Abschiebungen Deutschland schiebt wieder nach Afghanistan ab

Mehr als hundert Menschen protestierten am Flughafen Düsseldorf gegen die erste Abschiebung nach Afghanistan seit Mai.

(Foto: dpa)
  • Zum ersten Mal seit einem schweren Anschlag in Kabul Ende Mai hat Deutschland wieder abgelehnte Asylbewerber nach Afghanistan abgeschoben.
  • In dem in Düsseldorf gestarteten Flugzeug sollen mindestens zwölf Afghanen gesessen haben.
  • Hilfsorganisationen kritisieren, den Abgeschobenen drohten in Afghanistan möglicherweise Inhaftierung, Folter und Tod.

Nach einer längeren Pause sind am Dienstag erstmals wieder abgelehnte Asylbewerber nach Afghanistan abgeschoben worden. Das Flugzeug hob am Abend in Düsseldorf ab, um die Menschen in die afghanische Hauptstadt Kabul zu bringen.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) bestätigte die Ankunft von "acht Rückkehrern". Einem Sprecher des afghanischen Flüchtlings- und Rückführungsministeriums zufolge sollten eigentlich zwölf Afghanen in Kabul eintreffen. "Wir wissen nicht, ob es in letzter Minute eine Planänderung gab oder ob einige von ihnen zurückgebracht wurden", sagte der Sprecher. Unter den Abgeschobenen auf dem Flug waren seinen Angaben zufolge drei Straftäter.

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Mehr als hundert Menschen protestierten auf dem Flughafengelände gegen die Abschiebung. Auf Transparenten und Schildern hieß es: "Abschiebungen stoppen" und "Keine Abschiebungen in den Tod".

Es ist die erste Sammelabschiebung nach Afghanistan seit dem Anschlag vom 31. Mai in Kabul, bei dem mehr als 100 Menschen getötet und die deutsche Botschaft schwer beschädigt worden war. Die Bundesregierung begründete ihren vorläufigen Abschiebestopp nach Afghanistan nach dem Anschlag allerdings nicht mit der schwierigen Sicherheitslage im Land. Stattdessen hieß es, dass die Botschaft nach dem Anschlag vorrübergehend nicht mehr in der Lage sei, den organisatorischen Aufwand der Abschiebungen zu bewältigen.

Hilfsorganisationen lehnen Abschiebungen hingegen ab, weil davon auszugehen sei, dass abgeschobene Asylbewerber in Afghanistan möglicherweise Inhaftierung, Folter und Tod drohten. Die Flüchtlingshilfsorganisation Pro Asyl hält den Abschiebeflug daher für ein Wahlkampfmanöver. "Man will ein Signal der Härte setzen, um kurz vor der Bundestagswahl im flüchtlingsfeindlichen Milieu nach Stimmen zu fischen", sagte der Geschäftsführer der Organisation, Günter Burkhardt.

Bisher hat Deutschland in etwa einem halben Dutzend Sammelflügen mehr als 100 abgelehnte Asylbewerber nach Afghanistan abgeschoben.

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