Bowe Bergdahl US-Soldat Bowe Bergdahl bekennt sich der Desertion schuldig

Bowe Bergdahl bei einer Anhörung Anfang 2016.

(Foto: AP)
  • Bowe Bergdahl werden Fahnenflucht und gefährliches Fehlverhalten vorgeworfen. Nun hat der Soldat Medienberichten zufolge seine Schuld eingeräumt.
  • Bergdahl hatte 2009 seinen Stützpunkt in Afghanistan verlassen und war in der Wüste gekidnappt worden. Er war fast fünf Jahre lang Geisel der Taliban.
  • Seine Geschichte war unter anderem im Präsidentschaftswahlkampf ein Thema gewesen.

Er wollte ein Held sein und hat sich nun doch als Verräter schuldig bekannt: Der umstrittene Army-Soldat Bowe Bergdahl hat vor einem US-Militärgericht überraschend eingeräumt, desertiert zu sein und mit seinem Fehlverhalten andere Soldaten in Gefahr gebracht zu haben. Das melden mehrere US-amerikanische Medien, unter anderem die New York Times.

Bergdahl hat 2009 heimlich seine Militärbasis in Afghanistan verlassen und wurde in der Wüste von Taliban aufgegriffen. Die Terroristen hielten ihn fast fünf Jahre lang in Gefangenschaft.

Der Frage, warum Bergdahl sich nachts vom Stützpunkt weggeschlichen hatte, geht unter anderem der in den USA beliebte Podcast Serial in seiner zweiten Staffel nach.

Die Wut der Kameraden

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Der heute 31-jährige Bergdahl selbst sagt, das Camp sei für ihn und seine Kameraden unerträglich gewesen; unter anderem wegen extrem schlechter Hygienevorkehrungen und unfairer Behandlung durch die Vorgesetzten. Er habe nicht desertieren wollen. Bergdahl schildert seinen Plan so: Er wollte mehr als 30 Kilometer durch die Wüste zu einer anderen Basis laufen, um auf die Missstände aufmerksam zu machen.

Er sei noch keine halbe Stunde unterwegs gewesen, als er sich in der Wüste verirrt habe, sagt Bergdahl. Bald darauf nahmen ihn Taliban gefangen. Sie brachten ihn über die Grenze nach Pakistan. In den folgenden Jahren sperrten sie den Gefangenen in Käfige, Keller und stockdunkle Zimmer. Er versuchte mehrfach, auszubrechen.

Nach seiner Freilassung konnte er die Augen kaum öffnen

Er sei wie ein Tier behandelt worden, das jemand in einen Sack gesteckt und dann in einem verschlossenen Schrank vergessen habe, sagte Bergdahl in einem Interview über die schlimmeren Phasen seiner Gefangenschaft. "Sie haben kein Problem damit, dich zu töten."

Das US-Militär suchte verzweifelt nach dem Sergeant. Kritiker machen Bergdahl für den Tod von sechs Soldaten und die Verwundung von drei weiteren verantwortlich. Sie seien Missionen zum Opfer gefallen, die mit der Suche nach Bergdahl zu tun hatten. Für diesen Zusammenhang fehlen allerdings Beweise.

Seine Peiniger ließen Bergdahl 2014 im Zuge eines Gefangenenaustauschs frei: der Soldat gegen fünf Taliban, die in Guantanamo Bay einsaßen. In Freiheit hatte er zunächst Sprachschwierigkeiten, weil er jahrelang mit niemandem geredet hatte. Er konnte die Augen kaum öffnen, weil sie das Sonnenlicht nicht mehr gewohnt waren.

US-Präsident Donald Trump hält den Gefangenenaustausch für einen schlechten Deal seines Vorgängers Barack Obama. Er hatte Bowe im Wahlkampf mehrfach als "Verräter" beschimpft, den man erschießen solle - und sein Argument bei mindestens zwei Gelegenheiten damit untermauert, ein imaginäres Gewehr abzufeuern.

Bowe Bergdahl in der Rolle seines Lebens

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Fahnenflucht wird mit bis zu fünf Jahren bestraft. Sollte Bergdahl aber wegen "misbehavior", also gefährlichen Fehlverhaltens, schuldig gesprochen werden, kann er mit lebenslanger Haft bestraft werden.