Australien Aufruhr in Haftanstalt für Asylbewerber

Das Christmas Island Immigration Detention Centre auf der australischen Weihnachtsinsel

(Foto: dpa)
  • In einer Haftanstalt für Flüchtlinge auf der australischen Weihnachtsinsel haben die Insassen gewaltsam protestiert, nachdem ein Iraner unter bisher ungeklärten Umständen ums Leben gekommen ist.
  • Der Regierung zufolge ist die Lage derzeit ruhig, aber angespannt. Das Wachpersonal hat Teile der Anlage geräumt.
  • Australien geht seit Jahren mit großer Härte gegen Flüchtlinge vor und ist dafür schon mehrfach kritisiert worden.
Von Markus C. Schulte von Drach

In einem australischen Internierungslager für Flüchtlinge auf der Weihnachtsinsel im Indischen Ozean hat eine Gruppe von Insassen randaliert und Brände gelegt, nachdem ein iranischer Häftling am Sonntag außerhalb der Anlage tot aufgefunden worden ist. Die Todesursache steht noch nicht fest. Medienberichten zufolge wurde die Leiche des Mannes, der am Freitag aus der Haft geflohen war, am Fuße einer Klippe entdeckt.

Das Sicherheitspersonal hat sich aus Teilen des Lagers zurückgezogen, um eine Eskalation zwischen den Häftlingen und den Wärtern zu vermeiden. Verletzt wurde bislang offenbar niemand. Die Lage, so berichtet das Ministerium für Einwanderung, sei ruhig, aber angespannt. Der größte Teil der Anlage, in der mehrere Hundert Flüchtlinge untergebracht sind, sei sicher und unter Kontrolle des Wachpersonals von Serco, der privaten Betreiberfirma der Haftanstalt.

Wie das Ministerium angibt, begann der Protest mit einer kleinen Gruppe von Iranern, die nach dem Tod ihres Landsmannes friedlich gegen die Zustände im Lager protestiert hatten. Wie die australische Ausgabe des Guardian berichtet, kam es dabei zu einer Auseinandersetzung zwischen den Iranern und drei Wachleuten von Serco, die sich zurückgezogen hätten, nachdem weitere Insassen dazugekommen waren.

Die Zeitung zitiert einen Augenzeugen, demzufolge zwanzig bis dreißig Häftlinge das Lager erst demolierten, nachdem Sicherheitsleute einen anderen Teil der Anlage gestürmt und einen Häftling mit Gewalt weggeschleppt hätten. Ein anderer Augenzeuge sagte BuzzFeed.com, 100 bis 150 Insassen hätten sich an den Ausschreitungen beteiligt.

Bereits vor dem Vorfall sei die Lage angespannt gewesen, weil das Personal viele Insassen brutal behandelt habe, sagte der Häftling Mick Tristram dem Guardian. Eine Menge Menschen sei von Sicherheitsleuten zusammengeschlagen worden. Die australische Senatorin Sarah Hanson-Young (Grüne) sagte der BBC, die Regierung sei wiederholt auf die sich zuspitzende Situation auf der Weihnachtsinsel hingewiesen worden, habe die Warnungen jedoch leider ignoriert.

"Opfer der Regierung"

Bei dem Toten handelt es sich offenbar um Fazel Chegeni, einen Kurden aus Iran, der 2010 nach Australien gekommen ist. Er war in einer Haftanstalt in Westaustralien festgehalten worden, wo sein Flüchtlingsstatus 2013 betätigt wurde. Danach lebte er kurze Zeit in Melbourne, wurde jedoch wegen einer Schlägerei ins Gefängnis gesteckt und vor etwa zehn Wochen in die Haftanstalt auf der Weihnachtsinsel überstellt.

Der iranische Kurde Fazel Chegeni hatte in Australien Asyl gesucht

(Foto: dpa)

Ian Rintoul, Sprecher der australischen Flüchtlingshilfsorganisation Refugee Action Coalition wies darauf hin, Chegeni sei in Iran gefoltert worden und habe schwer unter den Langzeitfolgen der Inhaftierung in Australien gelitten. Mehrmals habe er versucht, sich selbst das Leben zu nehmen. "Seine psychischen Leiden waren bekannt", so Rintoul. Er sei "Opfer einer Regierung, die sich nicht um die Menschenrechte von Asylsuchenden und Flüchtlingen schert".