USA Donald Trump ruft "nationalen Notstand" in der Drogenkrise aus

Ein kleiner Junge demonstriert mit seiner Oma gegen den Fluch der Drogen in Ohio.

(Foto: Spencer Platt/AFP)
  • Die USA kämpfen seit Jahren mit einer schweren Drogenkrise.
  • 60 000 Menschen starben im vergangenen Jahr durch Opioide, vor allem Heroin.
  • Die Epidemie ist auch Ausdruck einer sozialen Krise. Sie wütet besonders heftig dort, wo zahlreiche Industrie-Arbeitsplätze verloren gingen.

US-Präsident Donald Trump hat angesichts von zahlreichen Opioid-Abhängigen in seinem Land offiziell einen "nationalen Notstand" erklärt. Die Drogenkrise setze der Nation zu und sei ein ernsthaftes Problem, dass die USA in diesem Ausmaß noch nicht gesehen hätten, sagte Trump am Donnerstag in einem seiner Golfclubs im US-Staat New Jersey.

Eine von Trump einberufene Expertenkommission hatte kürzlich gefordert, dass in der Opioid-Krise der nationale Notstand erklärt werde. Das bedeutet, dass nun Mittel zum Kampf gegen die Drogen zur Verfügung gestellt werden können.

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Tatsächlich ist es höchste Zeit zu handeln. Millionen Menschen sind in den USA von der Drogenepidemie betroffen, darunter Zwölfjährige ebenso wie Rentner. Schon seit 2009 übersteigt die Zahl der Toten durch Drogenmissbrauch die der Verkehrstoten und der Opfer von Waffengewalt. Vor allem letzteres erfährt in den USA wesentlich mehr Aufmerksamkeit; seit Jahren tobt ein Ideologiekrieg über das Recht auf Waffenbesitz, über die Drogentoten hingegen redete bisher kaum jemand.

Das hat auch damit zu tun, dass die Opfer zu den Abgehängten der Gesellschaft zählen. Viele von ihnen sind mittleren Alters, weiß, leben auf dem Land oder in kleinen Städten, vor allem in den Appalachen und im Südwesten. Viele dieser Regionen werden seit Jahren von sogenannten Opioiden überschwemmt - darunter vor allem Heroin und künstliche Substanzen wie Fentanyl und Oxycodon. 60 000 Menschen starben im vergangenen Jahr auf diese Weise, die Todesrate liegt bei etwa 20 Drogentoten je 100 000 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland sind es etwa 1,5 Tote. CNN spricht bereits von einer "Epidemie der Hoffnungslosigkeit".

Die Drogen sind nicht nur Ursache einer sozialen Krise, sondern auch Symptom

Tatsächlich haben die Drogen ganze Landstriche in eine soziale Krise gestürzt: Sie zerstören Familien, zerfressen das soziale Geflecht der Städte und lähmen die Wirtschaft, weil Firmen keine Angestellten mehr finden. Laut der US-Gesellschaft für Suchtmedizin sind zwei bis drei Millionen US-Bürger abhängig von verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln und Heroin.

Wer genauer hinsieht, bemerkt aber schnell: Die Drogen sind nicht nur Auslöser von Problemen, sie sind auch ein Symptom. Denn die Epidemie wütet besonders dort, wo in den vergangenen Jahren zahlreiche Industrie-Arbeitsplätze verloren gingen. Diese ländliche weiße Arbeiterschicht war es auch, die Trump im Wahlkampf ihre Stimme gegeben hat. Der hatte versprochen, die Kohleminen im Land wieder aufzumachen und entlassene Bergleute erneut in Lohn und Brot zu bringen.

Trump kündigte an, alle zuständigen Behörden seien angewiesen, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln auf die Epidemie zu reagieren. Dass das bitter nötig ist, zeigt die Überforderung der Städte und ihrer Einsatzkräfte mit der Krise: In manchen Gegenden rückt schon die Feuerwehr aus, um Drogensüchtige mit Überdosis zu behandeln.

Medizinische und therapeutische Hilfe zu bekommen, ist für Süchtige schwierig. Jahrelang haben Amerikas Ärzte selbst willkürlich Schmerzmittel mit Opioiden verschrieben und so ein Heer von Abhängigen geschaffen. Die Politik hat das Problem ignoriert. Zwar hat Trumps Vorgänger Barack Obama mit seiner Gesundheitsreform Obamacare rund 20 Millionen Amerikanern eine Krankenversicherung verschafft, davon viele mit kleinem Einkommen. Doch konkrete Maßnahmen gegen die Drogenepidemie gab es nicht.

Bevor er den nationalen Notstand ausrief, hat Trump selbst hart darauf hingearbeitet, den Armen diese Versicherung wieder wegzunehmen und Sozialprogramme zu kürzen - genau die Dinge, die den Süchtigen helfen.

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