Anschlag in Berlin Chefermittler verbreiten Gelassenheit

  • Auf ihrer Pressekonferenz zum Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt beantworten die leitenden Ermittler viele Fragen, doch sie geben keine Antworten.
  • Am Abend wurde der vorläufig Festgenommene wieder freigelassen, wenig später reklamierte der IS den Anschlag für sich. Zum Täter bleiben kaum mehr als Vermutungen.
Von Thorsten Denkler, Berlin

Frage um Frage um Frage wird gestellt. Seit mehr als einer Stunde schon. Am Tag nach dem - ja was eigentlich? Anschlag? Zwischenfall? Terrorakt? An dem Tag jedenfalls, nachdem am Montagabend um 20.02 Uhr ein Sattelschlepper in die Menschenmenge des Weihnachtsmarktes an der Berliner Gedächtniskirche raste.

Am Dienstagnachmittag kommen in der Bundespressekonferenz jene Männer zusammen, die den Stand der Ermittlungen wiedergeben sollen. Die Antworten haben sollen, auf all die Fragen nach dem Warum und dem Wieso.

Generalbundesanwalt Peter Frank, Holger Münch, Chef des Bundeskriminalamtes, der Berliner Generalstaatsanwalt Ralf Rother und der Berliner Polizeipräsident Klaus Kandt, diese vier sitzen da und haben im Grunde keine Antworten.

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Eine Stunde nach der Tat wurde an der Siegessäule ein Tatverdächtiger festgenommen. Nur, er war es offenbar nicht. Am Abend wurde der Mann wieder freigelassen.

Im Grunde haben die Ermittler, am Tag nach der Tat, nun ja, nichts. Sie kennen grob den Ablauf der Tat. Aber sie kennen das Motiv nicht. Wissen nicht, ob es Hinterleute gibt, Komplizen. Oder ob es die Tat eines Einzelnen war. Der IS ließ über sein Propaganda-Sprachrohr Amak verlauten, er reklamiere den Anschlag für sich. Doch da der IS im Verdacht steht, sich zu allen möglichen Anschlägen nur aus Propagandazwecken zu bekennen, hilft auch das noch nicht wirklich weiter.

Die Ermittler können aus der Tat im Moment also nur Vermutungen ableiten. Die Symbolik eines Weihnachtsmarktes und die Tatwaffe Lkw, das spricht eher für einen terroristischen Anschlag. Der Tathergang spricht womöglich für einen Einzeltäter. Zumindest sei das Ganze "logistisch nicht so anspruchsvoll" gewesen, sagt der Berliner Polizeichef Kandt.

Aber sonst? Nichts. Außer einer bemerkenswerten Gelassenheit, die auf der Presskonferenz verbreitet wird. "Man tappt immer dann nicht im Dunkeln, wenn man einen konkreten Täter hat", sagt Generalbundesanwalt Frank. Es sei jetzt Teil der polizeilichen Ermittlungsarbeit, alle Puzzleteile in diesem Fall zu finden. Aber das "Puzzle zusammensetzen ist manchmal nicht in einem Tag geschehen".