USA Fünf Gründe, warum Michelle Obama als First Lady fehlen wird

Die beste Überzeugungsarbeit, dass Sport Spaß macht? Einfach selbst die Hüften schwingen (Michelle Obama bei einem Schulbesuch 2011).

(Foto: AP)

Wie Michelle Obama im Wahlkampf Donald Trump die Grenzen aufgezeigt hat - und welcher Satz von ihr in Erinnerung bleiben wird.

Von Johanna Bruckner, New York

Michelle Obama hätte 2009 alle Möglichkeiten gehabt, sich aus erster Hand über ihre anstehende Aufgabe zu informieren. 45 Frauen bewohnten vor ihr als First Lady das Weiße Haus oder eine andere Residenz. Viele dieser Frauen veröffentlichten später Memoiren, in denen sie das Leben im berühmtesten Präsidentensitz der Welt reflektierten - und ihre eigene Rolle in Haus und Staat.

Helen Taft etwa, Präsidentengattin von 1909 bis 1913, sah sich genötigt, ihrer Autobiografie eine Einschränkung voranzustellen: "Ich versuche in dieser Erzählung nicht, mich als Frau darzustellen, die über ein spezielles Verständnis von Staatsangelegenheiten verfügt, wie es allein Männer haben, die dafür ausgebildet wurden." Lady Bird Johnson, Ehefrau des Kennedy-Nachfolgers Lyndon B. Johnson, nahm in ihrem begehbaren Kleiderschrank im Weißen Haus Dutzende Tonbänder auf und archivierte Gästelisten und sogar Menükarten.

Nur: Michelle Obama las kein einziges dieser Bücher. "Ich wollte nicht davon beeinflusst werden, wie sie die Rolle definiert haben", erzählte sie in diesem Jahr Oprah Winfrey. "Ich wusste, dass ich die Rolle für mich selbst finden muss, für die Person, die ich bin."

Eines steht nach den vergangenen acht Jahren fest: She did it her way - und wie! Fünf Gründe, warum sie als First Lady fehlen wird.

1) Weil sie cool war.

Ein amerikanisches Präsidentenpaar, das ganz selbstverständlich und lässig die sozialen Medien nutzt? Eine First Lady, die Snapchat-Videos mit Flower-Power-Filter verschickt? So etwas hat es vor den Obamas nicht gegeben. Barack und Michelle Obama waren nicht einfach Präsident und First Lady, sie waren Entertainer. Beide saßen wiederholt in den wichtigen Late-Night-Shows, in der Tonight Show von Jimmy Fallon gibt die First Lady am Mittwochabend ihr allerletztes TV-Interview in dieser Funktion.

Immer wieder zeigten die Obamas, dass sie Humor haben - und populäre Unterhaltungsformate lieben: Barack trank Kaffee im Auto mit Jerry Seinfeld und Michelle sang Karaoke im Auto mit James Corden. Dem Moderator der Late Late Show verriet die First Lady (allen, die das bis dato noch nicht mitbekommen hatten), welche Codenamen sie und Ehemann Barack beim Secret Service haben ("Renaissance" und "Renegade"). Und sie beantwortete die Frage, ob sie den 24-Stunden-Room-Service im Weißen Haus vermissen werde. Zitat: "I will not. I make a mean grilled cheese sandwich myself."

Wenn Michelle Obama geht, verliert nicht nur die amerikanische Politik. Auch die Popkultur verliert ein Stück politischen Glamour. Mic drop, um es mit Ehemann Barack auszudrücken.

2) Weil sie emotional war.

Im Wahlkampf war Michelle Obama die bessere Hillary Clinton. Ihr nahm man ab, dass sie sich für die Menschen und Dinge interessierte, über die sie sprach. Mancher sah Michelle Obama schon als künftige Bewerberin um das Präsidentenamt. Sie selbst hat immer wieder betont: Diese Bürde wolle sie ihrer Familie nicht ein weiteres Mal aufladen. Einfühlungsvermögen und Anteilnahme - Michelle Obama weiß, dass diese Fähigkeiten Frauen im Weg stehen können. Dass sie dazu führen können, dass Frauen ihre eigenen Bedürfnisse und Ziele vergessen. Michelle Obama war acht Jahre lang eine selbstbestimmte und eine mitfühlende First Lady.