Anschlag auf "Charlie Hebdo" AQAP zieht wieder mehr ausländische Kämpfer an

Im vergangenen Jahr verzeichnete AQAP nach dem Vorrücken schiitischer Houthi-Milizen neuen Zulauf und wird von einigen sunnitischen Stämmen in deren Gebieten geduldet. Seit die Houthis im September 2014 die Hauptstadt überrannten, verübten die sunnitischen Extremisten mehr als 150 Attacken in 14 der 21 Gouvernements, Sanaa mitgezählt. Sie griffen die Sicherheitskräfte an, zudem die Houthi-Kämpfer, aber auch westliche Ziele, wie die US-Botschaft.

Experten wie Bill Roggio vom Long War Journal, einem Internet-Portal, das Aktivitäten islamistischer Terrorgruppen dokumentiert, sehen mit den militärischen Erfolgen al-Qaidas im Jemen auch die Bedrohung für den Westen wachsen: AQAP habe nicht nur einen Weg gefunden, sich auf die US-Drohnenschläge einzustellen, sondern mache wie schon 2011 Geländegewinne und ziehe wieder mehr ausländische Kämpfer an, sagt er. Die lokale Unterstützung, die den Kämpfern Rückzugsgebiete gewährt, sei der Schlüssel dafür, Anschläge jenseits der Grenzen Jemens verüben zu können - in der jüngsten Inspire-Ausgabe wird zum Dschihad gegen Amerika aufgerufen und zu neuen Attentaten auf Flugzeuge westlicher Airlines. Ausdrücklich ist die Rede von Attacken einsamer Wölfe - Militanten, die in ihre Heimatländer im Westen zurückgekehrt sind - so wie die Kouachi-Brüder in Frankreich.

Keine Anzeichen für Allianz zwischen IS und al-Qaida

Anzeichen für eine gemeinsame Planung der Anschläge von Paris durch al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel und der konkurrierenden Terrormiliz Islamischer Staat sehen die Geheimdienste bislang nicht, geschweige denn eine Allianz zwischen ihnen. Spekulationen darüber hatte der dritte Attentäter von Paris, Amedy Coulibaly, ausgelöst, der sich in einem für authentisch erachteten Video zum selbsternannten Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi bekannte. Die persönlichen Verbindungen zwischen den Attentätern reichen allerdings in eine Zeit zurück, in der die beiden Organisationen noch nicht in offener Konkurrenz zueinander standen. Die Ermittler halten es für wahrscheinlich, dass es lediglich Absprachen zwischen den Tätern gab, nicht zwischen den Gruppen, denen sie sich zugehörig fühlten.

Allerdings sehen westliche Geheimdienste die größten Sympathien für den IS in den Reihen von al-Qaida bei deren jemenitischer Filiale. Mehrmals hatte die im Sommer 2014 in Videobotschaften ihre Unterstützung für die Dschihadisten im Irak erklärt. Als jedoch Baghdadi im November die Ausweitung seines Kalifats auf Jemen und Saudi-Arabien verkündete und damit einhergehend die Auflösung anderer dschihadistischer Gruppen forderte, zog dies heftige Reaktionen al-Qaidas nach sich. AQAPs spiritueller Führer Harith bin Ghazi al-Nadhiri sprach ihm die Legitimation ab und bekräftigte den Treueschwur zu Al-Qaida-Führer Aiman al-Sawahiri, der in Pakistan vermutet wird.

Alte Loyalitäten zur Kernzelle al-Qaida

Der Emir der jemenitischen al-Qaida, Nasser al-Wuhaischi, einst Osama bin Ladens persönlicher Sekretär in Afghanistan, soll zuvor versucht haben zu vermitteln zwischen jenen, die den IS auch wegen seiner extrem brutalen Taktiken ablehnten und anderen, die das militärische Vorgehen des IS im Irak und Syrien als Modell für AQAPs Kampf gegen die Armee im Jemen sahen. Den Ausschlag für die Treuebekundungen zu Sawahiri haben demnach vor allem alte Loyalitäten zur Kernzelle der al-Qaida gegeben.