anderer so eindeutig die Unwahrheit gesagt, dass man durch aus von einer Lüge sprechen darf. Wahlversprechen haben nicht diese eindeutige Falschaussage.
Wieso will Herr Prantl das nicht wahrhaben? Wieso versucht er eine SPD aufzuzeigen, die von diesen beiden Mitgliedern zumindest zerrüttet wurde?
Gott sei Dank gibt es sowohl bei der SPD als auch beim Wahlvolk und bei den Meinungen der Leser der SZ eine große Anzahl, die Herrn Prantl widersprechen!
Es wäre noch interessant zu wissen, warum jemand von der Redaktion geglaubt hatte, mein gestriger Kommentag gehöre zu dem da:
10.08.2009 09:39:34
badile:
Diesen Kommentar können wir leider nicht veröffentlichen. Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB.
Da war rein gar nichts drin, das der netiquette widersprochen hätte. Das Einzige, was der SZ nicht passen konnte, war die Kritik an diesem ehrlich gesagt eher dümmlichen Prantl-Kommentar. Aber es ist für mich schon lange ausgemacht: Heribert Prantl ist der SZ-Säulenheilige, da darf man nichts dagegen schreiben. Im übrigen darf jede Art von Verstoß gegen die netiquette in die Kommentare geschrieben werden. Sogar in diesen rund 90 findet man welche. Hauptsache keine Kritik am Unfehlbaren der SZ.
In diesen Wahlkampfzeiten ist es sicherlich sinnvoll, wieder einmal darauf hinzuweisen, welchem Parteien-Lager die bisher größten Skandale der Bundesrepublik Deutschland zuzuordnen sind: Die F. J. Strauss Spiegel-Affäre, die Barschel-Affäre, die F. J. Strauss Panzer-Affäre, die CDU Spenden-Affäre der Koch´schen jüdischen Vermächtnisse, die CDU Spenden-Affäre, mit der Angela Merkel Helmut Kohl aus dem Weg räumte etc. Die Reihe ist nahezu ohne Ende. Die Union möchte aber mit Kinkerlltzchen die SPD skandalisieren, um von den eigenen großen Skandalen abzulenken: "Michel, aufwachen! Es gibt sie immer noch, die Partei der großen Heuchler!!!"
Nur zur Erinnerung: auch in der SZ wurde ausschliesslich Ypsilanti-Bashing betrieben.
Paging