AfD Thüringen "Blanker Rassismus": Höcke und die Fortpflanzung der Afrikaner

Selbst der AfD wird Björn Höcke langsam zu rechts.

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Auf einer Tagung hat der AfD-Chef Björn Höcke behauptet, dass die Evolution Afrika und Europa "zwei unterschiedliche Reproduktionsstrategien beschert" habe.
  • Die Amadeu-Antonio-Stiftung hält das für "blanken Rassismus" und prüft, ob die Aussagen strafrechtlich relevant sind.
  • Diese Vorwürfe seien "an den Haaren herbeigezogen", sagt die AfD in Thüringen.
Von Simon Hurtz

Die Afrikaner setzen auf eine "möglichst hohe Wachstumsrate", sagt Höcke

Schwarzes Sakko, weißes Hemd, rote Krawatte, dazu ein ruhiger Tonfall und spärliche Gesten. Das Auftreten Björn Höcke ist unscheinbar - seine Worte bergen dagegen Sprengstoff. Ende November trat der Thüringer AfD-Chef bei einer Tagung des "Instituts für Staatspolitik" auf, das der Neuen Rechten zugeordnet wird. Thema war der "Ansturm auf Europa", es ging um die "Asylantenflut", die sich nach Deutschland ergieße (PDF der Veranstaltung). Jetzt wurde ein Mitschnitt seiner Rede veröffentlicht - und der hat es in sich.

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Posted by Panorama on Friday, December 11, 2015

Höcke stellt die These auf, dass die Evolution Afrika und Europa "zwei unterschiedliche Reproduktionsstrategien beschert" habe. In Afrika herrsche die "r-Strategie" vor, die auf eine möglichst hohe Wachstumsrate abziele, dort dominiere der sogenannte Ausbreitungstyp. Dem stehe die europäische "K-Strategie" gegenüber, "die die Kapazität des Lebensraums optimal ausnutzen möchte".

Er fordert seine Zuhörer auf, "mal die populationsökologische Brille aufzuziehen". Angeblich betrage der Bevölkerungsüberschuss Afrikas etwa 30 Millionen Menschen pro Jahr. Solange Deutschland diese Menschen bereitwillig aufnehme, werde "sich am Reproduktionsverhalten der Afrikaner nichts ändern". Seine Schlussfolgerung: "Die Länder Afrikas, sie brauchen die deutsche Grenze, sie brauchen die europäische Grenze, um zu einer ökologisch nachhaltigen Bevölkerungspolitik zu finden."

Höcke überträgt biologische Theorien auf den Menschen

Biologen benutzen die Begriffe "r-Strategie" und "K-Strategie", um das Fortpflanzungsverhalten verschiedener Arten voneinander abzugrenzen. r-Strategen sind etwa Bakterien, Läuse und Ameisen, die auf eine hohe Reproduktionsrate setzen. Die meisten Säugetiere, darunter auch der Mensch, verfolgen eine K-Strategie: Sie zeugen wenige Nachkommen, die dafür eine hohe Überlebenschance haben.

Robert Lüdecke von der Amadeu-Antonio-Stiftung wirft Höcke nun "blanken Rassismus" vor. Im Gespräch mit dem NDR zieht er Parallelen zur Rassentheorie des Nationalsozialismus, da Höcke eine biologische Theorie auf den Menschen übertrage und so zwischen Afrikanern und Europäern unterscheide. Höcke stelle Europäer als bessere Menschen, Afrikaner als Invasoren dar, das erinnert Lüdecke an "die Theorie einer Herrenrasse". Die Amadeu-Antonio-Stiftung prüft, ob Höckes Äußerungen strafrechtlich relevant seien.

Höcke ein Rassist? Nicht doch, sagt die AfD

Die AfD hält die Vorwürfe für "an den Haaren herbeigezogen". Eine Sprecherin der Thüringer Landtagsfraktion sagte dem NDR, Höcke lehne die "völlig absurde Rassentheorie des Nationalsozialismus" entschieden ab. Diese widerspreche seinem christlichen Menschenbild.

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In den vergangenen Monaten hatte Höcke mehrfach mit rechtspopulistischen bis rechtsradikalen Aussagen provoziert. So skandierte er bei einer Demonstration in Erfurt "Thüringer! Deutsche! 3.000 Jahre Europa. 1.000 Jahre Deutschland". Wenig später drapierte Höcke während einer Sendung von Günther Jauch eine Deutschlandfahne über seiner Stuhllehne und behauptete, Deutschland würde sich mit den Flüchtlingen "sozialen Sprengstoff importieren".

Danach ging sogar die AfD-Vorsitzende Frauke Petry öffentlich auf Distanz. In einem Brief an die Parteimitglieder schrieb sie, dass Höcke "nicht legitimiert ist, für die Bundespartei zu sprechen". Noch im Sommer hatte Petry weniger Probleme, sich von Höcke unterstützen zu lassen. Beim Machtkampf um die AfD-Führung mit dem mittlerweile ausgetretenen Bernd Lucke soll sie sich mit Höcke abgesprochen haben, um Lucke abzuwählen. Bisher hat sich Petry nicht zu den jüngsten Tiraden Höckes geäußert.

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